„Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“

von Ulrike Renk

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Erschienen am 16. August 2021 im Aufbau-Verlag
ISBN: 978-3-7466-3555-2


https://www.aufbau-verlag.de/index.php/eine-familie-in-berlin.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Aufbau-Verlag über die Agentur „ehrlich & anders“ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Sie nennen ihn „Merlin“, weil er alle verzaubert – der Mann, den ihr Bruder ihr als seinen Freund vorstellt. Paula Oppenheimer, die in einem offen jüdischen Haushalt groß geworden ist, verliebt sich in den jungen Dichter Richard Dehmel. Er verkehrt mit vielen Literaten und will als Künstler leben. Paula wird zu seiner Muse und zur strengen Kritikerin seiner Texte. Als sich ihre Eltern gegen ihre Verbindung stellen, kämpft Paula für ihre Liebe. Doch dann muss sie sich fragen, ob Richards wilde, unkonventionelle Art sie auf Dauer glücklich machen kann … Das Porträt einer Künstlerin in unruhigen Zeiten: Am Anfang war sie die Ehefrau des Dichters Richard Dehmel – dann wurde sie selbst zur Schriftstellerin.“

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Das Buch „Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“ von Ulrike Renk beschreibt die Lebensgeschichte der Paula Oppenheimer, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Dichter und Schriftsteller Richard Dehmel verliebt.

Berlin im Jahre 1878: Auch wenn die finanziellen Möglichkeiten der Familie Oppenheimer begrenzt sind, werden die vier Geschwister Paula, Franz, Elise und Carl von ihren Eltern liebevoll und bildungsorientiert erzogen.
Als Tante Auguste vorschlägt, Paula zu sich zu nehmen, als Gesellschafterin auszubilden und damit ihre Schwester finanziell zu entlasten, fällt Paula die Entscheidung alles andere als leicht: Sie hängt an ihrem Elternhaus und an ihrem Bruder Franz, mit welchem sie eine innige Verbindung teilt.
Sie zieht zu ihrer Tante und ihr eröffnet sich eine neue Welt: Sie besucht Opern, nimmt an literarischen Salons teil, vertieft ihr Klavier-Spiel und fährt zur Sommerfrische an die Ostsee.
Doch dann tritt Richard Dehmel in ihr Leben. Die zarte Paula verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen Mann. Doch ihre Liebe steht auf wackligen Beinen und weckt in Paulas Familie keine Stürme der Begeisterung.

Am 09. August erhielt ich von der Agentur „ehrlich & anders“ eine Anfrage, ob ich das neue Werk von Ulrike Renk als Rezensionsexemplar erhalten möchte. Bisher hatte ich von der Autorin noch kein Buch gelesen, was ich aber schon längst ändern wollte. Also sagte ich zu, da der Klappentext und auch das wunderschöne und stimmige Cover mein Interesse weckten. Die Namen Paula Oppenheimer und Richard Dehmel sagten mir nichts und dadurch versprach mir das Buch neue Erkenntnisse.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Aufbau-Verlag und bei der Agentur „ehrlich & anders“ für das liebevolle und wunderschöne Päckchen bedanken, welches mich erreichte.

In diesem Buch spielen eine Menge an unterschiedlichen Charakteren mit, die mich aber alle mit ihrer authentischen Zeichnung überzeugen konnten. Einige der Figuren sind historisch und werden von Ulrike Renk gekonnt zu Leben erweckt.
Paula, die Hauptfigur des Buches und historisch belegt, ist zu Beginn der Handlung ein junges Mädchen von knapp 16 Jahren. Ich schloss sie schnell ins Herz, sie ist eine sehr zarte Person , die auch immer wieder von ihrer Krankheit zurückgeworfen wird und sich im Laufe der Zeit selbst findet. Sie ist stets für andere da und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Menschen in ihrem Umfeld, nimmt aber auch gerne Hilfe an. Als Richard Dehmel in ihr Leben tritt, verändert sich Paula. Sie setzt sich störrisch bei ihrer Familie für eine Ehe mit Richard durch. Ulrike Renk hat die Lebensgeschichte von Paula Dehmel und die ungesunde Liebe zu Richard detailreich und farbenfroh nacherzählt
Tante Auguste ist Paula eine Vertraute und ihre Förderin. Sie ist kinderlos, was sie sehr mitnimmt, trotzdem lebt sie ein gutes und sorgenfreies Leben. Anfangs fiel es mir etwas schwer, sie einzuordnen, doch dann mochte ich ihre ehrliche und direkte Art sehr. Zudem entwickelt sie sich weiter und nimmt auch gerne Tipps von ihrer Nichte Paula an. Die Beiden ergänzen sich gut – sie helfen sich gegenseitig und sind immer füreinander da.
Toni und Julius, Paulas Eltern, konnte ich anfangs auch nicht richtig fassen. Einerseits sind sie sehr streng, auf der anderen Seite tun sie alles für ihre Kinder und stehen zu ihnen. Zwischen Toni und ihrer Schwester Auguste steht schon seit Ewigkeiten die Eifersucht, welche ihnen immer wieder das Leben schwer macht und auch in Paula das Gefühl erzeugt, zwischen den Stühlen zu sitzen.
Die Geschwister von Paula sind auch wunderbar und authentisch gezeichnet. Hier ist an erster Stelle Franz zu nennen, Paulas „Seelenbruder“. Sie teilen ihre Sorgen und ihre Ängste und verlieren nie den Kontakt zueinander, auch wenn Franz im fernen Freiburg studiert. Mein Liebling bei den Geschwistern Oppenheimer ist aber der junge Carl: Ungestüm und mit kindlichen Übermut entdeckt er die Welt von damals und wir nehmen diese durch seine Kinderaugen wahr. Elise ist eher unscheinbar.
Richard Dehmel, welcher erst in der zweiten Hälfte des Buches erscheint, ist ein Charakter, welcher es mir überhaupt nicht leicht machte. Auf der einen Seite tat er mir leid, da Paulas Familie ihn nicht akzeptiert, er immer wieder abwarten muss… aber auf der anderen Seite stieß mich sein Verhalten Paula gegenüber so ab. Er ist völlig von sich und seinem Können überzeugt und lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht nur sich, ist ein Narzisst, der viele Menschen in seiner Umgebung blendet und versucht zu manipulieren. Ich empfand seine Art als sehr unangenehm und hätte ihn gerne das ein oder andere mal geschüttelt.
Phine, eine Freundin von Paula, macht eine große Entwicklung durch und hat mich mit ihrer Lebensgeschichte sehr beeindruckt.
Um diese Hauptfiguren agieren noch einige Nebenfiguren, die mir aber alle sehr gut gefallen haben, da sie ebenfalls authentisch und lebensecht daher kommen. Das Personal, welches vorwiegend mit Berliner Mundart redet, lockerte viele angespannte Situationen wieder angenehm auf.
Was mir gefehlt hat, war ein Personenregister am Anfang des Buches, da ich ab und zu mit den Figuren durcheinander kam.

Ulrike Renk hat eine sehr angenehme, ruhige und auch bildhafte Sprache. Detailliert und liebevoll beschreibt sie Paulas Leben, ohne das es langweilig wird. Ganz besonders haben mir die Passagen an der Ostsee gefallen. Ich hatte das Gefühl, das Meer zu riechen und zu spüren und mit Paula zu entdecken. Im weiteren Verlauf des Buches hat die Autorin viele Briefe und Gedichte von Paula und Richard eingebunden. Das machte für mich einen besonderen Reiz des Buches aus, da die Geschichte durch diese Gedanken noch lebendiger und greifbarer wurde.
Während die Handlung der ersten Hälfte des Buches eher ruhig und bedächtig ist, wurde es in der zweiten Hälfte turbulent. Ich wollte das Buch dann nicht mehr aus den Händen legen und las bis spät in die Nacht.

Den historischen Hintergrund des Buches bilden die späten Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung verändert das Leben der Menschen und das Antlitz der Städte: Mehrfamilienhäuser entstehen, Automobile erobern die Straßen und der Smog der Industrie nimmt vielen Menschen die Luft zum Atmen. Nicht viele konnten dieser schlechten Luft entgehen und ans Meer zur ‚Sommerfrische‘ aufbrechen.
Die Gesellschaft ist gespalten: In den Arbeitervierteln herrscht bittere Armut, die Reichen der Gesellschaft werden immer reicher. Paulas Familie steht zwischen diesen beiden Schichten: Nicht arm, aber auch nicht reich.
Frauen durften in dieser Zeit nicht studieren und mussten sich ganz die Abhängigkeit der Männer begeben. Erst im Jahr 1896 wurden Frauen als Gasthörerinnen an Unis zugelassen, wobei davor auch schon Frauen mit einer Sondergenehmigung studieren durften – aber nicht promovieren. Dies war ihnen erst mit dem Gasthörerinnen-Zugangsrecht möglich. 1908 wurde den Frauen das Studium in Preußen allgemein erlaubt. Paula ist über diesen Zustand sehr betrübt und beneidet ihren Bruder Franz, für den beruflich alle Türen offen stehen.

Fazit: Das Buch „Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“ von Ulrike Renk entführt den Leser/ die Leserin mit einer detaillierten und liebevollen Sprache, einem akribisch recherchierten Hintergrund und authentischen Charakteren in vergangene Zeiten. Die Lebensgeschichte von Paula Dehmel hat mich bestens unterhalten, die Liebesbeziehung zu Richard Dehmel auch teilweise verstört.
Es wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin sein. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil, der im Februar 2022 erscheint.

*Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

Ein liebevoll gepacktes Päckchen


„Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“

von Julia Kröhn

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Erschienen am 16. August 2021 im Blanvalet-Verlag

ISBN: 978-3-7341-0965-2


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Alster-Schule-Jahre-des-Widerstands/Julia-Kroehn/Blanvalet/e574940.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das Bloggerportal.de als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Hamburg im Zweiten Weltkrieg: Das Heulen der Sirenen liegt über der Stadt, Hamburger Juden werden scharenweise deportiert und Abiturienten möglichst schnell an die Front geschickt. Wo gerade noch anschaulicher, lebendiger Unterricht gehalten wurde, ist wieder Zucht und Ordnung eingekehrt. Die einstigen Bildungsideale scheinen verloren. Doch während sich Emil und Anneliese dem NS-Regime andienen, bleibt Felicitas ihren Werten unverrückbar verbunden. Als sie ehemaligen Schülern wiederbegegnet, aus denen mittlerweile Studenten geworden sind, kommt ihr ein Flugblatt aus München in die Hände, das neue Hoffnung macht. Und eine radikale Entscheidung verlangt …“

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Das Buch „Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“ von Julia Kröhn ist ein eindrucksvolles Buch über den Widerstand gegen das NS-Regime in Hamburg und über die menschenunwürdigen Zustände in Konzentrationslagern.

Im November 1938 ist für den ehemaligen Deutschlehrer Levi nichts mehr, wie es einmal war: Er wird, da er Jude ist, in ein KZ verbracht und muss dort unter furchtbaren Umständen um sein Leben kämpfen.
Währenddessen kämpft Levis Freundin Felicitas einen anderen Kampf: Sie darf zwar noch unterrichten, muss sich aber an die Unterrichtsinhalte halten, die das NS-Regime vorgibt: Rassenlehre und Inhalte von Werken erwünschter Autoren. Klassen werden zusammengelegt, auf die einzelnen Schüler wird nicht mehr eingegangen – die Reformpädagogik liegt in Scherben. Doch sie gibt nicht auf und findet in dem Buchhändler Paul einen Vertrauten. Zusammen gründen sie einen Kreis aus Menschen, die sich gegen das Regime stellen. Als dann ein Flugblatt aus München die Runde macht, schöpfen alle neue Hoffnung, auf ein baldiges Ende des Regimes – doch dieses Flugblatt bringt auch alle in große Gefahr.
Anneliese, Felicitas ehemalige beste Freundin, führt eine sehr lieblose Ehe mit Emil – Felicitas Vorgesetzter. Nur das kleine Mädchen Elly hält Anneliese aufrecht – doch auch dieses Mädchen ist in großer Gefahr.

Julia Kröhn ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Seit ich vor etwa eineinhalb Jahren das Buch „Riviera – Der Traum vom Meer“ und „Riviera – Der Weg in die Freiheit“ gelesen habe, ist meine Begeisterung für diese Autorin noch einmal gestiegen. Sie erzählt Geschichten und Geschichten mit einer solchen Leichtigkeit, aber auch mit einer Authentizität und starken Charakteren, die mich immer wieder begeistern. Als der erste Teil „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ angekündigt wurde, war mein Interesse daher sofort geweckt – meine Rezension findet ihr hier: http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=2190
Ich habe es mit großer Begeisterung gelesen und fieberte schon den zweiten Teil entgegen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den Protagonisten, der Geschichte und der Alster-Schule weitergeht.
Über das ‚Bloggerportal von Randomhouse‘ bewarb ich mich um ein Exemplar und bekam es vom Blanvaet-Verlag zugeschickt – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für die Bereitstellung und Zusendung des Rezensionsexemplars.

Einige der Figuren in diesem Buch sind historische Figuren, viele sind aber fiktiv. Doch eines haben alle Figuren gemeinsam: Julia Kröhn hat sie, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, lebensecht und authentisch beschrieben. Sie haben ihre Ecken und Kanten und konnten mich des Öfteren mit ihren Handlungen und ihren Denkweisen überraschen, aber auch teilweise abstoßen.
Felicitas ist die Figur, um die sich die Handlung des Buches dreht: Sie steht für ihre Ideale und Denkweisen ein und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Wie im ersten Teil der Reihe hat mich ihre Stärke sehr beeindruckt.
Levi, Felicitas Freund, ist für mich persönlich die stärkste Figur in diesem Buch. Er wird im Laufe der Handlung in verschiedene KZs verbracht, kämpft dort unter furchtbaren Umständen um sein Leben, aber er gibt sich nicht auf. Er zeigt so viel Stärke, und steht immer wieder auf, wenn er fällt. Und er fällt oft.
Emil, der Schulleiter der Alster-Schule machte es mir, genau wie seine Frau Anneliese, nicht leicht. Einerseits haben die Beiden ihre guten Seiten, aber sie schlagen leider die falsche Richtung ein. Eindrucksvoll zeigt Julia Kröhn, dass sich Menschen aber auch ändern können. Anneliese muss ihren Weg im Leben erst noch finden, lässt sich leicht beeinflussen und läuft einfach mit. Von vielen als ‚dumm‘ bezeichnet, muss sie sich behaupten und zeigt, dass sie auch anders kann. Emil hingegen ist nach außen hin ein sehr starker Mensch, in seinem Inneren muss er aber auch mit Widersprüchen kämpfen.
Paul, ein ehemaliger Schüler von Felicitas, ist nun Buchhändler und mit Leib und Seele im Widerstand aktiv. Auch seine Geschichte und seine ehrlichen Charakterzüge haben mich sehr beeindruckt.
Es gibt noch einige Charaktere, die am Rande mitspielen, viele hatte ich einfach nur gern, bei einigen musste bei ihren Denk- und Sichtweisen und Argumenten sehr schlucken. Julia Kröhn zeichnet mit ihren vielfältigen Figuren ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft zu dieser Zeit: Von glühenden Verehrern des NS-Regimes, von verklärten Mitläufern und den passiven und aktiven Widerständlern ist alles dabei.

Wie beim ersten Teil hat mich Julia Kröhn wieder ab der ersten Seite mit ihrem poetischen, aber auch bildhaften Sprachstil mit in die Geschichte genommen. Sie erzählt so mitreißend, aber auch schonungslos aus dieser Zeit. Vor allem die Passagen, die im Konzentrationslager spielen, haben mir die Tränen in die Augen getrieben und mich fassungslos zurückgelassen. Meiner Meinung nach, sollte dieses Buch in Schulen gelesen werden, da es ein Buch gegen das Vergessen ist. Nie wieder darf so etwas passieren.

Kindern Deutsch beizubringen, und dass diese Sprache trotz allem überaus schön sein kann, ist auch eine Form des Widerstands. Wir müssen ihnen beibringen, dass sie einander brüderlich zugetan bleiben sollen, dass wir niemals aufgeben, dass es eine Zeit… danach geben wird. Nicht alle werden diese erleben, aber wenn es ein paar wenige sind und die dann noch Menschen, wenn sie nicht nur vom Grässlichen, was hier geschieht, Zeugnis ablegen, sondern auch von dem Schönen, Wahren und Guten, haben wir gewonnen.“
[S. 205, Z. 22 – 30]

Der stimmige Titel des Buches bezieht sich also nicht nur auf den Widerstand , der mit der ‚Weißen Rose‘, den ‚Edelweißpiraten‘ und weiteren Widerstandsorganisationen in Verbindung gebracht wird, sondern eben auch dem Widerstand in Konzentrationslagern.

Der geschichtliche Hintergrund bilden die Jahre von 1938 bis 1947: Die Nationalsozialisten sind an der Macht und teilen die Menschen und die Gesellschaft auf. In ihren Augen unwertes Leben wird vernichtet, Juden, Homosexuelle und Widerständler außer Landes oder in Konzentrationslager verbracht. In München finden sich Studenten zusammen und bilden die Widerstandsorganisation „Weiße Rose“, deren Flugblätter den Weg nach Hamburg finden und dort für eine Gründung der „Weiße Rose Hamburg“ sorgen.
Am 01. September 1939 bricht dann der Zweite Weltkrieg aus, anfangs sorgten viele und schnelle Siege bei den Deutschen für Freudentaumel, doch je länger sich der Krieg hinzieht, desto kriegsmüder werden die Menschen.
Als dann im Juli 1943 unter dem Codenamen „Operation Gomorrha“ Hamburg von der Britischen und US-Amerikanischen Luftwaffe unter Beschuss genommen wird und in einem gewaltigen Feuersturm Zehntausende Menschen ihr Leben verlieren und Hunderttausende obdachlos werden, ist es mit der Kriegsmoral bei vielen vorbei.
All diese Ereignisse schildert Julia Kröhn eindringlich und bildhaft und mit viel historischen Wissen. Bei vielen Beschreibungen stockte mir der Atem, teilweise wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen konnte.

Fazit: Das Buch „Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“ ist für mich das wichtigste Buch des Jahres 2021 und eine äußerst gelungene Fortsetzung des ersten Teils. Mit ihren großen historischen Wissen, vielseitig gezeichneten Charakteren und ungeschönten Beschreibungen des damaligen Lebens und der Gesellschaft hat mich Julia Kröhn in die Geschichte gezogen. Dieses Buch solltet ihr unbedingt lesen, auch wenn es keine leichte Kost ist.

*Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“

von Stephanie Schuster

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Erschienen am 25. August 2021 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-70564-1


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596705641

Hinweise:
– Das Buch habe ich vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten (deshalb Kennzeichnung als Werbung).
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die ist der dritte Teil der Reihe – falls ihr die ersten beiden Teil noch nicht kennt, solltet ihr diese Rezension nicht lesenSpoiler-Gefahr!
– Hier findet ihr die Rezensionen zu Teil 1 (http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=2286) und Teil 2 (http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=2293)

Klappentext:
„1972, das Jahr der Olympischen Spiele in München: Mit allen Mitteln kämpft Luise der Supermarktkonkurrenz zum Trotz um ihr kleines Lebensmittelgeschäft in Starnberg. Außerdem will sie sich noch nicht eingestehen, dass ihre Ehe am Ende ist. Ihren Kindern zuliebe versucht sie, irgendwie die Familie zusammenzuhalten.
In diesen turbulenten Zeiten geben ihr die drei Freundinnen halt: Helga, die von einer eigenen Arztpraxis träumt, Marie, die alle Energie in ihren Reiterhof steckt und Annabel, die sich endlich der Vergangenheit ihrer Familie stellt. Bei all den neuen Chancen merken sie: Das größte Abenteuer des Lebens fängt jetzt erst an.“

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Das Buch „Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“ von Stephanie Schuster ist der finale Teil der Reihe um vier Frauen, die in den 1970er Jahren, allen Widerständen zum Trotz, ihr Leben in die Hand nehmen.

Der Prolog des Buches setzt im August des Jahres 1973 in Paris an. Dorthin hat es drei der vier Wunderfrauen zu einem Urlaub hin verschlagen, Luise möchte mit ihren Zwillingen nachkommen.
Im ersten Kapitel kehren wir in den Sommer 1972 zurück: Die Welt schaut nach München, dort sollen im Monat drauf die Olympischen Spiele stattfinden.
Doch zuerst steht ein Abschied hat: Annabels Schwiegervater ist verstorben. Ein aufsehenerregender Vorfall auf der Beerdigung, veranlasst Annabel Nachforschungen in Sachen Familiengeheimnisse zu beginnen.
Luises kämpft währenddessen um ihren Laden: Trotz großer Umbauten und zusätzlichem Personal kommt sie gegen die Konkurrenz der Supermärkte und Discounter nicht mehr an. Und auch in ihrer Ehe steht alles auf Ende. Doch Beides möchte Luise nicht wahrhaben.
Marie, steckt währenddessen all ihre Energie in ihren Reiterhof und Helga, die als Ärztin erfolgreich ist, träumt von einer eigenen Arztpraxis, in der sie endlich unabhängig arbeiten kann.
Die Zukunft bietet für alle offene Türen doch der Weg dorthin ist nicht leicht und verlangt den vier Frauen vieles ab.

Im Juli 2021 hat mich die Autorin Stephanie Schuster gefragt, ob ich diesen dritten Teil der Reihe als Rezensionsexemplar zugesendet bekommen möchte. Da ich die Reihe schon sehr lange lesen wollte, musste ich nicht lange überlegen und sagte zu. Die ersten beiden Teile las ich innerhalb einer Woche und konnte dann direkt mit dem dritten Teil beginnen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin und den Fischer-Verlagen für das Buch und die Zusendung bedanken.

Zehn Jahre sind seit Ende des zweiten Teils und Beginn des dritten Teils vergangen.
Luise muss wie noch nie zuvor um ihren Laden kämpfen: Die Kundschaft bleibt immer mehr aus, die Konkurrenz von Supermärkten macht ihr und ihrem Laden schwer zu schaffen. Doch sie verliert nicht ihren Lebensmut und baut sich nebenbei noch ein anderes Standbein auf. Ich empfand Luises Kampfgeist und ihr Organisationstalent wieder als sehr beeindruckend. Auch wenn sie Dinge oft nicht wahrhaben möchte, aufgeben kommt für sie nicht in Betracht. Leider klammert sie sich auch nach wie vor an ihre mittlerweile sehr kaputte Ehe und kann nicht wirklich loslassen.
Marie, die ihr Leben nach Ende des zweiten Teils neu ordnen muss und wieder ihren Platz im Leben sucht, hat mich mit ihrer Stärke beeindruckt, aber auch ihre Momente der Schwäche bewegten mich sehr. Was für eine starke Frau, die trotz Schicksalsschlägen immer wieder aufsteht und sich ihren Ängsten stellt.
Helga, die in der Klinik eigentlich alles erreicht hat, was sie sich wünschen kann, aber doch nicht zufrieden ist und nach wie vor ihr privates Glück sucht, empfand ich als einen sehr warmherzigen Charakter. Auch wenn sie die jüngste der vier Wunderfrauen ist, steht sie mitten im Leben und ist immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wird.
Annabel, hat sich seit dem ersten Teil stetig gewandelt: Sie sagt nun, was sie denkt, lässt sich nicht mehr den Mund verbieten und löst nach wie vor gerne Geheimnisse. Doch mit den großen Familiengeheimnissen ihre Mannes tritt sie in ein Wespennest. Annabels Wandlung hat mich sehr begeistert und auch gefreut.
Die vier Frauen sind wie ein Zahnrad, die ineinander greifen, sich gegenseitig unterstützen und zusammen zu Höchstformen auflaufen. Sie ergänzen sich in ihrem Wesen und ihrem Handeln perfekt und schaffen damit gemeinsam wahre Wunder.
Aber auch die anderen Charaktere sind lebensecht und authentisch gezeichnet. Sie haben alle ihre Stärken und Schwächen und bringen mit ihren Geschichten und Hintergründen die Handlung weiter voran. Auch wenn er in diesem Teil eine eher kleine Rolle spielt, ist Manni auch wieder dabei und bringt in die Geschichte wieder viel Wärme und Licht.
Auch die weniger ‚guten‘ Charaktere konnten mich überzeugen – sie alle haben ihre Geschichte, die sie zu ihrem Handel und Denken antreibt.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der ein Jahr vor der eigentlichen Handlung ansetzt. Im ersten Kapitel geht es dann ein Jahr zurück und die ganze Handlung des Romans steuert auf die Begebenheiten des Prologs zu, was ich sehr spannend fand.
Wie auch in den ersten beiden Teilen der Reihe legt Stephanie Schuster in jedem Kapitel den Schwerpunkt auf eine der vier Frauen und ihre Geschichte. Teilweise endeten die Kapitel mit einem Cliffhanger, dass ich unbedingt weiterlesen musste, um zu erfahren, wie es weitergeht. Ein wahrer ‚Pageturner‘ mit Sogwirkung.
Stephanie Schuster hat einen sehr lebendigen und detaillierten Sprachstil und lässt auf keiner Seite Langweile aufkommen. Teilweise flog ich nur so durch die Geschichte und hatte bei vielen (geschichtlichen) Ereignissen das Gefühl, dabei zu sein. Sie schildert die Zeit der 70er Jahre sehr kenntnisreich und zeichnet mit ihren vielfältigen Charakteren ein authentisches Bild der Gesellschaft und des Lebens zu dieser Zeit.
Zum Schluss des Buches lösen sich viele Dinge auf und auch einige Handlungsstränge laufen zusammen – einige bleiben aber auch offen und würden noch Material für einen vierten Teil ergeben. Aber laut Verlag und Autorin ist nach diesem Teil Schluss.
Die Reihe hat mich vom ersten Satz an gepackt und nicht wieder losgelassen. Die Lebensgeschichten und Stärke der vier Frauen, die perfekt recherchierten geschichtlichen Hintergründe und der angenehm lockere Sprachstil haben mich ganz in die Trilogie abtauchen lassen und ich bin unendlich froh, dass ich sie gelesen habe und werde sie nie wieder vergessen und immer in meinem Herzen tragen,

Die 70er Jahre in der BRD und in Ostberlin bilden den geschichtlichen Hintergrund des Romans. Die Olympischen Spiele im Sommer 1972 in München sind ebenfalls ein wichtiger Handlungsstrang.
Bei diesen Olympischen Spielen kam es am 05. September 1972 zu dem ‚Münchener Olympia-Attentat‘, bei dem elf israelische Geiseln, fünf Geiselnehmer und ein Polizist getötet wurden.
Ein weiteres Thema ist der Siegeszug der Discounter und damit der Niedergang der kleinen ‚Tante-Emma-Läden‘ in den 70er Jahren.

Fazit: Das Buch „Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“ ist ein gelungener Abschluss einer tollen und packenden Trilogie. Mit ihren vielfältigen und lebensechten Figuren und einer spannenden Handlung hat mich Stephanie Schuster in andere Zeiten entführt und eine Reihe geschaffen, die ich nie vergessen werde – Danke liebe Stephanie Schuster. Lasst euch diese Reihe nicht entgehen.

* Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Fischer-Verlag zugesendet bekommen. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – der Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“

von Stephanie Schuster

Erschienen am 24. Februar 2021 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-705658


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596705658

Hinweise:
– Das Buch habe ich mir im Juli 2021 selbst gekauft.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die ist der zweite Teil der Reihe – falls ihr den ersten Teil noch nicht kennt, solltet ihr diese Rezension nicht lesen – Spoiler-Gefahr!
– Hier findet ihr meine Rezension zum ersten Teil: http://buechertanz.chrisalsi.de/?p=2286

Klappentext:
Zu Beginn der 1960er Jahre, den Swinging Sixties, ist viel zu tun in Luise Dahlmanns kleinem Laden, er ist ihr ganzer Stolz. Die Regale sind prall gefüllt mit allem, was das Herz begehrt: frische Waren aus dem Umland und Feinkost aus der ganzen Welt. Luise möchte mit der Konkurrenz mithalten, die Kunden wünschen sich plötzlich Selbstbedienung, suchen nach Angeboten und fragen nach dem Rezept für das Sonntagsessen.Drei Frauen sind in diesem Jahrzehnt voller Umbrüche an ihrer Seite: Die alleinerziehende Helga, die nun als Ärztin arbeitet, ihre Schwägerin Marie, die inzwischen vier Kinder hat und Annabel, deren Familie nach einem Schicksalschlag zu zerbrechen droht. Das Leben hat die vier Frauen in den letzten Jahren enger verbunden als sie dachten. Und sie merken: Gemeinsam kann man aus Träumen Echtes erschaffen.“

Das Buch „Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“ ist der zweite Teil um vier Frauen, die in den 1960er Jahren ihren teils beschwerlichen Weg gehen und immer wieder gegen Widerstände kämpfen müssen.

Der Prolog des Buches setzt im September 1963 ein – Helga, die inzwischen als Ärztin arbeitet, ist verhaftet worden. Ihre drei Freundinnen Luise, Annabel und Marie setzen alles in Bewegung, um sie wieder zu befreien.
Zwei Jahre zuvor: Luise lebt nach wie vor ihren Traum vom eigenen Laden. Doch mit der Zeit ist es eng geworden: Immer mehr Waren haben den Weg in ihren Laden gefunden und auch dass Luise ihre Kunden bedient ist eher in Auslaufmodell. Alle Zeichen stehen auf Modernisierung. Da stolpert Helga wieder in ihr Leben. Sechs Jahre zuvor trennten sich die Wege der damals besten Freundinnen, da Helga ein angebliches Verhältnis mit Luises Mann Hans hatte. Langsam nähren sich Luise und Helga wieder an.
Währenddessen muss die Arztgattin Annabel einen großen Schicksalsschlag hinnehmen und beginnt mit Recherchen, die einen fürchterlichen Skandal zu Tage fördern.
Und Marie, die mittlerweile mit Martin, Luises Bruder, verheiratet ist, weiß vor lauter Arbeit und Kindererziehung langsam nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.
Doch immer wieder führt das Schicksal diese vier Frauen zusammen.

Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem mich die Autorin Stephanie Schuster fragte, ob ich den dritten Teil als Rezensionsexemplar erhalten möchte. Da es mich der ersten Teil komplett überzeugte, freute ich mich sehr auf diesen zweiten Teil – und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Fast alle Charaktere aus dem ersten Teil tauchen auch wieder im zweiten Teil auf. Einige Figuren sind dazu gekommen – vorwiegend die Kinder der vier ‚Wunderfrauen‘.
Luise ist nach wie vor eine der Figuren, die mich am meisten inspiriert hat: Mit Leidenschaft und Hingabe führt sie ihren Laden. Modernisierungen scheut sie wenig, sie ist trotz ihrer vielen Arbeit auch immer für andere da. In diesem zweiten Teil der Reihe wird Luise nochmal mehr sie selbst und entdeckt eine große, ungeahnte Freiheit in sich.
Helga, die am Ende des ersten Teils ihre Stelle als Lehrschwester verloren hat, zeigt wieder eindrucksvoll, dass sie sich nie unterkriegen lässt. Sie kommt als Ärztin zurück nach Starnberg und zeigt in ihrem Beruf in der Frauen- und Geburtsklinik ein großes Engagement, welches nicht allen gefällt. Sie ist eine starke und selbstbewusste Figur, die noch immer nichts auf Konventionen gibt und ihr Leben lebt, wie sie es für richtig hält. Trotzdem hat sie auch immer ein Ohr für andere Menschen und ihre Sorgen.
Annabel hat sich deutlich verändert. Im ersten Teil kam sie sehr verschlossen und teilweise mürrisch rüber, ergab sich in ihrem Schicksal einer eher freudlosen Ehe. In diesem Teil schwingt sie sich ebenfalls zu einer Kämpferin auf. Sie gibt keine Ruhe, bis sie nicht hinter Geheimnisse gekommen ist – auch wenn sie durch ihre Recherchen einen medizinischen Skandal mit aufdeckt. Annabels Entwicklung und ihre Stärke haben mich sehr beeindruckt. Sie schweigt nun nicht mehr sondern sie hat gelernt, sich zu wehren.
Marie, Luises Schwägerin, führt ein ruheloses Leben. Mittlerweile ist sie dreifache Mutter und liebt die Arbeit auf dem Hof sehr – auch wenn es sie alles sehr fordert. Die Ehe mit Martin ist allerdings nicht ganz so harmonisch, wie es auf den ersten Blick scheint, da Martin häufiger zur Flasche greift. Doch je schwächer Martin wird, desto stärker wird Marie. So schnell gibt sie sich und ihre Familie nicht auf. Marie hat mittlerweile ihren Platz im Leben gefunden, sie tritt selbstbewusst auf, doch ihre Vergangenheit kann sie nicht ganz abstreifen. Sie ist ein sehr eindrucksvoller Charakter.
Neben diesen vier Frauen spielen auch wieder einige männliche Charaktere eine große Rolle: Da ist Hans, Luises Mann, der leider eine ziemlich schlechte Seite hat, Martin, Maries Mann, der sich sehr negativ entwickelt, Konstantin, Annabels Mann, der sich auch in diesem Teil nicht immer mit Ruhm bekleckert. Eine meiner Lieblingscharaktere bleibt nach wie vor Manni, Luises Bruder, der mit Trisomie 21 geboren wurde. Er bringt mit seiner Sicht auf die Dinge wieder sehr viel Wärme in die Geschichte.
Die vielen Kinder der vier Frauen brachten frischen Wind in die Geschichte – hier sind an erster Stelle Josie, Luises Tochter, und David, Helgas Sohn, zu nennen, Die Beiden mischen überall mit und zauberten mir mit ihrer unverfälschten Art immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Allen Charaktere in diesem Buch haben mich wieder absolut begeistert – sie haben mich alle überzeugt und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Die Autorin hat mit ihren Figuren ein tolles und authentisches Bild der Gesellschaft der 1960er Jahre gezeichnet und jede Figur mit ganz eigenen Eigenheiten und Gefühlen ausgestattet. Ich bin sehr gespannt, wie es mit all diesen unterschiedlichen Charakteren im dritten Teil weitergeht.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der zwei Jahre vor der eigentlichen Handlung ansetzt. Im ersten Kapitel geht es dann zwei Jahre zurück und die ganze Handlung des Romans steuert auf die Begebenheiten des Prologs zu, was ich sehr spannend fand – es ist wie ein Kreis, der sich schließt.
Die einzelnen Kapitel legen immer wieder den Schwerpunkt auf eine der vier Frauen und ihre Geschichte. Teilweise endete ein Kapitel so abrupt, dass ich unbedingt weiter lesen musste, um zu wissen, wie es mit einem Charakter weitergeht. Ein Buch mit absoluter Sogwirkung, welches ich nur ungern aus den Händen legen wollte. Aber auch der wunderbare flotte und detaillierte Sprachstil von Stephanie Schuster hat auf keiner Seite Langeweile aufkommen lassen und ich flog nur so durch die Geschichte.

Die ersten zwei Jahre 60er Jahre bilden den geschichtlichen Hintergrund des zweiten Teils: Der Contergan-Skandal, die Anfänge der Studentenbewegung, der Bau der Berliner Mauer und die Einführung der Antibabypille spielen in diesem Roman eine große Rolle. In diese akribisch recherchierten Hintergründe bettet Stephanie Schuster ihre Geschichte und verpackt es so, dass der Leser/ die Leserin das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein.
Vor allem der Contergan-Skandal hat mich sehr nachdenklich gemacht. Auch wenn ich schon des Öfteren Berichte dazu gelesen habe, wurde es in diesem Roman sehr eindrücklich geschildert und noch einmal greifbarer für mich.
Ein weiterer Punkt, der mich fassungslos machte, war die Einführung der Antibabypille – einfach unfassbar, dass damals noch der Ehemann schriftlich sein Einverständnis geben musste, wenn eine Frau die Pille nehmen wollte.
Mit einer musikalischen Playlist kann man noch einmal ganz tief in die Zeit der 60er Jahre und in den Roman abtauchen. Eine Zeit der Ungerechtigkeiten aber auch des Aufbegehrens.

Fazit: „Die Wunderfrauen – Von allem nur das Beste“ ist die gelungene Fortsetzung des ersten Bandes. Auch wenn einige Jahre zwischen dem Ende des ersten Teils und dem Beginn des zweiten Teils liegen, war ich sofort wieder in der Geschichte angekommen. Mit viel Zeitgeist, einer flotten und bildhaften Sprache und unvergesslichen Charakteren entführt uns Stephanie Schuster in die 60er Jahre. Absolut lesenswert! Ich freue mich auf den dritten Teil.

