„Klaras Schweigen“

von Bettina Storks

Erschienen am 08. März 2021 im Diana-Verlag
ISBN: 978-3453360471
https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Klaras-Schweigen/Bettina-Storks/Diana-Verlag/e554402.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich als kostenloses Rezensionsexemplar (Leseexemplar) vom Diana-Verlag erhalten. Ich habe für diese Rezension keinerlei finanzielle Gegenleistungen seitens des Verlages oder der Autorin bekommen. Diese Rezension spiegelt mein persönliches Lese-Empfinden wieder.
– Alle angeführten Zitate beziehen sich auf die Seitenzahl der gedruckten Ausgabe.

Das Buch „Klaras Schweigen“ von Bettina Storks spielt auf zwei Zeitebenen und begleitet zwei Frauen in ihren Leben. Eine hütet ein großes Geheimnis, die andere begibt sich auf die Suche nach ihren familiären Wurzeln.

Coverrechte: Diana-Verlag

Der Prolog des Buches beginnt im Jahr 1944 in Freiburg im Breisgau. Die junge Klara, die mit ihrer Familie dort wohnt, erlebt die schreckliche Bombennacht vom 27. November 1944. Ein großer Teil der Stadt wird zerstört, etwa 2.800 Bewohner werden getötet.
Kurz nach Ende des Krieges ist das Leben für Klara nicht mehr das Selbe: Ihre Lehre zur Schneiderin konnte sie nicht beenden, sie möchte aber dennoch etwas zum Lebensunterhalt beitragen. Sie findet eine Anstellung in einem französischen Supermarkt, einem sogenannten Économat. Doch bei ihrem Vater stößt sie mit ihrer Arbeit auf Ablehnung, er sieht darin eine Verbrüderung mit dem Feind. Als Klara sich dann auch noch den französischen Soldaten Pasquale verliebt, bringt sie ihren Vater vollends gegen sich auf.
Der zweite Erzählstrang setzt im März 2018 an: Klara, inzwischen hochbetagt, hatte einen Schlaganfall. Zum Erstaunen ihrer Enkeltochter Miriam beginnt Klara französische Worte zu sprechen. Auf ihre Nachfragen bekommt Miriam keine Antworten, ihre Großtante Lotte, aber auch Klara selbst, schweigen. Miriam beginnt mit ihren Nachforschungen und kommt einem großen Familiengeheimnis auf die Spur, welches ihr Leben verändern wird.

Ich muss gestehen, dass ich bisher kein Buch von Bettina Storks gelesen habe. Auch wenn mir ihre Bücher immer wieder in den sozialen Medien begegnet sind und mich die Klappentexte und die Cover verzauberten, schafften sie es nie in mein Bücherregal. Warum das so ist, kann ich leider gar nicht genau sagen. „Klaras Schweigen“ hätte wahrscheinlich ein ähnliches Schicksal ereilt, wenn mich die Autorin nicht angeschrieben hätte. Sie nahm mich auf eine Bloggerliste auf und ich bekam das Buch mit wundervollen Goodies als Rezensionsexemplar zugesendet.
An dieser Stelle möchte ich nochmal ein herzliches Dankeschön an die Autorin und an den Diana-Verlag aussprechen, die mir das Buch und die Goodies zugesendet haben.

Wie schon gesagt, spielt dieses Buch auf zwei Zeitebenen. In der ersten Zeitebene lernen wir Klara als junge Frau kennen. Trotz der Zerstörung um sie herum, gibt sie sich nicht auf und hat den Kopf voller Ideen und Träume. Auch wenn ihr egozentrischer Vater ihr das Leben schwer macht und sie schließlich in eine Flucht treibt, kämpft sie für ihr Glück und für ihr Leben.
74 Jahre später ist Klara eine alte Frau, die in ihrem Leben Höhen und Tiefen erlebt hat und ein großes Geheimnis in sich trägt.
Ich mochte Klara sehr gerne. Sie ist kein perfekter Charakter, sie hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Klara lebt ihr Leben, so gut es in den schwierigen Zeiten eben geht und hat stets versucht das Beste aus Allem zu machen. Auch hochbetagt hat sie ihre Willensstärke behalten.

«Die Wahrheit macht dich nicht frei, sondern kaputt.«“
[S. 362, Z. 1-2]

In der zweiten Zeitebene spielt Miriam die tragende Rolle: Sie ist Mitte 40, hat gerade eine langjährige Beziehung beendet und ist die Enkeltochter von Klara. Zu ihrer Großmutter Klara pflegt sie einen sehr vertraulichen Umgang – Klara ist fast wie eine Mutter für sie. Doch Miriam hat die Vermutung, dass es in ihrer Familie ein Geheimnis gibt, ein Geheimnis, welches das Vertrauen zu ihrer Großmutter auf eine harte Probe stellt.
Ich mochte Miriam auf Anhieb sehr gernr. Sie ist eine Frau, die sich ihren Traumberuf erfüllt hat, sie arbeitet als Doktorin der Literatur an der Universität Freiburg. Sie ist, ähnlich wie ihre Großmutter Klara, ein sehr starker Charakter, der auch schwach werden kann, dann aber auch bereitwillig Hilfe von außen annehmen kann. Was Miriam sich in den Kopf gesetzt hat, setzt sie auch durch, auch wenn sie sich selbst damit verletzt.

