„Die Frauen von Kopenhagen“

von Gertrud Tinning

Erschienen am 26. April 2021 im Diana-Verlag
ISBN: 978-3453292512


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Frauen-von-Kopenhagen/Gertrud-Tinning/Diana-Verlag/e360909.rhd

Klappentext:
„Kopenhagen 1885: Nelly und Marie arbeiten in der größten Weberei Kopenhagens. Bei einem Unfall am Webstuhl verletzt sich Marie schwer. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gibt das Verhalten der Verantwortlichen Rätsel auf. Nelly steht mit einem schweren Verdacht alleine da und erzählt nicht einmal ihrem Geliebten Johannes davon. Dessen Schwester Anna kommt zur selben Zeit aus Jütland nach Kopenhagen. Und ist schockiert, wie brutal und ungerecht das Leben in der großen Stadt ist. Furchtlos nimmt sie den Kampf auf und setzt einen Meilenstein in der Geschichte Dänemarks.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar über das ‚Bloggerportal‘ zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder

Das Buch „Die Frauen von Kopenhagen“ von Gertud Tinning spielt in der Stadt Kopenhagen des 19. Jahrhunderts während der Industrialisierung und beschreibt anhand eines Arbeitsunfalls die beschwerlichen Anfänge der Frauenbewegung.

Kopenhagen im Februar 1885: Nelly Hansen und ihre Schwägerin Marie Hansen arbeiten in der großen Weberei Rubens an den Webstühlen. Es kommt zu einem schrecklichen und dramatischen Unfall, den die Verantwortlichen in der Fabrik mit Gleichgültigkeit behandeln, sogar versuchen zu vertuschen. Nelly kann das so nicht stehenlassen und begibt sich mit ihrer Hartnäckigkeit in große Gefahr. Unverhofft tritt ihr Nachbar Johannes, ein Bauerssohn aus Jütland, in ihr Leben.
Zur selben Zeit in Jütland: Johannes Schwester Anna soll einen reichen Bauern heiraten und damit die Familie vor dem Ruin retten. Auf Umwegen erfährt sie, dass ihr Bruder Johannes in Kopenhagen in großen Schwierigkeiten steckt. Sie reist dorthin und wird in einen Strudel aus Grausamkeiten, Geheimnissen und Intrigen gezogen. Doch Anna lässt sich auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit nicht aufhalten.

Das Buch habe ich bei den Neuerscheinungen in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt. Dieses wunderbare Cover und der spannende Klappentext sprachen mich direkt an, aber auch die Zeit der Industrialisierung interessiert mich sehr, da es in dieser Zeit große gesellschaftliche und politische Umwälzungen gab. Ich fragte im ‚Bloggerportal‘ ein Rezensionsexemplar an und bekam es freundlicherweise genehmigt und zugeschickt – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Diana-Verlag.

Direkt zu Beginn des Buches lernt der Leser/ die Leserin Nelly Hansen und ihre Schwägerin Marie kennen. Nelly, eine junge Frau, die sich mit den Arbeitsbedienungen irgendwie arrangiert hat, im Privatleben aber vor vielen Problemen steht. Ihr Vater starb früh, ihre Mutter ist Alkoholikerin. Sie hat weder Mann, noch Kinder und lebt in ärmsten Verhältnissen. Ihre Schwägerin Marie muss mit der gefährlichen Arbeit am Webstuhl drei Kinder und noch dazu einen Mann versorgen, der an der Flasche hängt. Die Beiden sind, wie alle Charaktere in diesem Buch, lebensecht und authentisch gezeichnet und haben mich mit ihrer Geschichte direkt gefangen genommen.
Johannes, der Nachbar von Nelly, wirkt anfangs sehr undurchsichtig, man weiß nicht viel über seine Biographie und wo er her kommt. Er hat das Herz aber am richtigen Fleck und verliebt sich in Nelly. Seine Schwester Anna, die man erst später kennenlernt, hat große Ähnlichkeit zu ihm. Beide haben eine ruhige, schüchterne Art, aber mitunter auch temperamentvoll und mit großen Überzeugungen im Herzen, für die sie kämpfen. Sie machen aber auch Fehler und wirken dadurch sehr lebensecht.
Es gibt aber auch die nicht so freundlichen Figuren: Der Besitzer der Weberei, die Vorarbeiter und viele unfriedliche und düstere Gestalten auf den Straßen und in den Fabriken von Kopenhagen.
Ich war völlig fasziniert davon, mit was für einer Authentizität die Autorin Gertrud Tinnung ihre Figuren beschrieben hat. Die Lebensgeschichten ihrer Protagonisten, aber auch kleinerer Nebenrollen, wurden so wunderbar ausgearbeitet, dass ich ihnen gerne folgte, auch wenn es wie ein Wechselbad der Gefühle war.
Teilweise kommen auch historisch belegte Figuren in diesem Roman vor, einigen Charakteren dienten historische Figuren der Autorin als Vorbild für ihre Figuren.
Gertrud Tinning nahm mich direkt mit in diese Geschichte, in der die Figuren nicht nur herbe Rückschläge einstecken müssen und in eine Zeit, in der ihnen nichts, aber auch wirklich gar nichts geschenkt wird.

