„Das Leben wie sie es liebten“

von Anni Bürkl

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Erschienen am 07. Mai 2021 im Selbst-Verlag
ISBN Taschenbuch: 979-8707616020 (auch als ebook erhältlich)


https://texteundtee.at/autorinannibuerkl/elementor-723/

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar (eBook) zur Verfügung gestellt bekommen – dieser Artikel ist deshalb als Werbung gekennzeichnet.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
1938 – Die junge Loretta und ihr Mann Marek therapieren Nervenkranke im Sanatorium ihres Vaters im sudetenländischen Reichenberg (Liberec, Tschechien). Dem Anschluss ans Deutsche Reich folgen der Krieg und später die Vertreibung. Doch während Loretta fliehen kann, verliert sie Marek aus den Augen.1946 – Im ausgebombten Wien lebt Loretta bei ihrer Tante Emmy. Auch die vor ihrem Mann geflohene Paula und deren Tochter Irene sowie die schweigsame Ingrid haben in der Wohnung Unterschlupf gefunden. Oft bekommen sie Besuch von der lebenslustigen Ursula. Gemeinsam teilen die fünf sehr unterschiedlichen Frauen ihren Alltag, in der Not auch ihr Essen, das Nötigste zum Leben und ihre Sorgen, denn wie Loretta sucht Ursula ihren Mann. Gemeinsam wenden sie sich an die russischen Besatzer und finden einen Unterstützer in Major Artjom. Doch da ist auch Ingrids neuer Liebhaber – ein amerikanischer Offizier –, den Loretta nun für den Russen bespitzeln soll. Während sie hofft, so ihren Marek wiederzufinden, kommen auch andere vermeintlich im Sudetenland verschollene Geheimnisse ans Licht.
„Das Leben wie sie es liebten“ ist der Auftakt zu drei Romanen über die bindende Kraft der Liebe im Leben dieser Frauen und ihrer Kinder – in einem Jahrhundert voll politischer Zerrissenheit.“

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Das Buch „Wie sie das Leben liebten“ von Anni Bürkl, zeigt die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im ans Deutsche Reich angegliederte Tschechien, der zweite Erzählstrang spielt in Wien kurz nach Ende des Krieges.

Die Handlung des Buches setzt im Jahr 1946 in Wien ein: Die junge Loretta lebt bei ihrer Tante Emmy, ihrer letzten lebenden Verwandten. Bei ihrer Vertreibung aus dem ehemaligen Deutsch-besetzten Tschechien ist sie von ihrem geliebten Mann Marek getrennt worden und sie ist durch ihre Flucht stark traumatisiert. In Reichsberg, Tschechien, haben Loretta, ihr Vater und Marek in einem Sanatorium Nervenkranke therapiert. Immer wieder geht Loretta gedanklich in das Jahr 1938 zurück.
In Wien müssen Loretta und ihre Tante irgendwie überleben. Zwar haben sie eine intakte Wohnung, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind aber wenig bis gar nicht verfügbar.
Als das Wohnungsamt dann auch noch eine undurchsichtige Frau namens Ingrid bei ihnen einquartiert, wird die Situation für alle noch schwieriger.
Und Loretta gibt die Suche nach ihrem Mann nicht auf und findet Unterstützung in dem russischen Major Artjom. Doch mit der Suche kommen auch verschollene Geheimnisse ans Licht.

Auf das Buch wurde ich per Email von einer Agentur aufmerksam gemacht, die Selfpublisher unterstützt. Nach Lesen des Klappentexts war mein Interesse geweckt, da ich Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg äußerst spannend finde und auch über die Handlungsorte (Tschechien und Wien) sehr gerne lese.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für das Rezensionsexemplar, welches mich als eBook erreichte, bedanken.

