„Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben“

von Lisa Graf

[Werbung*]

Erschienen am 09. November 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3-328-60204-0

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Dallmayr-Der-Traum-vom-schoenen-Leben/Lisa-Graf/Penguin/e592158.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
„München 1897. Anton und Therese Randlkofer führen den beliebten Feinkostladen Dallmayr in der Dienerstraße. Während die Gutsituierten erlesene Pralinen, honigsüße Früchte und exquisiten Kaffee probieren, träumen vor den prachtvoll dekorierten Schaufenstern die einfachen Bürger vom schönen Leben. Ein jeder möchte Kunde im Dallmayr sein. Doch dem glanzvollen Aufstieg des Familienunternehmens droht ein jähes Ende, als Patriarch Anton ganz unerwartet verstirbt. Schon wenige Tage später beginnt sein Bruder Max zu intrigieren, um das florierende Geschäft unrechtmäßig an sich zu reißen. Entschlossen, ihm das Feld nicht kampflos zu überlassen, setzt sich Therese an die Spitze des Unternehmens. Noch weiß sie nicht, dass auch in den eigenen vier Wänden Geheimnisse lauern …“

_

Coverrechte: Penguin-Verlag

Das Buch „Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben“ von Lisa Graf ist der Auftakt einer Trilogie, welche den Aufstieg des Feinkostgeschäft Dallmayr unter der Führung von Theresa Randlkofer in München des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeigt.

Das Jahr 1897 stellt Therese Randlkofer vor große Herausforderungen. Gerade erst zwei Jahre zuvor hat sie zusammen mit ihrem Mann Anton das Feinkostgeschäft Dallmayr an der Dienerstraße in München übernommen und erweitert. Völlig unerwartet verstirbt Anton nach einer schweren Krankheit. Zwischen Trauer und Fassungslosigkeit muss Therese um ihr florierendes Geschäft kämpfen, ihr Schwager Max versucht mit allen Mitteln zu intrigieren. Doch Therese gibt nicht auf und setzt sich, allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz, an die Spitze des Unternehmens.
Aber auch in ihrem Privatleben geht es drunter und drüber und es gibt unausgesprochene Geheimnisse, welche nicht ans Tageslicht kommen sollten.

Auf dieses Buch bin ich über die sozialen Medien aufmerksam geworden, da es von verschiedenen Bloggern und Bloggerinnen beworben wurde. Als ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse direkt geweckt. Der Name Dallmayr ist mir seit Kindesbeinen an ein Begriff und ich liebe Familien-Geschichten sehr – vor allem, wenn sie noch einen historisch-belegten Hintergrund haben. Ich fragte beim Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ ein Rezensionsexemplar an und bekam es genehmigt und zugesendet. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag.

Die Hauptfigur des Buches ist die historisch-belegte Therese Randlkofer. Leider fehlt in diesem Buch ein historisches Nachwort, deshalb kann ich hier nur die Therese wiedergeben, wie sie im Buch dargestellt ist.
Therese ist eine zupackende und sympathische Frau, auch wenn sie zu Beginn des Buches etwas abweisend und kühl daher kommt. Sie weiß genau, was sie möchte und schafft es immer wieder Lösungen zu finden, welche die Menschen in ihrer Umgebung zufrieden stimmen. Sie ist nicht immer ganz ehrlich und bürdet sich mit einen großen Geheimnis eine große Last auf. Für ihre Kinder ist sie eine gute Mutter, allerdings lebt sie definitiv mehr für ihren Laden als für das Mutter-Dasein. Lisa Graf hat Therese sehr ausdrucksstark und authentisch gezeichnet, ich konnte richtig mit ihr mitfühlen und habe sie, trotz einiger Fehltritte, sehr ins Herz geschlossen.
Ihre drei Kinder, Hermann, Elsa und Paul könnten in ihrer Art nicht unterschiedlicher sein: Hermann hat schon früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen und arbeitet trotz seiner Ausbildung zum Kaufmann noch nebenbei im elterlichen Geschäft mit. Er hat viele neue Ideen, welche er, mit Billigung seiner Mutter, auch umsetzen kann. Elsa, die Tochter von Therese lebt unter der Woche in einem kirchlichen Internat und hat ansonsten nicht viel zu tun. Sie lässt es sich gut gehen und verwöhnen, doch der goldene Käfig wird ihr zu eng. Paul, der Jüngste, ist noch ein halbes Kind und er weiß noch nicht so recht, wie es mit seinem Leben weitergeht. Die Autorin hat alle drei wunderbar lebensecht beschrieben. Es läuft bei ihnen nicht alles glatt, sie machen Höhen und Tiefen durch.
Balbina, Thereses Nichte, ist ein sehr interessanter Charakter. Sie ist herzensgut, auch wenn sie immer wieder beugen muss und von Elsa herabgewürdigt wird. Sie kämpft für ihre Träume und gibt sich nicht auf. Sie sprüht vor Ideen und Leidenschaft und findet ihren Weg. Auch hier fehlt leider das historische Nachwort, ich hätte gerne erfahren, ob Balbina eine historische Figur ist.
Meine Lieblingsfigur des Buches ist der Lehrjunge Ludwig. Er ist nicht auf den Mund gefallen und trägt das Herz auf der Zunge. Er arbeitet im Dallmayr mit großer Leidenschaft und zauberte mir mit seiner liebevollen Art immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Ein Charakter, den man einfach gernhaben muss.
Neben diesen Figuren spielen noch einige andere Figuren in diesem Buch mit. Sie alle sind, wie auch die Hauptfiguren, lebensecht und authentisch gezeichnet und haben mir ein gutes Bild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts vermittelt. Ich habe immer gerne weitergelesen und bin schon ganz gespannt, wie es mit all den liebgewonnen Figuren in den nächsten Teilen der Reihe weitergeht.

