„Eine Liebe zwischen den Fronten“

von Maria W. Peter

Erschienen am 29. Juni 2020 im Lübbe Verlag
ISBN: 978-3404179893
https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/historische-romane/eine-liebe-zwischen-den-fronten/id_6801946

Das Buch „Eine Liebe zwischen den Fronten“ von Maria W. Peter zeigt den Ausbruch des Deutsch-Französische Krieges 1870/1871, vor allem aber, wie sich dieser Krieg auf die Grenzregionen Elsass und Lothringen ausgewirkt und Menschen auseinander gerissen hat.

Coverrechte: Lübbe Verlagsgruppe

Berlin im Juli 1870: Die junge Französin Madeleine Tellier könnte nicht glücklicher sein – sie feiert mit Paul Gerlau, einem preußischen Arzt, ihre Verlobung. In diese Verlobungsfeier platzt eine schreckliche Nachricht: Preußen und das Französische Kaiserreich befinden sich im Krieg. Paul wird sofort ins ferne Coblenz beordert, Madeleine verlässt mit ihrem Vater Berlin und reißt zurück in ihre lothringische Heimatstadt. Eine Reise, die einen großen Schicksalsschlag begleiten wird.
Wenig später befindet sich Paul an der Front, wo das große Sterben begonnen hat. Madeleine und ihr algerisches Hausmädchen Djamila kämpfen in Metz gegen das Sterben und gegen Madeleines Mutter, die vergangenen Zeiten hinterhertrauert. Zwischen Paul und Madeleine liegt nun eine Kriegsfront, sie sind sich teilweise nah und doch Welten voneinander entfernt.
Da taucht Madeleines älterer Bruder Clément auf – mit einem unbändigen Hass auf die Deutschen. Und auch das algerische Hausmädchen Djamila steht große Ängste um ihren Bruder Karim aus, der sich ebenfalls an der Französischen Front befindet und dem Tod näher ist als dem Leben.

Auf das Buch bin ich durch die sozialen Medien aufmerksam geworden, dort kündigte es die Autorin auf ihrer Seite an. Mir war klar, dass ich dieses Buch lesen muss, da ich die Bücher „Die Festung am Rhein“ und „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter sehr gerne gelesen habe. Außerdem findet man Bücher, die im 19. Jahrhundert spielen, momentan eher selten auf dem Markt und ich empfinde diese Epoche als eine sehr spannende Zeit, da sich aus dieser Zeit viel ableiten lässt, was dann im 20. Jahrhundert geschehen ist.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Verlag Lübbe und an die Autorin für die Zusendung eines Vorab-Exemplares.

Maria W. Peter hat in diesem Buch ganz besondere Charaktere geschaffen: Sie sind stark, gleichzeitig spielt das Leben aber auch ein unerbittliches Spiel mit ihnen, welches sie öfters an ihre persönlichen Grenzen bringt.
Madeleine war mir gleich auf den ersten Seiten sympathisch, sie hat ihr Herz am rechten Fleck, genoss eine gute Erziehung und Bildung und wird von ihrem Vater respektiert. Während der ersten 100 Seiten macht Madeleine eine große Entwicklung durch, sie lässt sich aber nicht unterkriegen. Eine starke und einfühlsame Person, die auch eine verletzliche Seite hat. Für ihr Glück mit Paul alles gibt sie alles und verliert dabei ihren Bruder Clément nicht aus den Augen. Auch ein Zerwürfnis mit ihrer Mutter wirft sie nicht aus der Bahn, ganz im Gegenteil: Es macht sie noch stärker.
Mit Paul ging es mir ähnlich: Er ist ebenfalls ein Kämpfer, der sich nicht so schnell von seinen Idealen abbringen lässt. Er zeigt als Arzt an der Front soviel Menschlichkeit und versucht dort den Soldaten zu helfen. Auch wenn er immer wieder an seine Grenzen gebracht wird, verliert er seinen großen Traum nicht aus den Augen: Ein gemeinsames Leben mit seiner geliebten Madeleine.
Madeleines Bruder Clément ist ein sehr tragischer Charakter: Schon früh hatte er das Gefühl, dass sein Vater ihn nicht ernst nimmt, er sogar im Schatten von Paul steht. Er ist eine Figur, die ständig auf der Suche nach sich selbst ist und verzweifelt versucht, Halt zu finden – dabei wirkt er immer rastloser.
Das algerische Geschwisterpaar Djamila und Karim hat eine sehr grausame und bewegte Geschichte, die sich erst nach und nach offenbart. Die Beiden sind lange Zeit voneinander getrennt, haben aber immer eine immense Verbindung zueinander.
Viele Charaktere agieren um die Hauptfiguren, und sie alle sind lebensnah gezeichnet, mit Stärken und Schwächen. Jede Figur hat eine eigene Geschichte und entwickelt sich während der Geschichte. Auch historische Persönlichkeiten, wie z.B. Otto Graf von Bismarck, wurden in diesem Buch greifbarer.
Von den historischen Persönlichkeiten hat es mir vor allem Katharine Weißgerber, ein Dienstmädchen von der Saar, angetan: Sie muss eine wunderbare, starke Frau gewesen sein.

