„Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“

von Marie Lacrosse

Erschienen am 13. April 2021 im Goldmann-Verlag
ISBN: 978-3442205981


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Das-Kaffeehaus-Falscher-Glanz/Marie-Lacrosse/Goldmann/e561596.rhd

Klappentext:
„Die junge Sophie von Werdenfels tritt ihre Stelle als Kaiserin Sisis Hofdame an. Doch im Hofstaat hat sie es schwer. Insbesondere die Gräfin Marie Festetics, Sisis Favoritin, verfolgt jeden ihrer Schritte mit Eifersucht und Argwohn. Sophie erlebt das vordergründig glamouröse, hinter den Kulissen jedoch zutiefst bigotte Leben am Kaiserhof mit. Als Hofdame muss sie auch an der Hochzeit ihrer großen Liebe Richard mit Amalie von Thurnau teilnehmen. Als sie selbst gegen ihren Willen mit einem viel älteren Adeligen verheiratet werden soll, flieht sie vom Hof ins Kaffeehaus ihres mittlerweile schwer kranken Onkels. Dort übernimmt sie die ersten Leitungsaufgaben … „

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Goldmann-Verlag und der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Falls ihr den ersten Teil „Das Kaffeehaus – Bewegte Jahre“ noch nicht kennt, aber lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension zum zweiten Teil nicht lesen – ‚Spoilergefahr‘!
– Meine Rezension zum ersten Teil findet ihr hier: http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=1642

Meine Rezension:
Das Buch „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“ von Marie Lacrosse spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert in Wien und beschreibt die Nachwirkungen der ‚Affaire Mayerling‘.

Der Prolog des Buches setzt Ende Februar im Jahr 1889 an: Ein Monat ist seit dem tragischen Tod des Kronprinzen Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera vergangen. Die junge Sophie von Werdenfels, Marie Vetseras beste Freundin, verfügt über einen Abschiedsbrief ihrer Freundin und damit über Wissen in der ‚Affaire Mayerling‘, welches das Ansehen der gesamten österreichische Monarchie ins Wanken bringen könnte. Um sich Sophies Schweigens zu versichern, nimmt Kaiserin Sisi sie als Hofdame in ihre Dienste.
Sophie eröffnet sich mit diesem Dienst einen Blick hinter die Kulissen des glamourösen Kaiserhauses. Dort ist nichts, wie es nach außen hin scheint : Kaiserin Sisi ist noch immer in tiefer Trauer um ihren Sohn gefangen und unterliegt immer mehr dem Schönheitswahn. Aber auch von den anderen Mitgliedern des Hofstaates wird Sophie nicht mit offenen Armen empfangen. Missgunst und Intrigen beherrschen ihren Alltag. Sophie unternimmt mit Sisi Wanderungen, bereist Teile Europas und findet zu der unnahbaren Kaiserin langsam einen Draht. Aber auch zu Richard von Löwenstein, Sophies großer Liebe, hält sie weiterhin Kontakt, auch wenn sie seiner Hochzeit mit einer anderen Frau beiwohnen muss.
Doch als ihr geliebter Onkel und Patenonkel Stephan Danzer, der Inhaber des Kaffeehauses schwer erkrankt und Sophie an einen Adligen verheiratet werden soll, muss sich Sophie entscheiden: Kaiserlicher Hof oder Kaffeehaus, Kaiserin oder Familie.

Mit großer Begeisterung habe ich im Oktober 2020 den ersten Teil „Das Kaffeehaus – Bewegte Jahre“ gelesen und freute mich seit dem auf den zweiten Teil dieser fantastischen und wunderbaren Reihe. Zum einen finde ich die Zeit, in der dieses Buch spielt unglaublich spannend, aber auch die Charaktere sind mir schon sehr ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen und ihrer Geschichte weitergeht.
Freundlicherweise bekam ich das Buch als Rezensionsexemplar vom Goldmann-Verlag zugesendet, da Marie Lacrosse mich auf ihrer „Bloggerliste“ aufnahm.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Goldmann-Verlag und an Marie Lacrosse für die Zusendung des Buches.