„Die Wunderfrauen – Alles, was das Herz begehrt“

von Stephanie Schuster

Erschienen am 29. Juli 2020 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-70032-5


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596700325


Hinweise:
– Das Buch habe ich mir im Oktober 2020 selbst gekauft.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
„Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ 1953, zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre, träumt Luise Dahlmann von ihrem eigenen kleinen Lebensmittelgeschäft. Hier soll es nach Jahren des Verzichts wieder alles geben, was das Herz begehrt. Sie sieht es schon vor sich: die lange Ladentheke mit großen Bonbongläsern darauf, eine Kühlung für Frischwaren, Nylonstrümpfe, buttriger Kuchen, sonntags frische Brötchen … und das Beste daran: endlich eigenständig sein. Endlich nicht mehr darüber nachdenken, warum ihre Ehe nicht so gut läuft, endlich sie selbst sein und etwas wagen.Drei Frauen werden immer wieder Luises Weg kreuzen: Annabel von Thaler, die wohlhabende Arztgattin von nebenan, die junge Lernschwester Helga Knaup und Marie Wagner, geflohen aus Schlesien. Sie alle haben in den Zeiten des Aufbruchs und des Neubeginns einen gemeinsamen Wunsch: Endlich wieder glücklich sein.“

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Das Buch „Die Wunderfrauen – Alles, was das Herz begehrt“ von Stephanie Schuster ist in Starnberg der 50er Jahre angesiedelt und der spannende Auftakt einer Trilogie um vier Frauen, die aus ihren Rollen ausbrechen und Neuanfänge wagen.

Es ist das Jahr 1953: Noch immer hängt der Schrecken des Zweiten Weltkrieges über Deutschland. Doch die Menschen schöpfen langsam wieder Hoffnung und der verheißungsvolle Duft des Neuanfangs liegt in der Luft.
Diese vier Frauen nehmen ihr Leben in die Hand: Luise, die jahrelang ihre Schwiegermutter gepflegt hat, und nun von einem eigenen Lebensmittelgeschäft träumt, Marie, die eine traumatische Flucht hinter sich hat, Helga, die aus dem strengen Elternhaus ausbricht und Annabel, die in einer eher langweiligen Ehe gefangen ist.
Immer wieder begegnen sich diese vier grundverschiedenen Frauen, die sich aber doch ähnlicher sind, als sie denken. Denn sie wollen alle eines: Freiheit.

Das Buch lag jetzt etwa ein Jahr auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher). Ich hatte es mir damals ziemlich spontan gekauft.
Letzten Monat schrieb mich die liebe Stephanie Schuster an und fragte ob, ich den dritten Teil der ‚Wunderfrauen‘ als Rezensionsexemplar haben möchte. Da musste ich nicht lange überlegen, da es mir mittlerweile in den Fingern juckte, diese Reihe endlich zu beginnen.

Im ersten Kapitel lernt der Leser/ die Leserin Luise Dahlmann kennen, allerdings steckt sie in einer traurigen Situation, die ihr aber gleichzeitig die Chance auf einen Neuanfang schenkt. Ihre Schwiegermutter Henriette ist verstorben. Noch während Luises Mann Hans überlegt, an wen er die frei gewordenen Räume vermieten kann, ist in Luise schon der Wunsch nach einem eigenen Lebensmittelgeschäft da. Hans unterstützt sie in ihrem Vorhaben. Mir hat Luises Charakter sehr gefallen, da sie sehr zielstrebig und selbstsicher gezeichnet ist, aber auch immer mal wieder mit Rückschlägen zu kämpfen hat. Sie lässt sich aber nicht unterkriegen, ist ehrlich und immer für andere da. Es war einfach schön zu sehen, wie sie sich ihren Lebenstraum erfüllt, mit einem solchen Organisationstalent, welches mich sehr beeindruckt hat.
Marie, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges, aus den Ostgebieten flüchten musste und nach einigen Zwischenstationen in Starnberg ankommt, hat mich mit ihrem starken Charakter ebenfalls sehr beeindruckt. Ihre Vertreibung hat sie stark traumatisiert, sie kann zu Tieren sehr viel schneller Vertrauen fassen als zu Menschen. Marie steht für ein Schicksal, welches Millionen Menschen durchmachen mussten: Vertreibung, Flucht und ein kompletter Neuanfang. Marie gibt sich selbst nie auf und ist für die Menschen, denen sie sich öffnet, immer da. Auch wenn sie ihren Platz im Leben erst noch finden muss, ist sie eine starke und beeindruckende Figur.
Es gibt aber auch einige männliche Charaktere in diesem Buch: Hans, der Mann von Luise: Er ist ein ehrlicher Mann, der seine Frau gerne unterstützt und ihr damit die Türen öffnet. Luises Brüder Martin und Manni, die den Hof der Familie bewirtschaften. Manni, der mit mit Trisomie21 auf die Welt kam, ist mein persönlicher Lieblingscharakter in diesem Buch. Auch wenn er wenig sagt, er bringt in diese Geschichte so viel Liebe und Licht. Martin, der ältere Bruder von Luise und Manni, hat mich mit seiner Lebensgeschichte und seiner Sicht auf die Dinge richtig überzeugt. Er ist ein vorsichtiger und ruhiger Mensch.
Aber auch Konstantin, Annabels Ehemann, ist ein gut gezeichneter Charakter. Auch wenn er Anfangs ein eher ‚lauter‘ Charakter ist, der völlig von sich und seinem Können überzeugt ist, wandelt er sich im Laufe der Geschichte.
Ihr seht, ich bin von allen Charakteren in diesem Buch absolut begeistert – sie haben mich alle überzeugt und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Die Autorin hat mit ihren Figuren ein tolles und authentisches Bild der Gesellschaft der 1950er Jahre gezeichnet und jede Figur mit ganz eigenen Eigenheiten und Gefühlen ausgestattet.

In den ersten Kapiteln des Buches lernt man immer eine der vier Frauen kennen. Auch wenn es dadurch immer wieder zu zeitlichen Überlappungen kommt, konnte ich völlig in die Geschichte abtauchen. Stellenweise wurde es richtig spannend und die Seiten flogen nur so dahin. Die zeitlichen Überlappungen zeigen dann nochmal Ereignisse aus verschiedene Perspektiven, was mir sehr gut gefallen hat. Stephanie Schuster hat einen angenehmen Schreibstil, der detailliert beschreibt aber niemals langweilig ist. Ganz wunderbar.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, 50er Jahre und das Wirtschaftswunder der BRD sind die historischen Hintergründe des ersten Bandes der Reihe. Stephanie Schuster zeigt, wie das NS- Gedankengut zu dieser Zeit noch immer in vielen Köpfen festsaß und wie konservative Rollenbilder mit den neuen Ideen und dem Freiheitsdrang der Frauen zu dieser Zeit kollidierten.
Maries Geschichte, ihre Vertreibung aus den Ostgebieten, hat mich stellenweise fassungslos zurück gelassen. In ihrer Geschichte fand ich ein Stück meiner eigenen Familiengeschichte wieder – meine Oma wurde auch vertrieben und verlor auf der Flucht alles – auch ihre Mutter (meine Ur-Oma). Auch wenn Maries Flucht rückblickend erzählt wird, bekam ich während des Lesens eine Gänsehaut.

Fazit: Das Buch ist ein wunderbarer Auftakt einer Reihe welche mit tollen, ausdrucksstarken Figuren, einem lebendigen Sprachstil und einer packenden Handlung besticht. Ich bin nun definitiv ein Fan dieser Reihe und freue mich auf die beiden weiteren Teile der Reihe.
Lasst euch diese Reihe nicht entgehen.

„Das Leben wie sie es liebten“

von Anni Bürkl

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Erschienen am 07. Mai 2021 im Selbst-Verlag
ISBN Taschenbuch: 979-8707616020 (auch als ebook erhältlich)


https://texteundtee.at/autorinannibuerkl/elementor-723/

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar (eBook) zur Verfügung gestellt bekommen – dieser Artikel ist deshalb als Werbung gekennzeichnet.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
1938 – Die junge Loretta und ihr Mann Marek therapieren Nervenkranke im Sanatorium ihres Vaters im sudetenländischen Reichenberg (Liberec, Tschechien). Dem Anschluss ans Deutsche Reich folgen der Krieg und später die Vertreibung. Doch während Loretta fliehen kann, verliert sie Marek aus den Augen.1946 – Im ausgebombten Wien lebt Loretta bei ihrer Tante Emmy. Auch die vor ihrem Mann geflohene Paula und deren Tochter Irene sowie die schweigsame Ingrid haben in der Wohnung Unterschlupf gefunden. Oft bekommen sie Besuch von der lebenslustigen Ursula. Gemeinsam teilen die fünf sehr unterschiedlichen Frauen ihren Alltag, in der Not auch ihr Essen, das Nötigste zum Leben und ihre Sorgen, denn wie Loretta sucht Ursula ihren Mann. Gemeinsam wenden sie sich an die russischen Besatzer und finden einen Unterstützer in Major Artjom. Doch da ist auch Ingrids neuer Liebhaber – ein amerikanischer Offizier –, den Loretta nun für den Russen bespitzeln soll. Während sie hofft, so ihren Marek wiederzufinden, kommen auch andere vermeintlich im Sudetenland verschollene Geheimnisse ans Licht.
„Das Leben wie sie es liebten“ ist der Auftakt zu drei Romanen über die bindende Kraft der Liebe im Leben dieser Frauen und ihrer Kinder – in einem Jahrhundert voll politischer Zerrissenheit.“

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Das Buch „Wie sie das Leben liebten“ von Anni Bürkl, zeigt die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im ans Deutsche Reich angegliederte Tschechien, der zweite Erzählstrang spielt in Wien kurz nach Ende des Krieges.