Die Sprache von Maria W. Peter ist sehr bild- und lebhaft. Stellenweise hatte ich das Gefühl, dabei zu sein, die Schreie der Soldaten zu hören und spürte die Verzweiflung sowie die körperlichen und seelischen Verletzungen der Figuren. Die Autorin führt uns das Grauen des Krieges, bei dem es nicht mehr Mann gegen Mann ging, so genau vor Augen, dass ich das Buch teilweise zur Seite legen und durchatmen musste. Aber das Buch zeigt auch, dass es, wie grausam die Zeit auch war, immer wieder Hoffnung gab. Und auch Menschen, die sich das Mensch-sein bewahrt haben.

Das große Thema des Romans ist der Deutsch- Französische Krieg von 1870 bis 1871. Auslöser des Konflikts war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen.
Da der Haupthandlungsort die lothringische Stadt Metz ist, wird in diesem Buch klar, wie dieser Krieg das Leben der Menschen in den Grenzregionen verändert hat. Aus Freunden wurden plötzlich Feinde, Menschen auseinander gerissen und viele Bewohner verloren nach Ende des Krieges ihre Identität. Mir wurde klar, wie sehr sich der weitere Verlauf der Geschichte eigentlich auf diesen Krieg zurückführen lässt.
Maria W. Peter beschreibt den Beginn und Verlauf des Krieges so eindringlich, ich konnte durch den Roman einige Bildungslücken schließen.
Außerdem zeigt Maria W. Peter auch das Schicksal algerischer Muslime, die fern ihrer Heimat von Frankreich für den Kriegsdienst verpflichtet wurden. Es wird klar, wie der Kolonialismus Frankreichs in diesen Ländern seine, teils grausamen, Spuren hinterlassen hat.
Im Geschichtsunterricht endete der Deutsch-Französische Krieg immer mit der Kapitulation Frankreich und den Versailler Vorverträgen. Maria W. Peter hat mir gezeigt, dass es aber, vor allem in Paris, noch lange dauerte, bis tatsächlich Frieden hergestellt war.

Zahlreiche Denkmäler in verschiedenen Städten erinnern heute noch an diesen Krieg. Auch in meiner Heimatstadt steht eines, das sogenannte „Siegesdenkmal“. Ich habe mir das Denkmal etwas genauer angeschaut:

Das Cover und der Titel des Buches suggerieren, dass in diesem Buch eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Dem ist aber nicht so. Ich würde das Buch eher in dem Genre ‚Kriegsroman‘ sehen, bei dem die Liebe eine Rolle spielt – aber nicht die Hauptrolle.
Ein ausführliches Nachwort rundet den Roman perfekt ab.

Fazit: Ein starker Roman, der so manche Bildungslücke schließt und einen mal wieder dankbar dafür sein lässt, in friedlichen Zeiten zu leben. Ein Buch mit starken Charakteren, die ich nicht mehr vergessen werde.

Bemerkung: „Das Buch habe ich freundlicherweise von der Lübbe Verlagsgruppe als Rezensionsexemplar erhalten – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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