„Nichts mehr war wie vorher, aber beim Wissen gab es kein Zurück, denn Miriam hatte den Brief ihres Großvaters gelesen, und sein Inhalt ließ sich nicht auslöschen. Weder in ihrem Kopf noch in ihrem Herzen.“
[S. 96, Z. 1 – 4]

Lotte, Klaras Schwester und damit Miriams Großtante, spielt eine eher kleine, aber doch wichtige Rolle. Sie wirkt sehr unzufrieden mit sich und ihrem Leben, scheint immer wieder an sich zu zweifeln. Lotte empfand ich als etwas anstrengend, aber sie trägt einen großen Teil zur Geschichte bei.
Als eine wichtige Figur sei noch der Vater von Klara und Lotte genannt: Ein Kind seiner Zeit. Ein unzufriedener und mürrischer Mann, gezeichnet vom Krieg. Er ist so starrsinnig in seinem Blickwinkel. Auch seine Frau ist nicht viel besser. Beide leben in ihrer Welt, in der nicht jeder willkommen ist.
Es gibt noch einige Charaktere in diesem Buch, auf die jetzt nicht eingehen möchte, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme. Eines möchte ich aber zu allen Charakteren sagen: Sie sind alle authentisch und lebensecht gezeichnet und tragen zu der Geschichte und dem großen Geheimnis bei. Sie wuchsen mir größtenteils so sehr ans Herz, dass ich bei einigen Szenen weinen musste. So sehr nahmen sie mich mit in ihre Geschichte.

Schon ab der ersten Zeile hat mich die Sprache von Bettina Storks mit in die Geschichte genommen. Sie beschreibt Freiburg und die anderen Orte mit so einer bildhaften Sprache, dass ich immer weiter lesen wollte. Auf keiner Seite kam Langeweile auf, die Geschichte ging mit einem gleichbleibenden Tempo immer weiter und spitze sich dann gegen Ende zu. Teilweise waren einige Begebenheiten und Ereignisse etwas knapp gehalten, diese werden aber dann am Ende der Geschichte noch einmal etwas vertieft. Man erfährt, ähnlich wie Miriam, nach und nach die ganze Geschichte.
Da ich selbst in Freiburg wohne, kenne ich auch die örtlichen Begebenheiten sehr gut, konnte ich noch lernte einiges über die Freiburger Geschichte dazu lernen. Das Buch spielt aber nicht nur in Freiburg, es entführt den Leser/ die Leserin von Freiburg, über Konstanz bis in die Bretagne.
Ich empfand beide Erzählstränge als absolut gleich hochwertig: Ich konnte in der Vergangenheit mit Klara mitfiebern, in der Gegenwart war ich an Miriams Seite und litt mit ihr mit.

Die großen Themen des Buches sind die Suche nach den eigenen Wurzeln und die Vergebung von Schuld. Das sind Themen, die Menschen immer beschäftigen. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen zu wissen, woher man kommt, was vor einem passiert ist und wieso. Miriam lässt sich auf diese Suche ein und muss lernen, mit Geschehnissen und Geheimnissen aus der Vergangenheit klar zu kommen und auch zu vergeben. Aber auch Klara und ihre Schwester Lotte müssen sich und anderen vergeben. Ungeschehen kann man Dinge nicht machen.

Die Ausstattung des Buches ist sehr hochwertig: Es handelt sich um eine Klappbroschur, die im inneren ein wunderschönes Bild bereithält. Das Cover passt sehr gut zum Inhalt des Buches und macht gleich neugierig.

Die geschichtlichen Hintergründe bilden das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Nachkriegszeit in Freiburg.
Am 27. November 1944 fand der mit schwerste Luftangriff auf Freiburg durch die Royal Air Force statt. Bei dieser sogenannten „Operation Tigerfish“ wurden über 14.500 Bomben auf Freiburg abgeworfen, fast 2.800 Menschen fanden den Tod. Dazu wurde der historische Stadtkern Freiburg wurde fast gänzlich zerstört.
Ich habe auf Wikipedia ein gemeinfreies Bild gefunden, welches euch die Zerstörung Freiburgs vor Augen führt. Das Münster wurde, wie durch ein Wunder, nur wenig in Mitleidenschaft gezogen, während alles andere drum herum zerstört war. Ein Bild, welches mir immer wieder Gänsehaut bereitet.

Der andere geschichtliche Hintergrund ist die Nachkriegszeit. Freiburg war französisch besetzt, einem Großteil der der Bevölkerung fehlte es noch an fast Allem. Französische Soldaten prägten das Stadtbild, Verbindungen zwischen diesen und deutschen Frauen waren nicht gerne gesehen – diese galten als Verbindung mit dem Feind (Fraternisierung).
Bettina Storks hat diese geschichtlichen Hintergründe akribisch recherchiert und bettet ihre Geschichte und die fiktiven Charaktere perfekt ein. Mit ihrer fiktiven Familiengeschichte und lebensechten Charakteren wird die reale Geschichte der Stadt Freiburg erleb- und spürbar.

Fazit: „Klaras Schweigen“ hat mich von der ersten Seite an begeistert und mich auf eine turbulente Zeitreise durch meine Heimatstadt mitgenommen. Die Charaktere wuchsen mir sehr ans Herz und es flossen auch mal Tränen. Eine atemberaubende Erzählung, die ich euch sehr ans Herz lege. Unbedingt lesen!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Diana-Verlag und der Autorin erhalten. Ich habe für diese Rezension keinerlei finanzielle Gegenleistungen seitens des Verlages oder der Autorin bekommen – meine Meinung wurde nicht beeinflusst.

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