„Die Lilienbraut“

von Teresa Simon

Erschienen am 11. Mai 2020 im Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-42244-5
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Lilienbraut/Teresa-Simon/Heyne/e529708.rhd

Das Buch „Die Lilienbraut“ von Teresa Simon handelt von zwei Frauen, die auf zwei Zeitebenen durch eine tragische Familiengeschichte und einem besonderen Gespür für Düfte miteinander verbunden sind.

Coverrechte: Heyne Verlag

Köln in den 40er Jahren: Nellie Voss, eine junge Frau aus Köln und mit einem besonderen Gespür für Düfte, tritt eine Stellung bei 4711 an. Ihre Mutter führt eine Kneipe im Stadtviertel Ehrenfeld, ihr Bruder Martin ist ein guter Schüler. Der Vater ist schon seit einigen Jahren tot.
Dann ist da aber noch eine Liebe zu einem Mann, die nicht sein darf. Und das alles, während sich die halbe Welt im Krieg befindet.
Köln in der Gegenwart: Nina eröffnet, nach einer schwierigen und schmerzhaften Trennung von ihrem Freund, ein kleines Geschäft für Düfte und Seifen im Kölner Stadtviertel Ehrenfeld. Als Alleinerziehende schon schwer genug, aber dazu kommt noch, dass Nina Feinde haben muss: Eine ältere Frau beschimpft sie auf offener Straße und auch auf ihr Geschäft wird ein fieser Anschlag verübt.

Den Büchern von Teresa Simon fiebere ich schon Monate vor dem Erscheinungstermin entgegen. Ich liebe Bücher, die auf zwei Zeitebenen spielen und damit Vergangenheit und Gegenwart zusammen führen. Dadurch wird Geschichte nochmal ‚greifbarer und fühlbarer‘. Teresa Simon gehört für mich ganz klar zu den absoluten Meisterinnen dieses Genres – all ihre Bücher sind äußerst emotional, aber äußerst gut recherchiert. Daher musste ich das Buch „Die Lilienbraut“ einfach sofort lesen.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Heyne Verlag für die Zusendung als Rezensionsexemplar.