Gertrud Tinning hat einen sehr lebendigen Sprachstil, verschönert diese Zeit aber mit keinem Wort, keiner Zeile. Sie beschreibt die prekären Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien im späten 19. Jahrhundert, aber auch die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Fabriken ohne Schnörkel.
Das Buch beginnt mit einem schrecklichen Unfall in der Weberei, der Leser/ die Leserin wird also direkt komplett in der Handlung des Buches hineingeworfen und nicht mehr so schnell losgelassen.

Der geschichtliche Hintergrund bildet die Stadt Kopenhagen im späten 19. Jahrhundert und die Zeit der Industrialisierung. Der einzelne Mensch zählte zu dieser Zeit nicht viel – allein seine Arbeitskraft wurde benötigt. Konnte er diese nicht mehr aufbringen oder starb, wurde er ersetzt, wie ein abgenutztes Zahnrad in einer Maschine. Eine unvorstellbar grausame Zeit. Den Schwerpunkt legt Gertrud Tinning in ihrem Roman, auf die Ausbeutung der Frauen, und wie sich, zwar langsam, gegen diese Zustände erhoben und erste Frauenvereine gegründet wurden.

Wenn es wirklich darauf ankam, war man in dieser Fabrik nichts wert, selbst wenn man sein Bestes gab.“
[S. 32, Z. 9 – 11]

Außerdem wird die Auswanderung nach Amerika thematisiert. Zu dieser waren vor allem die USA das Ziel, hier versprachen sich die Menschen einen schnellen gesellschaftlichen Aufstieg und Reichtum, gleichzeitig war es eine Flucht vor den Lebens- und Arbeitsbedingungen in ihren Heimatländern.
Spannend fand ich aber auch, wie die Autorin das Leben auf dem Land in den Kontrast zu dem Leben in der Stadt gesetzt hat. Auf dem Land kannten sich die Menschen alle gegenseitig, dagegen stellt sie die Anonymität in der Großstadt. Wirklich frei waren die Menschen weder auf dem Land noch in der Stadt.

Fazit: Ein Buch, welches mich von der ersten bis zur letzten Seite komplett überzeugt hat und welches atmosphärisch und historisch Top ist. Es ist keine leichte Kost, mitunter musste ich das Buch zur Seite legen und tief durchatmen. Die 450 Seiten waren innerhalb weniger Tage ausgelesen – aber der Inhalt, die Figuren und ihre Geschichte werde ich nie vergessen. Absolute Lese-Empfehlung für euch für diesen grandiosen historischen Roman. Ein klares Highlight, welches ihr unbedingt lesen solltet.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zugesendet bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst.

2 Gedanken zu „„Die Frauen von Kopenhagen““

  1. Guten Morgen

    Ich habe jetzt mal nur das Fazit gelesen, da ich das Buch als nächstes beginne. Klingt sehr gut. Ich freue mich darauf.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche,

    Gisela von Giselas Lesehimmel

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