„Margeritenjahre“

von Eva-Maria Bast

Erschienen am 08. Juli 2020 im Gmeiner – Verlag
ISBN: 978-3839227350
https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/margeritenjahre.html

Hinweis:
Das Buch ist der fünfte Teil der Jahrhundert-Saga von Eva-Maria Bast. Bitte lest diese Rezension nur, wenn ihr die ersten vier Teile schon gelesen habt, da es euch sonst Teile der Handlung vorweg nehmen könnte. Die Bücher sind in folgender Reihenfolge erschienen:
– „Mondjahre“

– „Kornblumenjahre“
– „Dornenjahre“
– „Wolkenjahre“
– „Margeritenjahre“

Das Buch „Margeritenjahre“ von Eva-Maria Bast ist der fünfte Teil der Jahrhundert-Saga und hat als Schwerpunkt die 60er Jahre in der BRD, in der DDR, in Frankreich und in den USA.

Coverrechte: Gmeiner – Verlag

Das Buch beginnt im November 1968 an der Berliner Mauer, im Osten der Stadt. Der junge Wachsoldat Kurt hat mit einem Kollegen Dienst und bekommt direkt mit, was passiert, wenn Fluchtversuche aus der DDR scheitern. In ihm wachsen Zweifel an diesem Staat und er plant seine eigene Flucht.
Zu diesem Zeitpunkt plant auch Lisabeth zusammen mit ihrem Mann ihre Flucht aus dem Osten. Sie sieht für sich und ihre Familie keinerlei Perspektive mehr.
Im Westen beherrschen die Studentenbewegungen, die Außerparlamentarische Opposition und der Vietnamkrieg die Schlagzeilen und die Gemüter der Menschen. Hier lernen wir den Architekten Otto kennen, der kurz vor dem Mauerbau noch in den Westen flüchten konnte. Er führt eine scheinbar glückliche Ehe mit Helga, aber die Fassade bröckelt zunehmend.
In den USA bringt die Bürgerrechtsbewegung Menschen auf die Straße, mittendrin ist Susanne, eine Deutsche, die in den 30er Jahren vor den Nazis geflohen ist.
In Überlingen scheint die Zeit langsamer zu laufen. Das alte Schulhaus, der Dreh- und Angelpunkt in allen bisherigen Teilen, wird auf Melissa übertragen. Sie träumt von einem eigenen Café, welches aber alles andere als leicht zu realisieren ist.
Auf der Gegenwartsebene, 46 Jahre nach all diesen Ereignissen, sind wir wieder am Bodensee. Dort wird die Familiengeschichte Stück für Stück zusammen gesetzt und viele Geheimnisse kommen ans Tageslicht.

Eva-Maria Bast gehört für mich seit Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen. 2014 ist das Buch „Mondjahre“ als reiner ‚Coverkauf‘ bei mir eingezogen. Davor habe ich noch nichts von Eva-Maria Bast gelesen. Das Buch zog mich damals in seinen Bann, innerhalb weniger Tage war es gelesen und ich war so gespannt, wie es weitergeht, da es ja als Trilogie angekündigt war. Bei jedem weiteren Teil ging mein Weg direkt in die Buchhandlung und ich konnte es kaum erwarten, wie es weitergeht und welche Geheimnissen noch ans Tageslicht kommen. Nach dem dritten Teil war ich traurig, dass es vorbei sein sollte, da eigentlich noch so viel zu erzählen war – und siehe da: Es gab einen vierten Teil! Und jetzt sogar noch den fünften Teil. Was möchte das Bücherherz mehr? Einen Sechsten Teil…?! 😀

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Gmeiner – Verlag für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar.


