„Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“

von Julia Kröhn

Erschienen am 21. Juni 2021 im
Blanvalet-Verlag

ISBN: 978-3-7341-0964-5


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Alster-Schule-Zeit-des-Wandels/Julia-Kroehn/Blanvalet/e573964.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das Bloggerportal.de als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext [übernommen von der Buchrückseite]:
Hamburg 1930: Ein neuer Geist weht durch die Schulen der Weimarer Republik. Wo einst der Rohrstock regierte, erobern sich die Schüler den Stoff nun mit Kopf, Herz und Hand. Felicitas, die gerade eine neue Stelle als Lehrerin angetreten hat, ist beseelt von den Idealen der Reformpädagogik. Auch Turnlehrer Emil scheint ein Verbündeter zu sein, ist er doch heimlich in sie verliebt. Doch das bürgerliche Leben, das er anstrebt, scheint mit Felicitas‘ Freiheitswillen nicht vereinbar. Während die Kluft zwischen ihnen immer größer wird, ziehen auch am Horizont der Geschichte dunkle Wolken auf: Die Nazis ergreifen die Macht, und auf dem Schulhof weht die Hakenkreuzfahne. Felicitas und ihre Kollegen müssen eine Entscheidung treffen: Wollen sie zum Dienst am Führer erziehen? Oder ihren Idealen treu bleiben?“

Das Buch „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ von Julia Kröhn ist der erste Teil einer Reihe, welche zeigt, wie die Machtergreifung der Nationalsozialisten das Schulsystem verändert und den Alltag der Menschen beeinflusst hat.

Hamburg im März 1930: Felicitas, eine junge Lehrerin könnte nicht glücklicher sein. Sie hat eine Anstellung an einer Hamburger Schule bekommen. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer, da sie wenige Stunden nach Arbeitsbeginn auch schon wieder vor der Tür steht. Verzweifelt und völlig auf sich gestellt, versucht sie in Hamburg Fuß zu fassen. Über ihren ehemaligen Studienkollegen Emil, welcher Turnlehrer an der ‚Alster-Schule‘ ist, wird Felicitas an dieser Schule angestellt. Im Sinne der Reformpädagogik unterrichtet sie voller Hingabe ihre Schüler, findet damit Verbündete, aber auch Feinde im Lehrerkollegium.
Doch als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen und ihre Klauen auch in das Schulsystem eindringen, wird auch das Lehrerkollegium gespaltet. Zwischen Angst vor Bespitzelung aus den eigenen Reihen, die Entscheidung zwischen persönlichen Idealen und politischer Macht müssen Felicitas und ihre Kollegen ihren Weg finden. Und wegsehen kann Felicitas nicht.
Als dann auch noch Anneliese, Felicitas’ beste Freundin in Hamburg ankommt, macht es ihre privaten Probleme mit Emil und Kollege Levi nicht leichter – im Gegenteil.

Julia Kröhn ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Seit ich vor etwa eineinhalb Jahren das Buch „Riviera – Der Trum vom Meer“ und „Riviera – Der Weg in die Freiheit“ gelesen habe, ist meine Begeisterung und Bewunderung für Julia Kröhn noch einmal gestiegen. Sie erzählt Geschichten und Geschichten mit einer solchen Leichtigkeit, aber auch mit einer Authentizität und starken Charakteren, die mich immer wieder begeistern. Als „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ angekündigt wurde, war mein Interesse daher sofort geweckt. Über das ‚Bloggerportal von Randomhouse‘ bewarb ich mich um ein Exemplar und bekam es vom Blanvaet-Verlag zugeschickt – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für die Bereitstellung und Zusendung des Rezensionsexemplares.

Das stimmungsvolle Cover des Buches empfinde ich als sehr gelungen – ebenfalls der Titel. All das macht große Lust auf das Buch und die Geschichte.
Ein Wandel bedeutet immer etwas Neues – hier steht der Wandel für etwas Positives – die Reformpädagogik, aber auch für etwas Negatives: Der Wandel des Schulsystems unter den Nationalsozialisten.