Lisa Graf hat einen sehr flüssigen und lebendigen Sprachstil, der mich gleich in die Geschichte und die Handlung mitnahm. Viele Details zu feinen Köstlichkeiten wie Schokolade oder der ersten Einfuhr von Bananen ins Deutsche Reich hat die Autorin akribisch recherchiert und zeigt diese so mitreißend, ohne das jemals Langeweile aufkommt.
Die Handlung des Buches ist chronologisch aufgearbeitet und es führt fortwährend ein roter Faden durch das Geschehen. Ab der ersten Seite war ich in der Geschichte angekommen, fühlte mich dort richtig wohl und konnte die Zeit und alles um mich herum vergessen.

Den geschichtlichen Hintergrund bilden die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert, welches vor allem durch die verlustreichen Deutschen Einigungskriege gezeichnet war: Der Deutsch – Dänische Krieg (1864), der Deutsche Krieg (1870/71) und der Deutsch-Französische Krieg (1870/71). An der Seite Österreichs erlitt Bayern im Deutschen Krieg unter König Ludwig II. eine Niederlage gegen Preußen. Im Jahr 1871 wurde Bayern dann Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs (1871 – 1945). Unter der politisch passiven Regentschaft von Prinzregent Luitpold, begann die allmähliche Rückstellung bayrischer Interessen hinter den Interessen des Deutschen Reichs. Die SPD zog 1893 erstmals in den Bayrischen Landtag ein.
Außerdem war es zu dieser Zeit noch so, dass Frauen weder studieren noch wählen durften. Erst im Jahre 1903 erlaubte Prinzregent Luitpold per Erlass das Frauenstudium, das Wahlrecht für Frauen kam erst im Januar 1919.
Frauen, welche nach der Hochzeit noch arbeiten wollten, brauchten die Genehmigung ihres Mannes, viele Arbeitsverhältnisse (zum Beispiel im Telefonamt) wurden aber direkt nach der Hochzeit gekündigt. Es war damals zwar absolut unüblich, dass eine Frau ein Unternehmen führte, ein Ding der Unmöglichkeit war es aber nicht. Leicht hatten es Frauen wie Therese Randlkofer aber in der Männer-dominierten Welt nicht.
Lisa Graf hat diese historischen Hintergründe wunderbar herausgearbeitet und bettet ihre Charaktere wunderbar in diese hinein. Ich habe eine Menge Neues in Sachen Geschichte gelernt, und auch über die Entstehung von München habe ich einiges erfahren. Ebenso ist mir die Geschichte des Haus Dallmayr mir mit diesem Roman um einiges näher gekommen.
Mir hat ein Personenregister und ein historisches Nachwort der Autorin sehr gefehlt. Gerne hätte ich erfahren, was bzw. welche Person historisch belegt ist und was Dichtung und Wahrheit entspricht.

Fazit: Ein Buch, von dem ich einfach nur froh bin, dass ich es gelesen habe. Ein wunderschöner, lesenswerter und stimmiger Auftakt zu einer Reihe, bei dem ich während des Lesens völlig die Zeit und alles um mich herum vergessen habe und in dem ich mich rundum wohl gefühlt habe. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, welche ich definitiv lesen werde. Absolute Leseempfehlung!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.