„Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen“

von Caren Benedikt

erschienen am 02. März 2020 im Blanvalet Verlag
ISBN: 978-3-7645-0707-7
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Grand-Hotel-Die-nach-den-Sternen-greifen/Caren-Benedikt/Blanvalet/e551384.rhd

Das Buch „Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen“ von Caren Benedikt spielt zu einem Teil auf der Insel Rügen, der andere Teil in Berlin der 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Coverrechte: Blanvalet Verlag

Es ist das Jahr 1924, alles scheint im „Grand Hotel“ auf Rügen in Ordnung zu sein: Bernadette von Plesow hat die Fäden fest im Griff: Nach dem Tod ihres Mannes führt sie das „Grand“ mit harter Hand. Ihr ruhiger Sohn Alexander hat zwar auch einen Anteil, allerdings wird er von seiner Mutter an der kurzen Leine gehalten. Das Zepter aus der Hand zu geben ist für Bernadette keine Option.
Außerdem gibt es noch ihre Tochter Josephine, die aus Paris zurück gekehrt ist, wo sie eine renommierte Kunstschule besucht hat. Doch im Gegensatz zu ihrer zielorientierten Mutter, lebt Josephine in den Tag und weiß gar nichts mit sich anzufangen.
In Berlin führt ihr zweiter Sohn Constantin ebenfalls ein Hotel, das „Hotel Astor“. Er hat sich rund um das Hotel ein undurchsichtiges Imperium erschaffen.
Doch dann droht ein großes Geheimnis aufgedeckt zu werden, welches Bernadettes Leben und das ihrer Kinder für immer aus der Spur bringen könnte.

Die Autorin Caren Benedikt hat das Buch auf ihrer Facebook-Seite angekündigt. Ich verspürte gleich große Lust, dieses Buch zu lesen, da ich zum einen die Zeit sehr mag, aber auch Geschichten rund um große Hotels. Und auch das wunderschöne Cover verzauberte mich direkt.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet Verlag für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar.

Ich tat mir Anfangs mit dem Buch schwer. Das lag daran, dass mir eine sympathische Figur gefehlt hat. Bernadette ist eine sehr zielorientierte und auch strenge Frau, die alle anderen Figuren um sich herum dirigiert. Liebevoll ist sie nicht. Das ändert sich aber doch ab einem gewissen Punkt der Geschichte, und ab da ging es für mich besser voran. Sie ist eine sehr kluge und weise Frau, die in ihrem Leben schon viele Entscheidungen treffen musste, waren sie auch noch so unbequem.
Ihr Sohn Constantin ist anfangs auch eher schwer zu durchschauen, Sympathie ist auch hier eher Fehlanzeige. Alexander wirkte auch eher blass neben seiner herrischen Mutter.
Einzig die Tochter Josephine und das Zimmermädchen Marie brachten ein wenig Farbe in den Anfang der Geschichte. Josephine ist flatterhaft, wirkt selbstbewusst, was sie aber eigentlich gar nicht ist: Sie weiß nicht, welchen Weg sie in ihrem Leben einschlagen möchte. Das kann ihre Mutter nicht länger tolerieren. Außerdem fühlt Josephine sich nicht als die Tochter, die ihre Mutter gerne hätte.
Das Zimmermädchen Marie ist sehr zurückhaltend, dafür aber fleißig und fröhlich. Sie nimmt im Laufe der Geschichte eine tragische Rolle ein.
Was mir an allen Charakteren in der Geschichte gefallen hat: Sie alle machen Fehler, sie sind keine perfekten Pappkameraden, nein, sie haben Ecken und Kanten. Und sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte.
Diese Entwicklungen der Figuren trieben die Geschichte auch immer weiter voran und es kam wirklich auf keiner Seite Langeweile auf. Die vielen, gleichzeitigen Handlungen sind packend und haben mich immer wieder überrascht und teilweise auch schockiert.

Die Themen des Buches sind vielfältig: Zum einen der Hotelbetrieb in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in all seinen Facetten: Der schier unendliche Reichtum auf der einen Seite, aber auch der Stand der Zimmermädchen als Bild für die ärmere Bevölkerung.
Doch wer glaubt, dass dies das große Thema des Buches ist, liegt falsch. In Berlin lernen wir noch einen anderen Aspekt kennen: Die organisierte Kriminalität, mit Schutzgelderpressungen, Prostitution und Drogenhandel.
Und genau diese Handlungen haben mich immer wieder fassungslos gemacht. Ein Menschenleben ist in diesem Milieu nichts, aber auch gar nichts wert.
Caren Benedikt versteht es außerordentlich gut, mit ihrer direkten und bildhaften Sprache, der Geschichte Leben einzuhauchen. Die Handlung läuft immer weiter fort, ohne, dass auf einer Seite Langeweile aufkommt. Ich mochte das Buch teilweise nicht mehr aus der Hand legen, so spannend wurde es.
Ein spannender Auftakt einer Reihe, der zweite Teil erscheint im Frühjahr 2021 – ich freue mich!

Fazit: Anders als gedacht, aber ein richtig packendes Buch, welches ich nur schwer aus der Hand legen wollte. Absolut empfehlenswert.

Bemerkung: Dieses Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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