„Die Fotografin – Am Anfang des Weges“

von Petra Durst-Benning

Erschienen am 10. September 2018 im Blanvalet Verlag
ISBN: 978-3-7645-0662-9
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Fotografin-Am-Anfang-des-Weges/Petra-Durst-Benning/Blanvalet-Hardcover/e540225.rhd


Das Buch „Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ von Petra Durst-Benning beschreibt den Werdegang einer jungen Frau im Jahre 1911, die sich jeglichen gesellschaftlichen Konventionen widersetzt und Fotografin wird.

Coverrechte: Blanvalet Verlag

Minna Reventlow, genannt Mimi, ist eine Pfarrerstochter aus Esslingen. Sie ist ganz anders als die Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts: Sie hat keine Lust auf Hochzeit, Haushalt und Familie. Ihre Leidenschaft ist die Fotografie, sehr zum Leidwesen ihrer konservativ eingestellten Mutter. Ihr Onkel, der ein Fotoatelier in der kleinen Leinenweberstadt Laichingen besitzt, bestärkt Mimi in ihrem Wunsch Fotografin zu werden.
Mimi kauft sich eine Fotoausrüstung und wird zu einer Wanderfotografin – sie bereist nun das ganze Land und schenkt den Menschen mit ihren Fotografien Schönheit. Es ist anfangs kein leichter Weg für Mimi – aber sie geht ihn.
Doch dann erkrankt ihr Onkel und Mimi hängt ihr ‚Wanderfotografin- Dasein‘ erst mal an den Haken und reist zu ihrem Onkel nach Laichingen. Dort übernimmt sie das Atelier, eckt aber bei der teils bitterarmen Bevölkerung mit ihren neuen Ideen und ihrer Freiheit als Frau an. Aber auch in den höheren Kreisen der Bevölkerung macht sie sich nicht nur Freunde.

Petra Durst-Benning ist seit vielen Jahren eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Im Jahr 2009 habe ich zum ersten Mal ein Buch von ihr gelesen – seit dem freue ich mich auf jede Neuerscheinung aus ihrer Feder.
Als „Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ angekündigt wurde, war eigentlich schon klar, dass ich es lesen werde: Das 20. Jahrhundert interessiert mich momentan doch sehr, außerdem liebe ich das Thema Fotografie. Und als dann noch klar war, dass es nicht ein Einzelband sein wird, sondern der Auftakt zu einer Reihe, war ich außerordentlich glücklich. Ich lese sehr gerne Reihen, da die Charaktere und die Handlung sehr viel mehr Zeit haben, sich zu entfalten.

Die Figuren des Buches sind sehr fein gezeichnet – jede von ihnen hat ihre Ecken und Kanten. Mimi wurde mir sehr schnell sympathisch, ich hatte nach den ersten Seiten schon das Gefühl eine neue Freundin gefunden zu haben. Man merkt als Leser schnell, das Mimi so ganz anders ist als Frauen zu dieser Zeit sein sollten. So bekommt sie im ersten Kapitel einen Heiratsantrag. Doch anstatt zu strahlen und vor Glück zu juchzen, geht Mimi auf Abstand: Hochzeit? Familie? Haushalt? Nichts für Mimi. Eine starke Figur, die auch Rückschläge einstecken muss und auch lernt mit diesen umzugehen.
Aber auch die anderen Charaktere, die um Mimi agieren, schloss ich schnell ins Herz: Ihren liebenswerten Onkel, ihre etwas nervige Mutter. Manchmal rollte ich innerlich auch die Augen über das Verhalten und die Sichtweise der ein oder anderen Figur.
Und genau das liebe ich an den Figuren, die Petra Durst-Benning schafft: Nach nur wenigen Sätzen hat man das Gefühl, dass man sie schon ewig kennt, aber trotzdem noch Neues über sie erfährt. Sie wirken absolut lebensecht.
Ganz besonders positiv ist mir die Figur Eveline in Erinnerung geblieben: Eine arme Frau, die mit ihrer Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen in Laichingen wohnt. Eveline strahlt trotz der Armut eine Herzlichkeit aus und sie verliert nicht den Mut jeden Tag aufs Neue zu beginnen und für ihre Kinder da zu sein.
Natürlich gibt es auch den Bösewicht – diesen möchte man gerne ab und zu schütteln und ihn anschreien, wie ungerecht er doch ist.

Zum Stil ist zu sagen: Toll, einfach toll. Petra Durst-Benning versteht es prima, eine spannende Handlung vor einen absolut gut recherchierten historischen Hintergrund zu packen. Ihre lebendige Sprache ließ mich eine Seite nach der anderen lesen – und es kam nicht einmal Langeweile auf. Außerdem merkt man, wie sehr das Thema Fotografie die Autorin fasziniert und wie gut sie recherchiert hat. Diese Faszination gibt sie dann an den Leser weiter.
Dazu wird deutlich, wie schwer es Frauen im Jahre 1911 in der Gesellschaft hatten: Von Gleichberechtigung und einem selbstbestimmten Leben der Frauen war man ganz weit entfernt. Frauen, vor allem die, die aus dem Schema ausbrachen, hatten es alles andere als leicht. Doch Mimi lässt sich davon nicht unterkriegen.
Aber auch das Leben der ärmeren Bevölkerungsschicht zeigt Petra Durst-Benning auf. Es wird deutlich, wie entbehrungsreich viele Familien Anfang des 20. Jahrhunderts leben und arbeiten mussten und wie Fabrikarbeiter ihrem Arbeitgeber ausgesetzt waren.

Fazit: Sehr authentisch, große Gefühle und eine perfekte Recherche zu dem spannenden Thema Fotografie. Dazu ein wunderschönes Cover. Eine absolut empfehlenswerte Lektüre für alle, die gerne ins 20. Jahrhundert abtauchen möchten.

Ich freue mich so sehr auf den zweiten Band, der im April 2019 erscheint!

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