„Großstadtflüstern“

von Karin Joachim

Erschienen am 08. Juli 2020 im Gmeiner-Verlag
ISBN: 978-3-8392-2718-3
https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/grossstadtfluestern.html

Hinweis: Dies ist eine Rezension zu dem zweiten Teil der Reihe um Karolina. Lest diese Rezension bitte nicht, wenn ihr den ersten Teil „Domschattenträume“ noch nicht kennt und lesen möchtet. Ihr könntet sonst gespoilert werden!

Das Buch „Großstadtflüstern“ von Karin Joachim ist der zweite Teil um die junge Karolina Offermann, die im Berlin der 1920er Jahre ihren Traum als Schauspielerin verwirklichen möchte.

Coverrechte: Gmeiner-Verlag

Köln und Berlin im Jahr 1927: Karolina Offermann ist ihrem Traum Schauspielerin zu werden ein Stück näher gekommen. Der große Durchbruch in Form einer ersten Hauptrolle lässt aber weiterhin auf sich warten.
Sie pendelt zwischen Köln und Berlin: Köln, ihre Heimatstadt, in der nach wie vor ihre Familie wohnt, und Berlin: Die Stadt, in der ihr Träume Wirklichkeit werden sollen. Karolina steht zwischen den Forderungen ihrer Familie und dem Wunsch, ihren eigenen Weg zu gehen.
Als dann der mysteriöse Tod ihrer Mutter erneut in das Interesse der Polizei rückt und auch die ersten Verdächtigungen gegen ihren Bruder und ihren Vater im Raum stehen, treten Karolinas Träume und Wünsche in den Hintergrund. Die Ermittlungen bringen Unglaubliches ans Tageslicht.
Und dann ist da noch Rudolf, ihre große Liebe. Eine Liebe, die sich Karolina nicht eingestehen möchte und und zu verlieren droht.

Mir hat der erste Teil „Domschattenträume“ schon sehr gefallen, da musste ich den zweiten Teil direkt im Anschluss lesen. Mir ist Karolina mit ihrer Geschichte sehr ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit ihr und ihren Träumen weitergeht.
Meine erste Rezension findet ihr hier.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin Karin Joachim für die Vermittlung eines Rezensionsexemplars und an den Gmeiner-Verlag für die Zusendung des Buches.

Alles beginnt wieder mit einem Prolog, der Fragen aufwirft. Wie kam es zu dieser Situation, in der Karolina in diesem Prolog ist.
Ich war sofort wieder in der Geschichte angekommen und freute mich, Karolina und all die anderen Charaktere wieder zu treffen. Das erste Kapitel fängt im August 1927 an: Karolina ist mit ihrer Bekannten Gertrud (Freundin möchte ich sie nicht nennen) auf dem Weg von Köln nach Berlin. Die Beiden möchten einer Filmpremiere beiwohnen, sind aber recht schnell zerstritten. Zu unterschiedlich sind die beiden Charaktere.
Auch wenn sich Karolina weiterentwickelt hat, steht sie nach wie vor sehr unter der Fuchtel ihres Vaters: Sie ist noch nicht volljährig, hat in Sachen Schauspielerei noch nicht sehr viel erreicht und ist mitunter von seinem Geld abhängig. Auch wenn Vater und Tochter Momente haben, die sie wieder näher zueinander bringen, ist das Verhältnis der Beiden eher schwierig. Karolina gibt aber nicht auf – wie im ersten Teil macht sie alles, um ihren Träumen näher zu kommen. Eine Kämpferin. Leider vergisst sie dann auch so manch guten Vorsatz, bleibt sich selbst nicht immer treu und gerät in eine andere, gefährliche, Abhängigkeit. Den Verlust ihrer Mutter hat sie nie überwunden, deshalb macht sie auch alles, um ihren Tod aufzuklären und Licht ins Dunkle zu bringen. Ihre Seele ist verwundet, auch wenn sie es nach außen hin gut verbergen kann.
Karolinas Vater hat, wie schon erwähnt, eine leichte Wandlung durchgemacht. Er ist nicht mehr ganz so cholerisch, wie im ersten Teil, von Lob und Anerkennung seiner Tochter gegenüber ist er aber noch weit entfernt. Er weiß noch immer, wie er Karolina unter Druck setzen kann.
Es kommen einige neue Charaktere dazu, viele Charaktere aus dem ersten Teil sehen wir aber wieder. Alle Charaktere machen Entwicklungen durch, sie machen aber auch Fehler. Dadurch wirken sie authentisch und lebensecht. Ein bunter Blumenstrauß an Charakterzügen. Ganz toll fand ich, wie reale Persönlichkeiten neben den fiktiven Charakteren agieren und in die Handlung eingeflochten sind.
Eine meiner Lieblings-Figuren ist Felix – Karolinas Cousin. Auch wenn er nur am Rande eine Rolle spielt, ist er für Karolinas Leben unendlich wichtig. Zusammen mit Karolinas Halbbruder Alexander bilden die zwei jungen Männer für Karolina den Fels in der Brandung. Sie sind für sie da, wenn sie nicht mehr weiter weiß und fangen sie auf.
Dadurch, dass sehr oft der Kölner Dialekt, ab und zu auch Berliner Dialekt, eingebunden wurde, kam ich den Figuren nochmal näher und spürte den Flair der Städte noch einmal mehr.

