„Die Wunderfrauen – Alles, was das Herz begehrt“

von Stephanie Schuster

Erschienen am 29. Juli 2020 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-70032-5


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596700325


Hinweise:
– Das Buch habe ich mir im Oktober 2020 selbst gekauft.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
„Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ 1953, zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre, träumt Luise Dahlmann von ihrem eigenen kleinen Lebensmittelgeschäft. Hier soll es nach Jahren des Verzichts wieder alles geben, was das Herz begehrt. Sie sieht es schon vor sich: die lange Ladentheke mit großen Bonbongläsern darauf, eine Kühlung für Frischwaren, Nylonstrümpfe, buttriger Kuchen, sonntags frische Brötchen … und das Beste daran: endlich eigenständig sein. Endlich nicht mehr darüber nachdenken, warum ihre Ehe nicht so gut läuft, endlich sie selbst sein und etwas wagen.Drei Frauen werden immer wieder Luises Weg kreuzen: Annabel von Thaler, die wohlhabende Arztgattin von nebenan, die junge Lernschwester Helga Knaup und Marie Wagner, geflohen aus Schlesien. Sie alle haben in den Zeiten des Aufbruchs und des Neubeginns einen gemeinsamen Wunsch: Endlich wieder glücklich sein.“

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Das Buch „Die Wunderfrauen – Alles, was das Herz begehrt“ von Stephanie Schuster ist in Starnberg der 50er Jahre angesiedelt und der spannende Auftakt einer Trilogie um vier Frauen, die aus ihren Rollen ausbrechen und Neuanfänge wagen.

Es ist das Jahr 1953: Noch immer hängt der Schrecken des Zweiten Weltkrieges über Deutschland. Doch die Menschen schöpfen langsam wieder Hoffnung und der verheißungsvolle Duft des Neuanfangs liegt in der Luft.
Diese vier Frauen nehmen ihr Leben in die Hand: Luise, die jahrelang ihre Schwiegermutter gepflegt hat, und nun von einem eigenen Lebensmittelgeschäft träumt, Marie, die eine traumatische Flucht hinter sich hat, Helga, die aus dem strengen Elternhaus ausbricht und Annabel, die in einer eher langweiligen Ehe gefangen ist.
Immer wieder begegnen sich diese vier grundverschiedenen Frauen, die sich aber doch ähnlicher sind, als sie denken. Denn sie wollen alle eines: Freiheit.

Das Buch lag jetzt etwa ein Jahr auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher). Ich hatte es mir damals ziemlich spontan gekauft.
Letzten Monat schrieb mich die liebe Stephanie Schuster an und fragte ob, ich den dritten Teil der ‚Wunderfrauen‘ als Rezensionsexemplar haben möchte. Da musste ich nicht lange überlegen, da es mir mittlerweile in den Fingern juckte, diese Reihe endlich zu beginnen.

