„Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“

von Stephanie Schuster

Erschienen am 24. Februar 2021 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-705658


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596705658

Hinweise:
– Das Buch habe ich mir im Juli 2021 selbst gekauft.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die ist der zweite Teil der Reihe – falls ihr den ersten Teil noch nicht kennt, solltet ihr diese Rezension nicht lesen – Spoiler-Gefahr!
– Hier findet ihr meine Rezension zum ersten Teil: http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=2286

Klappentext:
Zu Beginn der 1960er Jahre, den Swinging Sixties, ist viel zu tun in Luise Dahlmanns kleinem Laden, er ist ihr ganzer Stolz. Die Regale sind prall gefüllt mit allem, was das Herz begehrt: frische Waren aus dem Umland und Feinkost aus der ganzen Welt. Luise möchte mit der Konkurrenz mithalten, die Kunden wünschen sich plötzlich Selbstbedienung, suchen nach Angeboten und fragen nach dem Rezept für das Sonntagsessen.Drei Frauen sind in diesem Jahrzehnt voller Umbrüche an ihrer Seite: Die alleinerziehende Helga, die nun als Ärztin arbeitet, ihre Schwägerin Marie, die inzwischen vier Kinder hat und Annabel, deren Familie nach einem Schicksalschlag zu zerbrechen droht. Das Leben hat die vier Frauen in den letzten Jahren enger verbunden als sie dachten. Und sie merken: Gemeinsam kann man aus Träumen Echtes erschaffen.“

Das Buch „Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“ ist der zweite Teil um vier Frauen, die in den 1960er Jahren ihren teils beschwerlichen Weg gehen und immer wieder gegen Widerstände kämpfen müssen.

Der Prolog des Buches setzt im September 1963 ein – Helga, die inzwischen als Ärztin arbeitet, ist verhaftet worden. Ihre drei Freundinnen Luise, Annabel und Marie setzen alles in Bewegung, um sie wieder zu befreien.
Zwei Jahre zuvor: Luise lebt nach wie vor ihren Traum vom eigenen Laden. Doch mit der Zeit ist es eng geworden: Immer mehr Waren haben den Weg in ihren Laden gefunden und auch dass Luise ihre Kunden bedient ist eher in Auslaufmodell. Alle Zeichen stehen auf Modernisierung. Da stolpert Helga wieder in ihr Leben. Sechs Jahre zuvor trennten sich die Wege der damals besten Freundinnen, da Helga ein angebliches Verhältnis mit Luises Mann Hans hatte. Langsam nähren sich Luise und Helga wieder an.
Währenddessen muss die Arztgattin Annabel einen großen Schicksalsschlag hinnehmen und beginnt mit Recherchen, die einen fürchterlichen Skandal zu Tage fördern.
Und Marie, die mittlerweile mit Martin, Luises Bruder, verheiratet ist, weiß vor lauter Arbeit und Kindererziehung langsam nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.
Doch immer wieder führt das Schicksal diese vier Frauen zusammen.

Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem mich die Autorin Stephanie Schuster fragte, ob ich den dritten Teil als Rezensionsexemplar erhalten möchte. Da es mich der ersten Teil komplett überzeugte, freute ich mich sehr auf diesen zweiten Teil – und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Fast alle Charaktere aus dem ersten Teil tauchen auch wieder im zweiten Teil auf. Einige Figuren sind dazu gekommen – vorwiegend die Kinder der vier ‚Wunderfrauen‘.
Luise ist nach wie vor eine der Figuren, die mich am meisten inspiriert hat: Mit Leidenschaft und Hingabe führt sie ihren Laden. Modernisierungen scheut sie wenig, sie ist trotz ihrer vielen Arbeit auch immer für andere da. In diesem zweiten Teil der Reihe wird Luise nochmal mehr sie selbst und entdeckt eine große, ungeahnte Freiheit in sich.
Helga, die am Ende des ersten Teils ihre Stelle als Lehrschwester verloren hat, zeigt wieder eindrucksvoll, dass sie sich nie unterkriegen lässt. Sie kommt als Ärztin zurück nach Starnberg und zeigt in ihrem Beruf in der Frauen- und Geburtsklinik ein großes Engagement, welches nicht allen gefällt. Sie ist eine starke und selbstbewusste Figur, die noch immer nichts auf Konventionen gibt und ihr Leben lebt, wie sie es für richtig hält. Trotzdem hat sie auch immer ein Ohr für andere Menschen und ihre Sorgen.
Annabel hat sich deutlich verändert. Im ersten Teil kam sie sehr verschlossen und teilweise mürrisch rüber, ergab sich in ihrem Schicksal einer eher freudlosen Ehe. In diesem Teil schwingt sie sich ebenfalls zu einer Kämpferin auf. Sie gibt keine Ruhe, bis sie nicht hinter Geheimnisse gekommen ist – auch wenn sie durch ihre Recherchen einen medizinischen Skandal mit aufdeckt. Annabels Entwicklung und ihre Stärke haben mich sehr beeindruckt. Sie schweigt nun nicht mehr sondern sie hat gelernt, sich zu wehren.
Marie, Luises Schwägerin, führt ein ruheloses Leben. Mittlerweile ist sie dreifache Mutter und liebt die Arbeit auf dem Hof sehr – auch wenn es sie alles sehr fordert. Die Ehe mit Martin ist allerdings nicht ganz so harmonisch, wie es auf den ersten Blick scheint, da Martin häufiger zur Flasche greift. Doch je schwächer Martin wird, desto stärker wird Marie. So schnell gibt sie sich und ihre Familie nicht auf. Marie hat mittlerweile ihren Platz im Leben gefunden, sie tritt selbstbewusst auf, doch ihre Vergangenheit kann sie nicht ganz abstreifen. Sie ist ein sehr eindrucksvoller Charakter.
Neben diesen vier Frauen spielen auch wieder einige männliche Charaktere eine große Rolle: Da ist Hans, Luises Mann, der leider eine ziemlich schlechte Seite hat, Martin, Maries Mann, der sich sehr negativ entwickelt, Konstantin, Annabels Mann, der sich auch in diesem Teil nicht immer mit Ruhm bekleckert. Eine meiner Lieblingscharaktere bleibt nach wie vor Manni, Luises Bruder, der mit Trisomie 21 geboren wurde. Er bringt mit seiner Sicht auf die Dinge wieder sehr viel Wärme in die Geschichte.
Die vielen Kinder der vier Frauen brachten frischen Wind in die Geschichte – hier sind an erster Stelle Josie, Luises Tochter, und David, Helgas Sohn, zu nennen, Die Beiden mischen überall mit und zauberten mir mit ihrer unverfälschten Art immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Allen Charaktere in diesem Buch haben mich wieder absolut begeistert – sie haben mich alle überzeugt und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Die Autorin hat mit ihren Figuren ein tolles und authentisches Bild der Gesellschaft der 1960er Jahre gezeichnet und jede Figur mit ganz eigenen Eigenheiten und Gefühlen ausgestattet. Ich bin sehr gespannt, wie es mit all diesen unterschiedlichen Charakteren im dritten Teil weitergeht.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der zwei Jahre vor der eigentlichen Handlung ansetzt. Im ersten Kapitel geht es dann zwei Jahre zurück und die ganze Handlung des Romans steuert auf die Begebenheiten des Prologs zu, was ich sehr spannend fand – es ist wie ein Kreis, der sich schließt.
Die einzelnen Kapitel legen immer wieder den Schwerpunkt auf eine der vier Frauen und ihre Geschichte. Teilweise endete ein Kapitel so abrupt, dass ich unbedingt weiter lesen musste, um zu wissen, wie es mit einem Charakter weitergeht. Ein Buch mit absoluter Sogwirkung, welches ich nur ungern aus den Händen legen wollte. Aber auch der wunderbare flotte und detaillierte Sprachstil von Stephanie Schuster hat auf keiner Seite Langeweile aufkommen lassen und ich flog nur so durch die Geschichte.

Die ersten zwei Jahre 60er Jahre bilden den geschichtlichen Hintergrund des zweiten Teils: Der Contergan-Skandal, die Anfänge der Studentenbewegung, der Bau der Berliner Mauer und die Einführung der Antibabypille spielen in diesem Roman eine große Rolle. In diese akribisch recherchierten Hintergründe bettet Stephanie Schuster ihre Geschichte und verpackt es so, dass der Leser/ die Leserin das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein.
Vor allem der Contergan-Skandal hat mich sehr nachdenklich gemacht. Auch wenn ich schon des Öfteren Berichte dazu gelesen habe, wurde es in diesem Roman sehr eindrücklich geschildert und noch einmal greifbarer für mich.
Ein weiterer Punkt, der mich fassungslos machte, war die Einführung der Antibabypille – einfach unfassbar, dass damals noch der Ehemann schriftlich sein Einverständnis geben musste, wenn eine Frau die Pille nehmen wollte.
Mit einer musikalischen Playlist kann man noch einmal ganz tief in die Zeit der 60er Jahre und in den Roman abtauchen. Eine Zeit der Ungerechtigkeiten aber auch des Aufbegehrens.

Fazit: „Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“ ist die gelungene Fortsetzung des ersten Bandes. Auch wenn einige Jahre zwischen dem Ende des ersten Teils und dem Beginn des zweiten Teils liegen, war ich sofort wieder in der Geschichte angekommen. Mit viel Zeitgeist, einer flotten und bildhaften Sprache und unvergesslichen Charakteren entführt uns Stephanie Schuster in die 60er Jahre. Absolut lesenswert! Ich freue mich auf den dritten Teil.

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