Das Buch „Margeritenjahre“ hat mich von der ersten Seite an wieder in der Geschichte ankommen lassen. Auch wenn seit dem Erscheinen des vierten Teils über ein Jahr vergangen ist, konnte ich der Handlung gut folgen und auch die Charaktere waren wieder sehr präsent.
Die Charaktere in diesem Buch, in dieser Reihe, haben mich sehr überzeugt – sie sind alle so verschieden und lebensecht gezeichnet. Sie durchleben Höhen und Tiefen, sie sind Kinder ihrer Zeit.
Lisabeth, eine junge Mutter aus der DDR wird mir mit ihrer Geschichte noch länger in Erinnerung bleiben. Sie hat mit ihren Gefühlen, ihren Ängsten tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Für mich als Mutter, einfach unvorstellbar, was ihr und ihrer Familie widerfahren ist.
Melissa, wohnhaft in Überlingen am Bodensee muss sich auch all den Ungerechtigkeiten dieser Zeit stellen – lässt sich aber nicht unterkriegen. Sie ist eine starke Frau, auch wenn sie ihr Selbstwertgefühl des Öfteren vergisst. Durch sie wird klar, wie es mit der Gleichberechtigung der Frau in den 60er Jahren noch bestellt war.
In Berlin gibt es viele Figuren, die es mir angetan haben: Zum einen ist da Otto, der sich mit einem Sprung aus dem Fenster noch in den Westen gerettet hat, dadurch aber seinen jüngeren Bruder Karl zurück gelassen hat. Otto ist eigentlich mit seinem Leben zufrieden, er hat eine hübsche Frau und einen Beruf, der ihm Spaß macht. Seine Frau Helga ist halt leider nur seine Frau, eine Partnerin sucht er in ihr vergebens.
Sein jüngerer Bruder Karl gerät nach seiner Flucht in etwas undurchschaubare Kreise, er lernt über seine Freundin Anni den Wortführer der Studentenbewegung – Rudi Dutschke – kennen. Karl ist ein Charakter, der noch nicht so ganz weiß, was er möchte. Aus der DDR geflohen, wird er im Westen mitten in Unruhen und Aufstände geworfen.
Susanne, wohnhaft in den USA, gefangen in einer unglücklichen Ehe, lassen Unruhen und Aufstände nicht nur Ruhe kommen. Die Morde an Martin Luther King und Robert King halten sie in Atem. Mit Susanne, die all ihre Wurzeln hinter sich lassen musste, erleben wir Weltgeschichte zum Anfassen. Es wird klar, wie es zu diesen Unruhen kam, was die Menschen dachten und fühlten. Es fühlte sich an, als wäre ich mit Susanne mitten im Geschehen gewesen.
Es gibt in diesem Buch so viele Charaktere, aber ich konnte wirklich mit jedem mitfiebern. Sie erleben so viel Gleiches aber auch Gegensätzliches.

Die Sprache von Eva-Maria Bast ist sehr eindrücklich und lebendig. Es gibt keine unnötigen Längen, sie besticht aber trotzdem mit wunderbaren Details über Land und Leute.

Die Hauptthemen in diesem Buch sind sehr vielfältig: Vietnamkrieg, Studentenbewegungen, Fluchtversuche aus der DDR, Zwangsadoptionen und die Bürgerrechtsbewegungen in den USA. All diese Themen, die man aus den Geschichtsbüchern und vielleicht aus Erzählungen der Eltern kennt, werden hier lebendig. Wie schon oben geschrieben, hatte ich das Gefühl, bei so einigen Ereignissen dabei gewesen zu sein und habe auch historische Figuren, wie zum Beispiel Martin Luther King kennen gelernt. Eva-Maria Bast beschreibt die Charaktere und all die geschichtlichen Ereignisse so lebendig und mitreißend, dass ich das Buch nur ungern aus der Hand legen wollte.
Das Thema Zwangsadoptionen in der DDR ist ein Thema, welches mir sehr zu Herzen geht. Es ist unvorstellbar, was die Eltern, aber auch die Kinder durch machen mussten.
Die Bürgerrechtsbewegung in den USA nimmt auch einen Großteil der Handlung des Buches ein und hat mich sehr berührt. Das Thema hatten wir auch im Unterricht, hier wird es aber nochmal erlebbarer, vor allem aber durch die Einstreuung realer Persönlichkeiten.

Das Buch „Margeritenjahre“ von Eva-Maria Bast ist ein sehr aufregendes Buch und zeigt ein authentisches Bild der bewegten 60er Jahre. Durch die vielen verschiedenen Schauplätze bekommt man viel Weltgeschichte mit.
Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt und lege euch das Buch, die ganze Reihe, sehr ans Herz.
Und ja: Bitte einen sechsten Teil – es gibt noch so viel zu erzählen.

Fazit: Tolle Charaktere, spannende Handlung und sehr lehrreich. Große Leseempfehlung.

Bemerkung: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Gmeiner – Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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