Die Handlung des Buches setzt im Jahr 1946 in Wien ein: Die junge Loretta lebt bei ihrer Tante Emmy, ihrer letzten lebenden Verwandten. Bei ihrer Vertreibung aus dem ehemaligen Deutsch-besetzten Tschechien ist sie von ihrem geliebten Mann Marek getrennt worden und sie ist durch ihre Flucht stark traumatisiert. In Reichsberg, Tschechien, haben Loretta, ihr Vater und Marek in einem Sanatorium Nervenkranke therapiert. Immer wieder geht Loretta gedanklich in das Jahr 1938 zurück.
In Wien müssen Loretta und ihre Tante irgendwie überleben. Zwar haben sie eine intakte Wohnung, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind aber wenig bis gar nicht verfügbar.
Als das Wohnungsamt dann auch noch eine undurchsichtige Frau namens Ingrid bei ihnen einquartiert, wird die Situation für alle noch schwieriger.
Und Loretta gibt die Suche nach ihrem Mann nicht auf und findet Unterstützung in dem russischen Major Artjom. Doch mit der Suche kommen auch verschollene Geheimnisse ans Licht.

Auf das Buch wurde ich per Email von einer Agentur aufmerksam gemacht, die Selfpublisher unterstützt. Nach Lesen des Klappentexts war mein Interesse geweckt, da ich Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg äußerst spannend finde und auch über die Handlungsorte (Tschechien und Wien) sehr gerne lese.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für das Rezensionsexemplar, welches mich als eBook erreichte, bedanken.

In „Das Leben wie sie es liebten“ lernen wir zuerst Loretta und ihre Tante Emmy kennen. Loretta, die während der Flucht ein Trauma erlitten hat, welches sie immer wieder einholt und sie in die Knie zwingt. Auch wenn sie innerlich kaputt ist, muss sie trotzdem stark sein und gibt nie auf, ihren Mann Marek wieder zu finden – diese Stärke von ihr beeindruckte mich sehr. Sie muss irgendwie überleben, verliert aber nie den Blick für andere Menschen. Ein ganz besonderer Charakter, welcher sehr authentisch und eindringlich beschrieben ist.
Ihre Tante Emmy wirkt anfangs eher gefühlskalt, weigert sich, die junge Ingrid bei sich in der Wohnung aufzunehmen, obwohl der Platz da ist. Im Laufe der Geschichte zeigt sich aber, dass sie ihr Herz am richtigen Fleck hat und für Menschen da ist, die Hilfe brauchen. Der Charakter der Tante Emmy hat mich begeistert, da sie eine sehr große Wandlung durchmacht und eine tragende Rolle in der Handlung einnimmt.
Neben Loretta und Tante Emmy agieren die Briefträgerin Ursula und die Hausmeisterin Paula. Ursulas Mann gilt an der Front als vermisst, trotzdem geht sie mit einem großen Lebensmut voran. Paula macht eine schwierige Zeit durch, lässt sich aber nicht unterkriegen. Die Charaktere der beiden bodenständigen Frauen fand ich sehr interessant, da sie dafür stehen, wie die Frauen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihr Leben in die Hand genommen haben.
Ingrid, die neue Mitbewohnerin von Loretta und Tanta Emmy scheint von Anfang an etwas undurchsichtig und geheimnisvoll – dadurch treibt sie die Geschichte weiter voran.
In den Rückblenden auf das Jahr 1938, lernen wir noch die Eltern von Loretta kennen und auch Marek, der als Arzt an das Sanatorium kommt. Auch wenn man nur wenig von ihrer Geschichte erfährt, hat mich auch ihre interessante Geschichte sehr mitgenommen.
Alle Figuren in diesem Buch haben mir sehr gefallen und konnten mich überzeugen, da sie authentisch und lebensecht gezeichnet sind. Sie leben ihr Leben in schwierigen Zeiten und lassen sich von ihren Ansichten nicht abbringen.

Das Buch ist sehr interessant aufgebaut: Im ersten Kapitel sind wir in Wien, erfahren, dass Loretta unter einem Trauma leidet, welches mit ihren Erlebnissen in Reichenberg zusammenhängt. Weitere Kapitel spielen dann auch in Reichenberg (tschechisch Liberec) im Jahr 1938. Nach und nach erschließt sich die Geschichte rund um Loretta, ihre Flucht, ihre Geheimnisse und ihr Trauma, und wie diese auch ihr neues Leben in Wien beeinflussen.
Schon ab der ersten Seite war ich direkt in der Geschichte angekommen und konnte das Buch nur noch schwer aus den Händen legen. Der Sprachstil, teilweise kurze und prägnante Sätze, passt sehr gut zu der Geschichte. Einzelne Sätze bestehen aus nur drei Wörtern – damit wird klar, dass Loretta wieder tief in ihren schlimmen Erinnerungen gefangen ist. Anni Bürkl zeichnet mit ihrer intensiven und bildgewaltigen Sprache ein spannendes Bild vergangener Zeiten.
Das von den vier Siegermächten besetzte Wien im Jahr 1946 und das an das Deutsche Reich angegliederte Reichenberg (tschechisch Liberec) im Jahr 1938 und die Vertreibung der Deutschen im Jahr 1945 aus Tschechien bilden die historischen Hintergründe des Romans. In Reichenberg ist Lorettas Vater Direktor eines Sanatoriums, in dem unter anderem auch sogenannte ‚Kriegszitterer‘ behandelt werden – aber auch Menschen, die in der Ideologie der Nationalsozialisten als „unwertes Leben“ eingestuft werden.
Anni Bürkl bettet ihre Geschichte perfekt in diese akribisch recherchierten Hintergründe. Sie zeigt, wie die Menschen damals lebten und welche Traumata Flucht und Vertreibung zu Tage bringen. Aber auch die Not nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist ein großes Thema – es fehlte an Allem: Wohnungen, Lebensmitteln, Medikamenten.

Fazit: Ein spannendes und intensives Buch, welches ich sehr gerne gelesen habe. Lorettas Geschichte werde ich so schnell nicht mehr vergessen und ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Teile der Reihe. Das Buch möchte ich allen empfehlen, die historische Romane lieben – vor allem für Fans von Brigitte Riebe (Teresa Simon) und Melanie Metzenthin könnte das Buch sehr interessant sein.

Ich muss allerdings noch etwas anmerken: Das Buch habe ich als eBook für meinen Tolino bekommen. Trotz verschiedenster Einstellungen auf dem Gerät, hatte ich Probleme mit der Darstellung des Textes. Wörter waren unlogisch getrennt und die Seitenzahlen standen mitten im laufenden Text. Da sollte eventuell noch einmal nachgebessert werden, da es mich stellenweise im Lesefluss etwas aufgehalten hat.

*Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst, muss aber als Werbunggekennzeichnet sein.

„Meine Freundin Lotte“

von Anne Stern

[Werbung*]

Erschienen am 01. August 2021 als eBook, erscheint am 17. August als gebundene Ausgabe im Rowohlt-Verlag

ISBN: 978-3463000268


https://www.rowohlt.de/buch/anne-stern-meine-freundin-lotte-9783463000268

Hinweise:
– Das Buch ist am 01. August 2021 als eBook erschienen und wird am 17. August als gebundene Ausgabe erscheinen.
– Alle angegebenen Zitate beziehen sich auf die Seitenzahl der gedruckten Ausgabe.
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Berlin, 1921: Lotte Laserstein will Malerin werden. Aber die Tore der Kunstakademie haben sich für Frauen gerade erst geöffnet. Und Lotte muss kämpfen – gegen die Ressentiments männlicher Lehrer und Kritiker und für ihre Leidenschaft, die Malerei. In der jungen Fotografin Traute findet sie eine Seelenverwandte, denn Traute ist mit ihrem Typus der Neuen Frau und ihrer Begeisterung für die Kunst das perfekte Modell für Lotte. Eine ganz besondere Beziehung entsteht. Bis die politische Situation in Deutschland für jüdische Künstlerinnen immer unerträglicher wird und Lotte schließlich fliehen muss.Kalmar, 1961: Es ist ein warmer Altweibersommer in Südschweden, den Lotte Laserstein und Traute Rose zusammen verbringen. Doch Vorwürfe und Missklang hängen zwischen ihnen, und schon bald brechen alte Wunden auf. Plötzlich können die beiden Frauen den drängenden Fragen nicht mehr entkommen. Sie müssen sich ihrer Vergangenheit stellen, in der es für sie einst um alles oder nichts ging – als Künstlerinnen und als Freundinnen.“

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Das Buch „Meine Freundin Lotte“ von Anne Stern erzählt die Geschichte der Berliner Künstlerin Lotte Laserstein, die sich in den 1920er Jahren als Malerin einen Namen machen möchte und in der jungen Fotografin Traute ihre Seelenverwandte und Muse findet.