Die Sprache von Karin Joachim ist detailreich ohne langweilig zu sein. Mit wunderschönen Beschreibungen von Plätzen, Orten und Menschen hat sie mich in die Geschichte mit rein genommen. Ich konnte völlig abschalten und mich fallen lassen. Teilweise wurde es richtig spannend, da wollte und konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen.
Ich habe noch einmal viel über das Filmhandwerk und die Technik dahinter gelernt. Wahnsinn, was es innerhalb von ein paar Jahren für Entwicklungen im Film gab.
Karin Joachim hat akribisch recherchiert und sich intensiv mit dem Thema Film aber auch der Zeit auseinandergesetzt. Sie lässt die Filme vor unserem Auge wieder aufleben und sie uns durch Karolinas Augen sehen. Auch wenn es hinter den Kulissen alles andere als schön war – wie überall gab und gibt es dort Neid und Missgunst.

Das große Thema in diesem Buch ist die Filmindustrie der 1920er Jahre. Eine Zeit, die auch als „Die goldenen 20er“ bekannt ist. Glamour und Elend lagen in diesem Jahrzehnt sehr nah beieinander. Das wird in diesem Buch sehr deutlich.
Außerdem ist die Emigration vieler Schauspieler und Regisseure in die USA ein großes Thema. Einerseits hofften sie dort auf einen Duchbruch, aber auch auf bessere Arbeitsbedingungen und mehr Selbstverwirklichung und Kreativität. In Deutschland wurde es politisch für viele Künstler immer gefährlicher, ihr Schaffen wurde eingegrenzt. Viele Künstler nutzen noch die Möglichkeit rechtzeitig all dem zu entgehen.
In diesem Teil wird die Hauptfigur Karolina endlich volljährig und kann sich damit etwas dem Einfluss ihres Vaters entziehen. Brauchte sie davor immer noch sein Einverständnis kann sie nun eigenständig Verträge unterzeichnen. Eine Ehe würde sie wieder ein eine Abhängigkeit zu einem Mann bringen.
Das Buch „Großstadtflüstern“ hat mich wieder bestens unterhalten und mir viel geschichtliches Wissen vermittelt.

Fazit: „Großstadtflüstern“ steht dem ersten Teil „Domschattenträume“ in Nichts nach. Es war wunderschön, sich mit Karolina in den 1920er Jahren aufzuhalten und sie zu begleiten. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Bitte einen dritten Teil – es gibt noch so viel zu erzählen.

Bemerkung: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Gmeiner-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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