Am Anfang des Buches befindet sich ein umfangreiches Personen-Register. Auch wenn viele Figuren schon im ersten Teil eine Rolle spielten, war es gut, diesen Überblick zu haben. Trotzdem verlangten die vielen Personen, ihre Ränge und Titel einiges von mir ab. Ich blätterte anfangs immer wieder zum Personen-Register zurück, nach einer Weile hatte ich dann aber wieder alle bisherigen und neuen Charaktere auf dem Schirm und konnte voll und ganz in die Geschichte abtauchen.
Sophie von Werdenfels ist eine fiktive Figur, die eine zentrale Rolle in der Handlung einnimmt. Im ersten Teil stand ihre beste Freundin Mary Vetsera neben ihr, welche eine historische Persönlichkeit ist. Im zweiten Teil ist Sophie nun alleine, ihre Freundin ist tot und für Sophie beginnt ein neues Leben am Kaiserhof. Ein Leben, welches sie sich so nicht vorgestellt hat. Halt findet sie aber in ihrem Patenonkel Stephan Danzer, ihrer Mutter und einer anderen Hofdame. Sophie wirkt des Öfteren verloren, dann aber wieder setzt sie sich durch, packt mit an und beweist größten Mut in schwierigen Zeiten. Ich mochte Sophie schon im ersten Teil sehr gerne, da sie sich nicht unterkriegen lässt und sehr vielschichtig gezeichnet ist.
Richard von Löwenstein, Sophies große Liebe, spielt in diesem Teil auch wieder eine tragische Rolle. In seinem beruflichen Leben ist er ein starke und selbstsichere Persönlichkeit, er deckt mit viel Fingerspitzengefühl Missstände in der Armee auf, im Privaten muss er sich unterordnen und eine Frau heiraten, die er überhaupt nicht liebt.
Stephan Danzer, Sophies Patenonkel und Inhaber des Kaffeehauses ist eine meiner Lieblingsfiguren geworden. Seine herzliche, aber auch störrische Art mochte ich von Anfang an sehr gerne. Er ist für Sophie der Fels in der Brandung. Er empfängt Sophie immer mit offenen Armen und hat immer ein offenes Ohr für sie und gibt Sophie damit Wärme und Geborgenheit.
Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Sophies engere Familie wieder eine Rolle gespielt hat – auch wenn nicht alle Mitglieder positiv in Erinnerung bleiben werden. Ich bin sehr gespannt, wie sich ihre jüngere Schwester im dritten Teil entwickeln wird.
Kommen wir nun zu den Mitgliedern des Hofstaates: Hier ist an erster Stelle natürlich Kaiserin Sisi zu nennen. Ja, mein Bild von ihr war durch die Klischee-behafteten „Sissi-Filme“ geprägt, die zuhause mindestens einmal im Jahr geschaut wurden. Mit der ‚Sissi‘ aus den Filmen hat die in diesem Buch historisch korrekter beschriebene Sisi nicht viel gemeinsam. Was für eine anstrengende, aber auch faszinierende Frau und Persönlichkeit. Marie Lacrosse erweckt sie zum Leben, wir laufen mit ihr über Berge, durch Wälder, lauschen ihren Gedichten und bekommen ihre Stimmungsschwankungen und ihre Trauer um ihren Sohn hautnah mit. Ein wacher und großer Geist, aber leider in tiefer Trauer, Verzweiflung und Schönheitswahn gefangen.
Um die Kaiserin wirken und leben noch viele andere Figuren. Sie alle sind lebensecht und authentisch gezeichnet. Einige Charaktere mochte ich auf Anhieb, einige mochte ich von Anfang an nicht. Sie alle tragen, ob positiv oder negativ durch die Geschichte und geben ein wunderbares Bild vom kaiserlichen Hof Ende des 19. Jahrhunderts ab. Viele Figuren sind historische Persönlichkeiten und durch Marie Lacrosse für mich viel greifbarer geworden. Fiktive Charaktere agieren hier neben historischen Persönlichkeiten und wurden perfekt miteinander verwoben.

Marie Lacrosse hat eine sehr lebendige, authentische und detaillierte Sprache, die niemals langatmig ist. Ich war schnell wieder in der Geschichte angekommen und wollte das Buch ungern aus den Händen legen. Langweile kam nie auf.
Durch die Einstreuung des Wiener Dialekts und vielen Details der Stadt und des Hofstaates hatte ich das Gefühl, vor Ort zu sein und alles zu mitzuerleben.
Die Autorin hat akribisch und intensiv recherchiert und zeichnet ein farbenfrohes und lebendiges Bild einer längst vergangenen Epoche. Wie der erste Teil fühlt sich auch der zweite Teil wie eine Zeitreise an. Ich saß im Kaffeehaus, war mit Sophie in der Wiener Hofburg und lief mit ihr an der Seite von Sisi bei starken Unwettern durch Wälder, tanzte auf pompösen Bällen und verweilte in der Wiener Innenstadt.
Ein ausführliches Nachwort der Autorin rundet das Buch perfekt ab.

Das große Thema des Buches ist die Zeit nach der ‚Affaire Mayerling‘, welche die kaiserliche Familie noch immer beschäftigte und die es auch zu vertuschen galt. Der Kronprinz Rudolf, der seine Geliebte erst seine junge Geliebte erschoss und sich dann selbst richtete, durfte auf keinen Fall als Mörder präsentiert werden. Ganz besonders fasziniert war ich, wie bildlich der Palast und seine Bewohner beschrieben wurden und wie allmählich der ‚falsche Glanz‘ zum Vorschein kam und in meinem Kopf das glanzvolle und glamouröse Bild der Kaiserfamilie und des Palasts ablöste.
Spannend fand ich das Thema des Streiks der Tramway- Kutscher. Diese mussten bis zu 19 Stunden täglich arbeiten und für Schäden an den Fahrzeugen selbst aufkommen. Mit dem Arzt, Journalisten und Politiker Victor Adler fanden diese Missstände Gehör und es kam zu Aufständen. Aber nicht nur die Tramway- Kutscher mussten für ein besseres Arbeitsleben kämpfen – auch Fabrikarbeiter mussten für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Mitten in diesen Unruhen und Aufständen treffen wir auch wieder auf eine gute Bekannte: Irene Gerban, bekannt aus der Reihe „Das Weingut“.

Fazit: Das Buch „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“ ist eine wunderbare Mischung aus großer Geschichte, Einzelschicksalen, Fiktion und großen Gefühlen. Ein wahrer Schmöker, den man nur noch ungern aus den Händen legt. Absolut empfehlenswert.
Ich freue mich schon so sehr auf den dritten Teil der Reihe, der im Herbst 2021 erscheinen wird.

Hinweis: Dieses Buch habe ich vom Goldmann-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

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