Im ersten Kapitel lernt der Leser/ die Leserin Luise Dahlmann kennen, allerdings steckt sie in einer traurigen Situation, die ihr aber gleichzeitig die Chance auf einen Neuanfang schenkt. Ihre Schwiegermutter Henriette ist verstorben. Noch während Luises Mann Hans überlegt, an wen er die frei gewordenen Räume vermieten kann, ist in Luise schon der Wunsch nach einem eigenen Lebensmittelgeschäft da. Hans unterstützt sie in ihrem Vorhaben. Mir hat Luises Charakter sehr gefallen, da sie sehr zielstrebig und selbstsicher gezeichnet ist, aber auch immer mal wieder mit Rückschlägen zu kämpfen hat. Sie lässt sich aber nicht unterkriegen, ist ehrlich und immer für andere da. Es war einfach schön zu sehen, wie sie sich ihren Lebenstraum erfüllt, mit einem solchen Organisationstalent, welches mich sehr beeindruckt hat.
Marie, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges, aus den Ostgebieten flüchten musste und nach einigen Zwischenstationen in Starnberg ankommt, hat mich mit ihrem starken Charakter ebenfalls sehr beeindruckt. Ihre Vertreibung hat sie stark traumatisiert, sie kann zu Tieren sehr viel schneller Vertrauen fassen als zu Menschen. Marie steht für ein Schicksal, welches Millionen Menschen durchmachen mussten: Vertreibung, Flucht und ein kompletter Neuanfang. Marie gibt sich selbst nie auf und ist für die Menschen, denen sie sich öffnet, immer da. Auch wenn sie ihren Platz im Leben erst noch finden muss, ist sie eine starke und beeindruckende Figur.
Es gibt aber auch einige männliche Charaktere in diesem Buch: Hans, der Mann von Luise: Er ist ein ehrlicher Mann, der seine Frau gerne unterstützt und ihr damit die Türen öffnet. Luises Brüder Martin und Manni, die den Hof der Familie bewirtschaften. Manni, der mit mit Trisomie21 auf die Welt kam, ist mein persönlicher Lieblingscharakter in diesem Buch. Auch wenn er wenig sagt, er bringt in diese Geschichte so viel Liebe und Licht. Martin, der ältere Bruder von Luise und Manni, hat mich mit seiner Lebensgeschichte und seiner Sicht auf die Dinge richtig überzeugt. Er ist ein vorsichtiger und ruhiger Mensch.
Aber auch Konstantin, Annabels Ehemann, ist ein gut gezeichneter Charakter. Auch wenn er Anfangs ein eher ‚lauter‘ Charakter ist, der völlig von sich und seinem Können überzeugt ist, wandelt er sich im Laufe der Geschichte.
Ihr seht, ich bin von allen Charakteren in diesem Buch absolut begeistert – sie haben mich alle überzeugt und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Die Autorin hat mit ihren Figuren ein tolles und authentisches Bild der Gesellschaft der 1950er Jahre gezeichnet und jede Figur mit ganz eigenen Eigenheiten und Gefühlen ausgestattet.

In den ersten Kapiteln des Buches lernt man immer eine der vier Frauen kennen. Auch wenn es dadurch immer wieder zu zeitlichen Überlappungen kommt, konnte ich völlig in die Geschichte abtauchen. Stellenweise wurde es richtig spannend und die Seiten flogen nur so dahin. Die zeitlichen Überlappungen zeigen dann nochmal Ereignisse aus verschiedene Perspektiven, was mir sehr gut gefallen hat. Stephanie Schuster hat einen angenehmen Schreibstil, der detailliert beschreibt aber niemals langweilig ist. Ganz wunderbar.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, 50er Jahre und das Wirtschaftswunder der BRD sind die historischen Hintergründe des ersten Bandes der Reihe. Stephanie Schuster zeigt, wie das NS- Gedankengut zu dieser Zeit noch immer in vielen Köpfen festsaß und wie konservative Rollenbilder mit den neuen Ideen und dem Freiheitsdrang der Frauen zu dieser Zeit kollidierten.
Maries Geschichte, ihre Vertreibung aus den Ostgebieten, hat mich stellenweise fassungslos zurück gelassen. In ihrer Geschichte fand ich ein Stück meiner eigenen Familiengeschichte wieder – meine Oma wurde auch vertrieben und verlor auf der Flucht alles – auch ihre Mutter (meine Ur-Oma). Auch wenn Maries Flucht rückblickend erzählt wird, bekam ich während des Lesens eine Gänsehaut.

Fazit: Das Buch ist ein wunderbarer Auftakt einer Reihe welche mit tollen, ausdrucksstarken Figuren, einem lebendigen Sprachstil und einer packenden Handlung besticht. Ich bin nun definitiv ein Fan dieser Reihe und freue mich auf die beiden weiteren Teile der Reihe.
Lasst euch diese Reihe nicht entgehen.

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