„Josephine Baker und der Tanz des Lebens“

von Juliana Weinberg

Erschienen am 29. März 2021 im Ullstein-Verlag
ISBN: 978-3548064987
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/josephine-baker-und-der-tanz-des-lebens-ikonen-ihrer-zeit-3-9783843724906.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar (eBook) zur Verfügung gestellt bekommen . Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die Zitate beziehen sich auf das eBook (deshalb ohne Seiten- und Zeilenangabe).

Das Buch „Josephine Baker und der Tanz des Lebens“ von Juliana Weinberg erzählt die Lebensgeschichte der berühmten Sängerin und Tänzerin Josephine Baker (1906 – 1975), die ein aufregendes Leben zwischen weltweiter Ikone und Segregation führte.

Coverrechte: Ullstein-Verlag

Der Prolog des Buches setzt im Jahr 1917 in der Stadt East St. Louis an: Hier lernen wir die elfjährige Josephine kennen, die mit ihren drei Geschwistern, ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in einem sogenannten ‚Schwarzenviertel‘ der Stadt lebt. Das Leben ist hart und entbehrungsreich. In einer Nacht wird das Viertel überfallen, die Häuser in Brand gesetzt und ein Großteil der afroamerikanischen Bevölkerung von weißen Arbeitern getötet. Josephine und ihre Familie überleben, die Bilder dieser Nacht werden sie aber ihr Leben lang verfolgen.
Der erste Teil des Buches setzt im Jahr 1925 an: Josephine ist inzwischen 19 und arbeitet in einem Club in New York als Hintergrund-Tänzerin. Sie träumt von einer großen Bühnenkarriere und diese scheint zum Greifen nah, als die Pariserin Caroline Regen sie entdeckt und sie für ein „Revue Nègre“ (schwarzes Revue) mit nach Paris nimmt.
Doch die Welt steht vor einer großen Katastrophe: Der Zweite Weltkrieg bricht aus und dringt auch in das Leben von Josephine.

Ende des letzten Jahres habe ich das Buch „Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne“ von Juliana Weinberg gelesen und war von dieser Geschichte und dem lebendigen Sprachstil total begeistert. Als mich die Autorin fragte, ob ich ihr neues Buch vorab lesen möchte, musste ich nicht lange überlegen, da dieses Buch auf meiner „Unbedingt-Lesen-Liste“ stand.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin Juliana Weinberg für die Zusendung des eBooks.

Bereits als kleines Mädchen, als sie in Großmutters alten Roben und Hüten für die Nachbarschaft aufgetreten war, wusste sie, dass dies ihr vorgezeichneter Weg war. Sie war geboren, um zu tanzen.“
[Teil 1, Kapitel 1]

Der Name Josephine Baker war mir schon länger ein Begriff, aber so richtig auseinandergesetzt hatte ich mich mit ihr bisher nicht.
Dank dieses Buches konnte ich nun völlig in dieses spannende Leben abtauchen.
Josephine ist eine Frau, die genau weiß, was sie will. Für sie ist klar, dass sie auf die Bühne gehört. Sie lässt Freunde, Familie und ihre Heimat zurück, um sich diesen Traum zu erfüllen. Selbst den Umzug auf einen anderen Kontinent scheut sie nicht.
Sie ist ein exzentrischer Mensch, die ihre Ziele nie aus den Augen verliert, dabei aber ihre Wurzeln und ihre Familie nie vergisst.
Sie arbeitet sich von ganz unten nach ganz oben. Halt in ihrem mittlerweile chaotischen Leben geben ihr ihre Tiere, ihre Garderobe gleicht einem Zoo.

»Und des halb sind Tiere mir so wichtig. Sie sind liebevolle und dankbare Geschöpfe. Ihnen ist es egal, wie ich aussehe. Tiere machen keine Unterschiede zwischen den Menschen.«“
[Teil 1, Kapitel 3]

Im Zweiten Weltkrieg ermutigt sie in Nordafrika französische Soldaten, welches ihr die Auszeichnung mit dem „Lothringer Kreuz“ (ein Symbol des freien Frankreichs) einbringt.
Einen Kampf trägt Josephine aber ihr komplettes Leben aus: Der Kampf gegen Rassismus. Als dunkelhäutige Frau hat sie es, vor allem in den USA, immer wieder schwer. Sie darf dort nicht in Hotels einchecken, die Weißen vorbehalten sind. Da hilft auch ihre Berühmtheit nicht weiter. Neben Martin Luther King ist sie eine der tragenden Rollen auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung im August 1963.

»Auf jeden Fall muss sich etwas ändern – warum sollen dunkelhäutige Menschen schlechter angesehen sein, als weiße? Wieso wird uns, zumindest in den USA, der Zutritt zu Cafés und Restaurants und zu den meisten Berufen verwehrt? Sind wir nicht alle gleich, gehören wir nicht alle zur gleichen Familie – dem Menschengeschlecht?«“
[Teil 1, Kapitel 9]

Juliana Weinberg beschreibt Josephines Leben detailliert, aber ohne Langweile aufkommen zu lassen. Ich konnte völlig in dieses spannende und ereignisreiche Leben abtauchen und habe eine Menge Neues gelernt. Josephine ist mit richtig ans Herz gewachsen: Was für eine tolle, bewundernswerte Frau. Eine wahre Wunderfrau, auch wenn sie manches Mal egoistisch handelt und sich schlecht auf die Gefühle anderer Menschen einstellen kann.
Es gibt in diesem Buch noch einige Figuren, die um und neben Josephine agieren. Sie sind alle wunderbar und lebensecht beschrieben, haben Ecken und Kanten und leben in ihr Leben in ihrer Zeit. Alle zusammen geben ein tolles Gesellschaftsbild dieser Zeit ab. Ich möchte in dieser Rezension aber nicht zu sehr auf einzelne Personen eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme.

Die bildhafte und lebendige Sprache von Juliana Weinberg hat mich von der ersten Seite an gleich in die Geschichte mitgenommen. Auf keiner Seite kam Langeweile auf, die Geschichte rund um Josephine Baker geht immer weiter und trägt den Leser durch viele spannende und ereignisreiche Zeiten.
Leider endet das Buch ziemlich plötzlich, es wäre noch einiges spannendes aus Josephines Leben zu erzählen gewesen. Aber das hätte wahrscheinlich den Umfang des Romans gesprengt und somit finden sich diese Ereignisse im ausführlichen Nachwort der Autorin wieder.

Das große Thema dieses Buch ist der Lebensweg der berühmten Josephine Baker. Anhand ihres Lebens wird das Thema „Segregation“ (Rassentrennung) in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt und der Kampf dagegen. Unvorstellbar, dass eine der berühmtesten Sängerinnen Frankreichs in den USA Hotels nicht betreten durfte, weil sich sonst andere Gäste gestört hätten fühlen können und die Hotel um ihre Lizenz bangen mussten. Oder sie einfach in Clubs nicht bedient wurde. Das Thema hat mich schon immer fassungslos gemacht. Und leider ist Rassismus ein Thema, welches uns bis heute begleitet.

Fazit: Das Buch ist ein absolutes Highlight. Die Lebensgeschichte der Josephine Baker machte mich an einigen Stellen fassungslos, an anderen Stellen einfach glücklich, Eine tolle, einzigartige und starke Frau. Juliana Weinberg hat diese Lebensgeschichte wunderbar und lebhaft beschrieben. Unbedingt lesen!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar von der Autorin erhalten. Ich habe für diese Rezension keinerlei finanzielle Gegenleistungen seitens des Verlages oder der Autorin bekommen – meine Meinung wurde nicht beeinflusst.

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