Schweden im Jahr 1961: Traute besucht ihre Freundin Lotte, die seit einigen Zeit in der Nähe von Kalmar lebt. Weit abgeschieden und inmitten der Natur hat Lotte dort ihren Platz gefunden, nachdem sie Deutschland fluchtartig verlassen musste. Doch zwischen den einst besten Freundinnen und Seelenverwandten stehen viele unausgesprochene Dinge, denen sich die Beiden nun stellen müssen.
Im Jahr 1921 ist die junge Lotte Schülerin auf einer ‚Schule für Gebrauchskunst‘. Hier entwirft sie beispielsweise Muster für Tapeten. Glücklich und zufrieden macht sie diese Arbeit nicht und so bewirbt sie sich auf einer Kunstschule. Sie hat ein klares Ziel: Sie möchte sich ganz der Kunst verschreiben und Künstlerin werden. Als sie die Fotografin Traute kennenlernt, entsteht zwischen den beiden Frauen eine ganz eigene Beziehung: Traute wird Lottes Modell, aber nicht nur das: Die beiden werden zu Seelenschwestern. Doch die Lage wird in Deutschland für jüdische Künstler und Künstlerinnen immer unerträglicher – und somit muss sich auch Lotte entscheiden: Flucht oder Ausharren.

Das Buch „Meine Freundin Lotte“ von Anne Stern wurde von der Autorin in den sozialen Medien angekündigt und weckte direkt mein Interesse. Zum einen gehört Anne Stern zu meinen Lieblingsautorinnen – mit ihrer wunderbaren und bildhaften Sprache zieht sie mich mit ihren Geschichten immer wieder in den Bann. Zum anderen hatte ich bisher noch nichts von der Künstlerin Lotte Laserstein gehört und das Buch versprach, meinen Horizont zu erweitern.
Völlig unverhofft erreichte mich „Meine Freundin Lotte“ als Rezensionsexemplar, welches mich sehr überraschte aber auch unheimlich freute. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin Anne Stern und beim Rowohlt-Verlag für die Zusendung des Buches bedanken.

Ein Buch, in welchem die Hauptfiguren und auch viele Nebenfiguren historische Persönlichkeiten sind, machen für mich immer einen großen Lesegenuss aus. Es ist immer wieder schön, ihnen im Roman nahe zu kommen und den Menschen kennenzulernen, der sich in hinter dem Namen verbirgt.
Eine der Hauptfiguren ist Lotte Laserstein. Sie wurde im November 1898 im ehemaligen Preußen geboren, kam dann aber nach Berlin. Dort schloss sie im Jahr 1927 ihr Studium mit Auszeichnung bei Erich Wolfsfeld an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin ab – als eine der ersten Frauen.
Anne Stern zeichnet in ihrem Buch den Lebensweg dieser beeindruckenden Frau sehr authentisch und spannend nach. Der Leser/ die Leserin begleitet Lotte auf ihrem Weg zur Künstlerin und erfährt, wie sie ihre Seelenverwandte Traute gefunden hat. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus Lottes und Trautes Sicht geschrieben sind, kamen mir die beiden Frauen und ihre Freundschaft sehr nahe.
Lotte ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und alles für ihre Träume und Wünsche macht – auch wenn ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, das politische Klima ihr rau entgegen schlägt. Eine äußerst inspirierende Persönlichkeit und eine Figur, die mit ihrer Geschichte noch lange in meinem Kopf und Herzen nachhallen wird.
Ihre Freundin Traute mochte ich auch sehr. Auch sie ist eine Kämpferin, die sich nicht unterkriegen lässt. Im Roman hat sie schon sehr früh ihre Eltern verloren und machte selbst eine schwere Erkrankung durch.
Die Freundschaft der Beiden lässt sich am besten mit diesem Zitat beschreiben:

Ich glaube, wir sind ein Zopf, geflochten aus drei Strähnen – Lotte, die Kunst und ich. Ineinander verschlungen, untrennbar verwirrt, mit den Jahren immer struppiger, immer unlösbarer.“
[S. 52, Z. 27 – 30]

Sie sind zwar fest miteinander verbunden, allerdings stehen auch, Jahre nach Lottes Flucht nach Schweden, viele unausgesprochene Dinge zwischen ihnen. Unzertrennlich, aber innerlich doch getrennt.

Es spielen noch einige Figuren mit, die für die Handlung sehr wichtig sind. Hier sind allen voran Meta Laserstein, die Mutter von Lotte, zu nennen. Ihre Geschichte hat mich sehr mitgenommen und ihr warmherziger Charakter berührte mich sehr. Aber auch Lottes Schwester Käthe ist eine nennenswerte Figur, die zwar nur am Rande eine Rolle spielt, aber dafür eine Verbindung in die Vergangenheit von Lotte und Traute herstellt.
Jede Figur in diesem Buch hat Anne Stern wunderbare und einzigartige Charakterzüge gegeben – damit wurden viele historische Persönlichkeiten für mich lebendig. Ihre Handlungen und Denkweisen beschreibt die Autorin authentisch und eindringlich. Alle Figuren und ihre Geschichten werde ich so schnell nicht mehr vergessen.

Das Buch ist so aufgebaut, dass im Wechsel Traute und Lotte aus ihrem Leben erzählen. Erst erzählen Beide viel über ihre Gegenwart – 1961 in Schweden. Dort ist Traute mit ihrem Mann bei Lotte zu Besuch. Nach und nach erfährt der Leser dann, was in der Vergangenheit passiert ist, wie die Beiden sich kennengelernt haben. Dabei wird auch immer deutlicher, dass Lotte und Traute sich nicht alles direkt sagen. Beide sprechen sich zwar oft in ihren Erzählungen an, aber sie schaffen es nicht, sich diese Sachen persönlich zu sagen, die Dinge auf den Tisch zu legen. Der Leser/ die Leserin tritt somit zwischen die Beiden, erfährt von der einen Seite etwas, dann von der anderen Seite. Es gibt immer zwei Wahrheiten, die Medaille hat auch immer zwei Seiten.
Vierzig Jahre überspannt die Handlung des Buches. Anfang der 20er Jahre stehen Lotte zwar theoretisch viele Türen offen, praktisch lehnen aber noch viele Männer Frauen in der Kunst und im Studium ab.
Wie in ihren vorherigen Büchern hat mich Anne Stern mit ihrer wunderbaren und bildhaften Sprache direkt in die Handlung mit rein genommen. Ihre ausdrucksstarken Charaktere und der akribisch recherchierte historische Hintergrund lassen keine Wünsche offen. In diesem Buch ist jedes Wort ein Genuss und ich habe das Buch bewusst sehr langsam gelesen, um es auf mich wirken zu lassen.

Der geschichtliche Hintergrund bildet das Berlin in den 1920er/ 1930er Jahren – also die Anfangsjahre der Weimarer Republik. Noch immer schmerzte die Niederlage im Ersten Weltkrieg und auch die Reparationszahlungen fraßen sehr am Ansehen der Republik. Die Wirtschaft lag am Boden, der Staat druckte immer mehr Geld, was dann aber nichts mehr wert war – die Hyperinflation war im vollen Gange.
Nachdem die Rentenmark als neue Währung geschaffen wurde, ging es den Menschen wieder schlagartig besser – die Menschen suchten Trost und Ablenkung: Das war der Startschuss für die „Goldenen Zwanziger“. In dieser Zeit erschuf Lotte Laserstein einen Großteil ihrer Bilder.
Im Jahr 1933 entstand das Dritte Reich und das politische Klima wurde für viele Künstler – vor allem für jüdisch stämmige – immer schwieriger. Auch Lotte Laserstein und ihre Familie gerieten in den Fokus der Nationalsozialisten.

Fazit: Ein Buch, welches ich sehr genossen habe. Mit authentischen Charakteren und ihrer bildhaften Sprache ist Anne Stern ein ganz wunderbares und eindringliches Buch gelungen, welches ich noch lange in meinem Herzen tragen werde. Absolut lesenswert!

*Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Rowohlt-Verlag bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst, muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Der Nornen Knoten“

von Sylvia Koppermann

Erschienen am 10. Mai 2021 (überarbeitete Neuausgabe) , Self-Publishing

ISBN: 978-3754118504

https://www.sk-autorin.de/romane/sammelbaende/der-nornen-knoten/

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar (eBook) zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
„Schweden im 10. Jahrhundert. Die Leben der neugeborenen Ylvi und ihres vierzehnjährigen Halbbruders Bjarne, dem Jungen mit Down-Syndrom, der seine Kindheit als Sklave verbrachte, sind in Gefahr. Ihr Vater vertraut sie dem Honigmacher und dessen Frau an, wo sie, zusammen mit deren beiden Söhnen, aufwachsen. Doch die Ziehbrüder sehen vor allem Ylvis Aufnahme in die Familie unterschiedlich. Während der Jüngere, Tjark, Ylvi abgöttisch liebt und sich eine eigene Zukunft mit ihr erhofft, züngelt im Älteren, Leif, die wachsende Flamme der Eifersucht. Harte Schicksalsschläge und Intrigen, stellen Ylvi, Tjark und Bjarne vor scheinbar unüberwindliche Herausforderungen, die sie schließlich sogar voneinander trennen. Werden die Nornen ihre Lebensfäden erneut wieder miteinander verknoten?
Ein historischer Roman, der an faszinierende Orte, in einer Zeit religiöser und politischer Wandlungen führt. Die schicksalhaften und so unterschiedlichen Lebenswege der Protagonisten, zeigen deren Alltagsleben, aus einer anderen Perspektive, als sie heute oft ausschließlich mit den sogenannten Wikingern assoziiert wird. Lassen Sie sich mitnehmen, auf eine Reise in die Zeit und erleben packend, ebenso berührend, Stationen auf den Lebenswegen dreier Menschen. Lernen Sie real-historische Persönlichkeiten kennen und Charaktere, die man als Leser zu verabscheuen oder lieben, nicht umhin kommt.“

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Das Buch „Der Nornen Knoten“ spielt im Schweden des 10. Jahrhunderts und zeigt das Leben einer Sippe, welche immer wieder Höhen und Tiefen erlebt und gewährt damit einen spannenden Einblick in längst vergangene Zeiten.