In diesem Buch sind alle Charaktere, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, lebensecht und authentisch beschrieben. Sie haben ihre Ecken und Kanten und konnten mich des Öfteren mit ihren Handlungen und ihren Denkweisen überraschen.
Felicitas ist eine der Hauptfiguren in „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“. Sie ist beruflich sehr zielstrebig, dort weiß sie genau, was sie will und setzt sich auch durch. Privat liebt sie ihr ungebundenes Leben und genießt das Hamburger Nachtleben der 1930er Jahre. Als die Nationalsozialisten in den Schulalltag eingreifen und sich das politische Klima massiv verändert, möchte sie nicht wegschauen, stellt sich vor die Verfolgten. Das sie sich damit selbst in größte Gefahr begibt, sieht sie auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist es ihr aber egal. Sie lebt und kämpft für ihre Ideale. Julia Kröhn hat mit Felicitas eine äußerst interessante Figur geschaffen, an der sie zeigt, dass viele Menschen damals nicht wussten, wie sie den Nationalsozialisten gegenüber agieren sollen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Emil und Felicitas sind da ähnlich gestrickt, auch wenn sie völlig verschieden handeln. Die Beiden ziehen sich an, stoßen sich dann aber auch wieder ab. Er hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich, brach aus seiner Familie aus und findet im Sport seine Kraft und seinen Rückzugsort. Auch wenn er Felicitas heimlich liebt, kann er sich diese Liebe nicht eingestehen, rettet sie aber das ein oder andere Mal heimlich. Er möchte nicht auffallen, ist froh, wenn sich alles ohne sein Zutun regelt. Er agiert eher im Hintergrund, während Felicitas vorne steht. Emil ist ein sehr spannender und vielseitiger Charakter, ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm und seiner Geschichte im zweiten Teil weitergeht.
Anneliese ist Felicitas beste Freundin und das komplette Gegenteil von ihr: Sie wünscht sich ein sicheres Leben an der Seite eines Mannes, ein Heim und Kinder. Im Gegensatz zu Felicitas lässt sich Anneliese sehr leicht beeinflussen.
Levi, ebenfalls Lehrer an der Alster-Schule, ist eine meiner Lieblinge in diesem Buch. Auch wenn er immer wieder zu Fall gebracht wird, steht er immer wieder auf und lässt sich nicht unterkriegen.
Ich möchte nun nicht näher auf die vielen Charaktere eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme. Aber wie schon erwähnt: Diese Vielfältigkeit der Figuren, ihre anschaulichen Beschreibungen und ihre Authentizität haben mich sehr begeistert. Julia Kröhn zeigt die einzelnen Menschen in der Masse, wie unterschiedlich sie gehandelt und agiert haben: vom glühenden Nazi-Verehrer, vom Mitläufer, vom Widerstandskämpfer, den Menschen, die sich ihre Gedanken zu diesem System gemacht haben, zeigt sie aber auch die Verfolgten. Viele Charaktere und ihre Geschichten werde ich nie wieder vergessen.

Begeistert hat mich die mitreißende Erzählweise von Julia Kröhn. Mit ihrem bildhaften und poetischen Sprachstil hat sie mich ab der ersten Seite mit in die Geschichte hineingenommen. Sie beschreibt zum Beispiel das Hamburger Nachtleben so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, an Felicitas’ Seite zu tanzen. Aber auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten beschreibt sie sehr authentisch und erzählt dabei eindrucksvoll große Geschichte, dass der Leser/ die Leserin das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. Genau so müssen historische Romane geschrieben sein.

Ein großes Thema in diesem Buch ist die Reform der Schulen in der Weimarer Republik und die Veränderung des Schulwesens während des Nationalsozialismus. Wo vorher der Rohrstock zum Einsatz kam, gab es nun das Lernen in Gruppen, Ausflüge, das Unterrichten von Mädchen und Jungen und das Stärken der Persönlichkeiten der Kinder. Doch nicht alle Lehrer waren in dieser neuen Zeit angekommen.
Leider währte dieses Schulsystem nicht lange. Nachdem die Nationalsozialisten an der Macht waren, wurde alles dafür getan, diese Errungenschaften wieder abzuschaffen. Die Persönlichkeiten der Kinder sollte sich nicht ausprägen, sie sollten gleichgeschaltet denken und für den Führer und den Staat geformt werden. Vielen Kindern, die „nichtarischer Abstammung“ waren, wurden den Schulen verwiesen, Lehrer, die nicht im Gleichklang mitmarschierten und die entsprechenden Ideologien unterrichten, oder eben auch „nichtarisch’ waren, wurden entlassen und ihrem Schicksal überlassen.
Diese historischen Hintergründe hat Julia Kröhn akribisch recherchiert und bettet ihre Geschichte perfekt hinein.

Fazit: Mitreißend geschrieben, authentische und lebensechte Charaktere und ein ausgezeichnet recherchierter Hintergrund. Dieser Roman lässt keine Wünsche offen. Julia Kröhn ist eine der begabtesten Schriftstellerinnen, die ich kenne. Bildgewaltig und mit viel Hingabe für Geschichte und Geschichten erzählt sie über das Leben der Menschen in vergangenen Zeiten.
Ich freue mich schon so sehr auf den zweiten Teil, der am 16. August 2021 erscheinen wird.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst!

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