In „Das Leben wie sie es liebten“ lernen wir zuerst Loretta und ihre Tante Emmy kennen. Loretta, die während der Flucht ein Trauma erlitten hat, welches sie immer wieder einholt und sie in die Knie zwingt. Auch wenn sie innerlich kaputt ist, muss sie trotzdem stark sein und gibt nie auf, ihren Mann Marek wieder zu finden – diese Stärke von ihr beeindruckte mich sehr. Sie muss irgendwie überleben, verliert aber nie den Blick für andere Menschen. Ein ganz besonderer Charakter, welcher sehr authentisch und eindringlich beschrieben ist.
Ihre Tante Emmy wirkt anfangs eher gefühlskalt, weigert sich, die junge Ingrid bei sich in der Wohnung aufzunehmen, obwohl der Platz da ist. Im Laufe der Geschichte zeigt sich aber, dass sie ihr Herz am richtigen Fleck hat und für Menschen da ist, die Hilfe brauchen. Der Charakter der Tante Emmy hat mich begeistert, da sie eine sehr große Wandlung durchmacht und eine tragende Rolle in der Handlung einnimmt.
Neben Loretta und Tante Emmy agieren die Briefträgerin Ursula und die Hausmeisterin Paula. Ursulas Mann gilt an der Front als vermisst, trotzdem geht sie mit einem großen Lebensmut voran. Paula macht eine schwierige Zeit durch, lässt sich aber nicht unterkriegen. Die Charaktere der beiden bodenständigen Frauen fand ich sehr interessant, da sie dafür stehen, wie die Frauen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihr Leben in die Hand genommen haben.
Ingrid, die neue Mitbewohnerin von Loretta und Tanta Emmy scheint von Anfang an etwas undurchsichtig und geheimnisvoll – dadurch treibt sie die Geschichte weiter voran.
In den Rückblenden auf das Jahr 1938, lernen wir noch die Eltern von Loretta kennen und auch Marek, der als Arzt an das Sanatorium kommt. Auch wenn man nur wenig von ihrer Geschichte erfährt, hat mich auch ihre interessante Geschichte sehr mitgenommen.
Alle Figuren in diesem Buch haben mir sehr gefallen und konnten mich überzeugen, da sie authentisch und lebensecht gezeichnet sind. Sie leben ihr Leben in schwierigen Zeiten und lassen sich von ihren Ansichten nicht abbringen.

Das Buch ist sehr interessant aufgebaut: Im ersten Kapitel sind wir in Wien, erfahren, dass Loretta unter einem Trauma leidet, welches mit ihren Erlebnissen in Reichenberg zusammenhängt. Weitere Kapitel spielen dann auch in Reichenberg (tschechisch Liberec) im Jahr 1938. Nach und nach erschließt sich die Geschichte rund um Loretta, ihre Flucht, ihre Geheimnisse und ihr Trauma, und wie diese auch ihr neues Leben in Wien beeinflussen.
Schon ab der ersten Seite war ich direkt in der Geschichte angekommen und konnte das Buch nur noch schwer aus den Händen legen. Der Sprachstil, teilweise kurze und prägnante Sätze, passt sehr gut zu der Geschichte. Einzelne Sätze bestehen aus nur drei Wörtern – damit wird klar, dass Loretta wieder tief in ihren schlimmen Erinnerungen gefangen ist. Anni Bürkl zeichnet mit ihrer intensiven und bildgewaltigen Sprache ein spannendes Bild vergangener Zeiten.
Das von den vier Siegermächten besetzte Wien im Jahr 1946 und das an das Deutsche Reich angegliederte Reichenberg (tschechisch Liberec) im Jahr 1938 und die Vertreibung der Deutschen im Jahr 1945 aus Tschechien bilden die historischen Hintergründe des Romans. In Reichenberg ist Lorettas Vater Direktor eines Sanatoriums, in dem unter anderem auch sogenannte ‚Kriegszitterer‘ behandelt werden – aber auch Menschen, die in der Ideologie der Nationalsozialisten als „unwertes Leben“ eingestuft werden.
Anni Bürkl bettet ihre Geschichte perfekt in diese akribisch recherchierten Hintergründe. Sie zeigt, wie die Menschen damals lebten und welche Traumata Flucht und Vertreibung zu Tage bringen. Aber auch die Not nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist ein großes Thema – es fehlte an Allem: Wohnungen, Lebensmitteln, Medikamenten.

Fazit: Ein spannendes und intensives Buch, welches ich sehr gerne gelesen habe. Lorettas Geschichte werde ich so schnell nicht mehr vergessen und ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Teile der Reihe. Das Buch möchte ich allen empfehlen, die historische Romane lieben – vor allem für Fans von Brigitte Riebe (Teresa Simon) und Melanie Metzenthin könnte das Buch sehr interessant sein.

Ich muss allerdings noch etwas anmerken: Das Buch habe ich als eBook für meinen Tolino bekommen. Trotz verschiedenster Einstellungen auf dem Gerät, hatte ich Probleme mit der Darstellung des Textes. Wörter waren unlogisch getrennt und die Seitenzahlen standen mitten im laufenden Text. Da sollte eventuell noch einmal nachgebessert werden, da es mich stellenweise im Lesefluss etwas aufgehalten hat.

*Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst, muss aber als Werbunggekennzeichnet sein.

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