„Meine Freundin Lotte“

von Anne Stern

[Werbung*]

Erschienen am 01. August 2021 als eBook, erscheint am 17. August als gebundene Ausgabe im Rowohlt-Verlag

ISBN: 978-3463000268


https://www.rowohlt.de/buch/anne-stern-meine-freundin-lotte-9783463000268

Hinweise:
– Das Buch ist am 01. August 2021 als eBook erschienen und wird am 17. August als gebundene Ausgabe erscheinen.
– Alle angegebenen Zitate beziehen sich auf die Seitenzahl der gedruckten Ausgabe.
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Berlin, 1921: Lotte Laserstein will Malerin werden. Aber die Tore der Kunstakademie haben sich für Frauen gerade erst geöffnet. Und Lotte muss kämpfen – gegen die Ressentiments männlicher Lehrer und Kritiker und für ihre Leidenschaft, die Malerei. In der jungen Fotografin Traute findet sie eine Seelenverwandte, denn Traute ist mit ihrem Typus der Neuen Frau und ihrer Begeisterung für die Kunst das perfekte Modell für Lotte. Eine ganz besondere Beziehung entsteht. Bis die politische Situation in Deutschland für jüdische Künstlerinnen immer unerträglicher wird und Lotte schließlich fliehen muss.Kalmar, 1961: Es ist ein warmer Altweibersommer in Südschweden, den Lotte Laserstein und Traute Rose zusammen verbringen. Doch Vorwürfe und Missklang hängen zwischen ihnen, und schon bald brechen alte Wunden auf. Plötzlich können die beiden Frauen den drängenden Fragen nicht mehr entkommen. Sie müssen sich ihrer Vergangenheit stellen, in der es für sie einst um alles oder nichts ging – als Künstlerinnen und als Freundinnen.“

_

Das Buch „Meine Freundin Lotte“ von Anne Stern erzählt die Geschichte der Berliner Künstlerin Lotte Laserstein, die sich in den 1920er Jahren als Malerin einen Namen machen möchte und in der jungen Fotografin Traute ihre Seelenverwandte und Muse findet.

Schweden im Jahr 1961: Traute besucht ihre Freundin Lotte, die seit einigen Zeit in der Nähe von Kalmar lebt. Weit abgeschieden und inmitten der Natur hat Lotte dort ihren Platz gefunden, nachdem sie Deutschland fluchtartig verlassen musste. Doch zwischen den einst besten Freundinnen und Seelenverwandten stehen viele unausgesprochene Dinge, denen sich die Beiden nun stellen müssen.
Im Jahr 1921 ist die junge Lotte Schülerin auf einer ‚Schule für Gebrauchskunst‘. Hier entwirft sie beispielsweise Muster für Tapeten. Glücklich und zufrieden macht sie diese Arbeit nicht und so bewirbt sie sich auf einer Kunstschule. Sie hat ein klares Ziel: Sie möchte sich ganz der Kunst verschreiben und Künstlerin werden. Als sie die Fotografin Traute kennenlernt, entsteht zwischen den beiden Frauen eine ganz eigene Beziehung: Traute wird Lottes Modell, aber nicht nur das: Die beiden werden zu Seelenschwestern. Doch die Lage wird in Deutschland für jüdische Künstler und Künstlerinnen immer unerträglicher – und somit muss sich auch Lotte entscheiden: Flucht oder Ausharren.

Das Buch „Meine Freundin Lotte“ von Anne Stern wurde von der Autorin in den sozialen Medien angekündigt und weckte direkt mein Interesse. Zum einen gehört Anne Stern zu meinen Lieblingsautorinnen – mit ihrer wunderbaren und bildhaften Sprache zieht sie mich mit ihren Geschichten immer wieder in den Bann. Zum anderen hatte ich bisher noch nichts von der Künstlerin Lotte Laserstein gehört und das Buch versprach, meinen Horizont zu erweitern.
Völlig unverhofft erreichte mich „Meine Freundin Lotte“ als Rezensionsexemplar, welches mich sehr überraschte aber auch unheimlich freute. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin Anne Stern und beim Rowohlt-Verlag für die Zusendung des Buches bedanken.

Ein Buch, in welchem die Hauptfiguren und auch viele Nebenfiguren historische Persönlichkeiten sind, machen für mich immer einen großen Lesegenuss aus. Es ist immer wieder schön, ihnen im Roman nahe zu kommen und den Menschen kennenzulernen, der sich in hinter dem Namen verbirgt.
Eine der Hauptfiguren ist Lotte Laserstein. Sie wurde im November 1898 im ehemaligen Preußen geboren, kam dann aber nach Berlin. Dort schloss sie im Jahr 1927 ihr Studium mit Auszeichnung bei Erich Wolfsfeld an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin ab – als eine der ersten Frauen.
Anne Stern zeichnet in ihrem Buch den Lebensweg dieser beeindruckenden Frau sehr authentisch und spannend nach. Der Leser/ die Leserin begleitet Lotte auf ihrem Weg zur Künstlerin und erfährt, wie sie ihre Seelenverwandte Traute gefunden hat. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus Lottes und Trautes Sicht geschrieben sind, kamen mir die beiden Frauen und ihre Freundschaft sehr nahe.
Lotte ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und alles für ihre Träume und Wünsche macht – auch wenn ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, das politische Klima ihr rau entgegen schlägt. Eine äußerst inspirierende Persönlichkeit und eine Figur, die mit ihrer Geschichte noch lange in meinem Kopf und Herzen nachhallen wird.
Ihre Freundin Traute mochte ich auch sehr. Auch sie ist eine Kämpferin, die sich nicht unterkriegen lässt. Im Roman hat sie schon sehr früh ihre Eltern verloren und machte selbst eine schwere Erkrankung durch.
Die Freundschaft der Beiden lässt sich am besten mit diesem Zitat beschreiben:

Ich glaube, wir sind ein Zopf, geflochten aus drei Strähnen – Lotte, die Kunst und ich. Ineinander verschlungen, untrennbar verwirrt, mit den Jahren immer struppiger, immer unlösbarer.“
[S. 52, Z. 27 – 30]

Sie sind zwar fest miteinander verbunden, allerdings stehen auch, Jahre nach Lottes Flucht nach Schweden, viele unausgesprochene Dinge zwischen ihnen. Unzertrennlich, aber innerlich doch getrennt.

Es spielen noch einige Figuren mit, die für die Handlung sehr wichtig sind. Hier sind allen voran Meta Laserstein, die Mutter von Lotte, zu nennen. Ihre Geschichte hat mich sehr mitgenommen und ihr warmherziger Charakter berührte mich sehr. Aber auch Lottes Schwester Käthe ist eine nennenswerte Figur, die zwar nur am Rande eine Rolle spielt, aber dafür eine Verbindung in die Vergangenheit von Lotte und Traute herstellt.
Jede Figur in diesem Buch hat Anne Stern wunderbare und einzigartige Charakterzüge gegeben – damit wurden viele historische Persönlichkeiten für mich lebendig. Ihre Handlungen und Denkweisen beschreibt die Autorin authentisch und eindringlich. Alle Figuren und ihre Geschichten werde ich so schnell nicht mehr vergessen.

Das Buch ist so aufgebaut, dass im Wechsel Traute und Lotte aus ihrem Leben erzählen. Erst erzählen Beide viel über ihre Gegenwart – 1961 in Schweden. Dort ist Traute mit ihrem Mann bei Lotte zu Besuch. Nach und nach erfährt der Leser dann, was in der Vergangenheit passiert ist, wie die Beiden sich kennengelernt haben. Dabei wird auch immer deutlicher, dass Lotte und Traute sich nicht alles direkt sagen. Beide sprechen sich zwar oft in ihren Erzählungen an, aber sie schaffen es nicht, sich diese Sachen persönlich zu sagen, die Dinge auf den Tisch zu legen. Der Leser/ die Leserin tritt somit zwischen die Beiden, erfährt von der einen Seite etwas, dann von der anderen Seite. Es gibt immer zwei Wahrheiten, die Medaille hat auch immer zwei Seiten.
Vierzig Jahre überspannt die Handlung des Buches. Anfang der 20er Jahre stehen Lotte zwar theoretisch viele Türen offen, praktisch lehnen aber noch viele Männer Frauen in der Kunst und im Studium ab.
Wie in ihren vorherigen Büchern hat mich Anne Stern mit ihrer wunderbaren und bildhaften Sprache direkt in die Handlung mit rein genommen. Ihre ausdrucksstarken Charaktere und der akribisch recherchierte historische Hintergrund lassen keine Wünsche offen. In diesem Buch ist jedes Wort ein Genuss und ich habe das Buch bewusst sehr langsam gelesen, um es auf mich wirken zu lassen.

Der geschichtliche Hintergrund bildet das Berlin in den 1920er/ 1930er Jahren – also die Anfangsjahre der Weimarer Republik. Noch immer schmerzte die Niederlage im Ersten Weltkrieg und auch die Reparationszahlungen fraßen sehr am Ansehen der Republik. Die Wirtschaft lag am Boden, der Staat druckte immer mehr Geld, was dann aber nichts mehr wert war – die Hyperinflation war im vollen Gange.
Nachdem die Rentenmark als neue Währung geschaffen wurde, ging es den Menschen wieder schlagartig besser – die Menschen suchten Trost und Ablenkung: Das war der Startschuss für die „Goldenen Zwanziger“. In dieser Zeit erschuf Lotte Laserstein einen Großteil ihrer Bilder.
Im Jahr 1933 entstand das Dritte Reich und das politische Klima wurde für viele Künstler – vor allem für jüdisch stämmige – immer schwieriger. Auch Lotte Laserstein und ihre Familie gerieten in den Fokus der Nationalsozialisten.

Fazit: Ein Buch, welches ich sehr genossen habe. Mit authentischen Charakteren und ihrer bildhaften Sprache ist Anne Stern ein ganz wunderbares und eindringliches Buch gelungen, welches ich noch lange in meinem Herzen tragen werde. Absolut lesenswert!

*Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Rowohlt-Verlag bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst, muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.