Das Buch handelt und erzählt, wie schon erwähnt, auf zwei Zeitebenen. Der Zeitstrang, der in den 40er Jahren in Köln spielt, ist größtenteils in Tagebuchform geschrieben. Mit einem Teil des Tagebuchs beginnt dieser Roman und zog mich damit von der ersten Seite an in die Geschichte. Durch das Erzählen in Ich-Form kamen mir die Geschichte und die Figuren gleich sehr nah, ich konnte direkt eine Verbindung zu den Charakteren aufbauen. Die drückende Stimmung während des Zweiten Weltkrieges wurde sehr intensiv und realistisch dargestellt. Was war das für die Menschen eine schreckliche Zeit, wenn man am Abend ins Bett ging und nicht wusste, ob man am nächsten Morgen noch lebt.
Der zweite Erzählstrang erzählt eine Geschichte in der Gegenwart. Auch wenn ich den Figuren hier nicht direkt nahe kam – ich musste sie erst richtig kennenlernen – empfand ich alle Figuren absolut authentisch und lebensnah beschrieben. Auch die Stimmung in der Stadt Köln, die Lebensart der Kölner sprühte mir regelrecht entgegen.
Eine der Hauptfiguren ist die junge Nellie Voss, die in den 40er Jahren in Köln wohnt. Der frühe Verlust des Vaters hat ihr Leben geprägt, sie versucht aber trotzdem ihr Leben zu leben und auch oft das Gute in Allem und Jedem zu sehen. Der jüngere Bruder Martin, der ihr immer mehr entgleitet, ihre Mutter, die sie in der Kneipe als Bedienung braucht, ihre Stellung in einer Parfümfabrik, ihre beste Freundin, die in eine unglückliche Ehe gedrängt wird und ihre eigene Liebe zu einem Mann, die nicht sein darf – all das muss Nellie in ihrem Leben stemmen. Ein Leben, welches immer wieder unter dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges und dem Nazi-Regime steht. Eine Zeit, in der man sehr gut aufpassen musste, was man sagt.
Die Figuren, die um Nellie Voss agieren, sind alle samt Charaktere, die bei mir einen großen Eindruck hinterlassen haben. Benedikt, Nellies heimliche Liebe, ist zerrissen zwischen zwei Welten. Er hat sich eigentlich für seinen Lebensweg entschieden, aber Leben ist bekanntlich das, was passiert, wenn man sich etwas anderes vorgenommen hat.
Nellies Mutter ist eine so starke, selbstbewusste Frau. Sie lässt sich nicht unterkriegen, nimmt aber auch Hilfe dankend an.
Martin, Nellies Bruder, empfand ich als einen der Charaktere, der die größte Wandlung in diesem Roman durchgemacht hat: Von einem unbedarften Jungen zu einem Kämpfer.
Doch auch Greta, Nellies Freundin, macht eine große Wandlung durch und wird zu einer Figur, die man einfach nur noch in den Arm nehmen möchte.
Es gibt noch eine überschaubare Anzahl an Figuren, die mehr oder weniger am Rande eine Rolle spielen. Aus diesen Figuren sticht aber vor allem der Parfümeur Luuk heraus. Ein warmherziger und guter Charakter.
Im zweiten Erzählstrang ist die junge Nina im Mittelpunkt der Geschichte: Von ihrem Partner wegen einer anderen Frau verlassen, und damit allein erziehende Mutter eines kleinen Sohnes, hat sie ihre Zelte in den Niederlanden abgebrochen und ist in Köln-Ehrenfeld gelandet. Dort eröffnet sie, mit dem Nachlass ihrer Tante, einen kleinen Laden. Nina ist ein sehr lebendiger und ehrgeiziger Charakter. Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck und gibt alles für ihren Sohn, möchte aber auch etwas in ihrem Leben erreichen.
Ihr kleiner Sohn Thijs hat mein Herz im Sturm erobert. Er bringt in die Geschichte eine ganz besondere Note mit rein – er ist einfach nur zum liebhaben.
Auch in diesem Erzählstrang gibt es noch eine Reihe von Figuren, die um Nina herum agieren. Jede Figur hat so viele Facetten und eine absolut glaubhafte Geschichte. Diese Figuren machen das Buch so bunt, freundlich und lebensecht. Es gibt aber auch Figuren, die erst mal schwer zu durchschauen sind und sehr missgünstig sind.

Teresa Simon hat eine wunderbare Sprache. Eine Sprache, in der man versinken kann und all seine Alltagssorgen komplett vergessen kann.
Ich empfand auf keiner Seite Langeweile und auch die beiden Erzählstränge verbinden sich harmonisch zu einer großen Geschichte.

Der geschichtliche Hintergrund ist das Köln zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Krieg scheint Anfangs zwar präsent zu sein, aber noch weit weg. Im Laufe der Handlung kommt der Krieg aber immer näher und auch direkt nach Köln – es folgen die Bombenangriffe der Britischen Armee.
Es zeigt aber auch die ganze Brutalität des Nazi Regimes und der Kampf des Widerstandes gegen dieses Regime. Ich habe nochmal sehr viel über die „Edelweißpiraten“ gelernt – eine Widerstandsbewegung, die sehr im Schatten der ‚Weißen Rose‘ steht, mindestens aber genau so interessant ist.
Ein anderes großes Thema ist die Welt der Düfte. Mit den vielen Beschreibungen der Düfte konnte ich mir viele Düfte so gut vorstellen und sie auch teilweise richtig riechen. Hier merkt man, wie sehr und wie gut Teresa Simon recherchiert hat.

Fazit: Ein sehr sinnliches Buch, welches aber auch den Schrecken des Zweiten Weltkriegs näher bringt. Sehr lesenswert!

Bemerkung: Dieses Buch habe ich vom Heyne Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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