Schweden im Herbst 960: Hofherr Fjodor liegt im Sterben, seine Zweitfrau Jarla in den Wehen. Doch er weiß, dass seine illegitimen Kinder nach seinem Tod in großer Gefahr sind. Also regelt er noch vor seinem Tod, dass sein Sohn Bjarne und seine neugeborene Tochter Ylvi zu seinem Freund Roald und dessen Frau Hjördis kommen. Bjarne, der aus einer Verbindung zwischen Fjodor und einer Sklavin entstammt, hat das Down-Syndrom. Das Leben hat es bisher nicht gut mit ihm gemeint – als Trottel verschrien muss er immer die schwersten körperlichen Arbeiten verrichten. Das ändert sich als er auf den Hof des Honigbauers Roald kommt. Hier ist er ein vollwertiges Mitglied der Sippe und lernt jeden Tag etwas Neues. Er schwört sich, immer auf seine Schwester Ylvi aufzupassen. Doch die Eifersucht von Leif, dem älteren Sohn von Roald und Hjördis, und die Vergangenheit drohen das zerbrechliche Glück der Halbgeschwister zu zerstören.

Auf das Buch bin ich im Juni 2021 in einer Facebook-Gruppe für historische Romane aufmerksam geworden. Hier wurde das Buch sehr gut besprochen und damit meine Neugier geweckt. Als die Autorin mir anbot, dass sie mir das Buch als Rezensionsexemplar zusenden könnte, musste ich nicht lange überlegen. Auch wenn ich bisher wenig bis gar nichts über diese Zeit und den historischen Kontext gelesen hatte, wollte ich das Buch unbedingt lesen und meinen Horizont erweitern.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin Sylvia Koppermann für das eBook, die wunderbaren Lesestunden und den lieben und ehrlichen Kontakt bedanken.

Ich möchte zuerst auf die vielfältigen Charaktere des Buches eingehen. Als ich das eBook öffnete und mehrere Seiten von Namen fand, dachte ich zuerst „Hilfe, wie soll ich mir die denn alle merken?“.
Diese Angst verstreute sich dann aber ganz schnell, nach dem ich das Buch begonnen hatte. Sylvia Koppermann hat wunderbare und einzigartige Figuren geschaffen, einige, die ich einfach nur gerne hatte, andere, die ich überhaupt nicht gemocht habe. Auch wenn es ‚Gut und Böse‘ gibt, die Bösen einfach nur böse sind und die Guten gut, wuchsen mir die Figuren sehr schnell richtig ans Herz. Bei einigen Szenen kämpfte ich mit den Tränen oder bekam eine Gänsehaut – so nahe kamen mir die Figuren mit ihren Geschichten, Gedanken und Taten. Auch wenn nur wenige historische Persönlichkeiten in dem Buch eine Rolle spielen, hat Sylvia Kppermann Figuren geschaffen, von denen man sich bei vielen wünscht, dass sie gelebt und die Welt schöner gemacht haben.
Allen voran Bjarne: Mit dem Down-Syndrom auf die Welt gekommen, bildet er den Mittelpunkt der Geschichte. Es war wunderschön, die Welt von damals auch durch seine Augen zu erleben. Seine Gefühle, seine Gedanken und seine Stärke werden mir für immer im Gedächtnis bleiben.
Aber auch Ylvi, Bjarnes Halbschwester, ist eine Figur, die ich nie vergessen werde. Auch wenn sie fällt, steht sie wieder auf und lässt sich nicht unterkriegen.
Die Honigbauern Roald und Hjördis mit ihren Söhnen Leif und Tjark, die völlig selbstlos die Halbgeschwister Ylvi und Bjarne aufnehmen, sind, wie fast alle Figuren in diesem Buch, fiktiv. Doch ihre Tätigkeit als Honigbauern beschreibt Sylvia Koppermann mit sehr viel Hintergrundwissen und auch die Zeichnung dieser Familie hat mir außerordentlich gut gefallen. Wie ich oben schon erwähnte: Man wünscht sich so sehr, dass es solche Menschen gab.
Und von diesen wunderbaren Figuren gibt es noch so einige: Alma, die Tochter eines befreundeten Schmieds, der Schmied Gunnmarr selbst und die komplette Sippe um ihn herum. Sie werden unvergessen bleiben.
König Erik Segersäll (Erik VIII. Der Siegesfrohe), ist eine historisch belegte Figur. Zusammen mit seinem Bruder Olof und dessen Sohn Styrbjörn der Starke zeigen die drei das Leben am schwedischen Hof im 10. Jahrhundert. Es gibt leider nicht viele Quellen, die einen Einblick in das Wesen von Erik gewähren – Sylvia Koppermann hat diese historische Figur wieder aufleben lassen und ihm eine schöne Lebensgeschichte geschrieben.
Auf mehr Figuren möchte ich nicht eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehmen würde.

Das Buch beginnt im Jahr 960 und endet im Jahr 1009. Fast 50 Jahre begleiten wir die Figuren in einer Zeit, als Schweden noch der nordischen Mythologie anhingen, das Christentum aber langsam den Weg in das Land fand. Ich muss gestehen, dass ich mich bisher nicht mit dieser Zeit beschäftigt habe, es war mir immer etwas zu dunkel und mystisch.
Sylvia Koppermann bietet mit ihrem Buch einen wunderbaren Einstieg in diese Zeit. Ihre akribische Recherche und auch die Begeisterung, die sie für diese Zeit hat, spürt man in jeder Zeile ihres Romans.
In den 50 Jahren, die wir die Menschen in diesem Buch begleiten, erleben wir Höhen und Tiefen – Schmerz und unfassbares Glück.
Der Sprachstil ist wunderbar leicht, detailliert aber niemals langweilig. Stellenweise wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen wollte, nasse Hände vor Aufregung bekam und nur noch weiterlesen wollte.

Fazit: Ein starker und beeindruckender Roman, der mir sehr viel Freude bereitet und meinen Horizont definitiv erweitert hat. Viele Charaktere werde ich nie wieder vergessen und eines ist klar: Dieses Buch wird auch als gedrucktes Buch den Weg in mein Bücherregal finden und noch einmal gelesen werden. Ein absolutes Highlight, welches ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Top, top, top!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Sylvia Koppermann als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst!

„Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“

von Julia Kröhn

Erschienen am 21. Juni 2021 im
Blanvalet-Verlag

ISBN: 978-3-7341-0964-5


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Alster-Schule-Zeit-des-Wandels/Julia-Kroehn/Blanvalet/e573964.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das Bloggerportal.de als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext [übernommen von der Buchrückseite]:
Hamburg 1930: Ein neuer Geist weht durch die Schulen der Weimarer Republik. Wo einst der Rohrstock regierte, erobern sich die Schüler den Stoff nun mit Kopf, Herz und Hand. Felicitas, die gerade eine neue Stelle als Lehrerin angetreten hat, ist beseelt von den Idealen der Reformpädagogik. Auch Turnlehrer Emil scheint ein Verbündeter zu sein, ist er doch heimlich in sie verliebt. Doch das bürgerliche Leben, das er anstrebt, scheint mit Felicitas‘ Freiheitswillen nicht vereinbar. Während die Kluft zwischen ihnen immer größer wird, ziehen auch am Horizont der Geschichte dunkle Wolken auf: Die Nazis ergreifen die Macht, und auf dem Schulhof weht die Hakenkreuzfahne. Felicitas und ihre Kollegen müssen eine Entscheidung treffen: Wollen sie zum Dienst am Führer erziehen? Oder ihren Idealen treu bleiben?“

Das Buch „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ von Julia Kröhn ist der erste Teil einer Reihe, welche zeigt, wie die Machtergreifung der Nationalsozialisten das Schulsystem verändert und den Alltag der Menschen beeinflusst hat.

Hamburg im März 1930: Felicitas, eine junge Lehrerin könnte nicht glücklicher sein. Sie hat eine Anstellung an einer Hamburger Schule bekommen. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer, da sie wenige Stunden nach Arbeitsbeginn auch schon wieder vor der Tür steht. Verzweifelt und völlig auf sich gestellt, versucht sie in Hamburg Fuß zu fassen. Über ihren ehemaligen Studienkollegen Emil, welcher Turnlehrer an der ‚Alster-Schule‘ ist, wird Felicitas an dieser Schule angestellt. Im Sinne der Reformpädagogik unterrichtet sie voller Hingabe ihre Schüler, findet damit Verbündete, aber auch Feinde im Lehrerkollegium.
Doch als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen und ihre Klauen auch in das Schulsystem eindringen, wird auch das Lehrerkollegium gespaltet. Zwischen Angst vor Bespitzelung aus den eigenen Reihen, die Entscheidung zwischen persönlichen Idealen und politischer Macht müssen Felicitas und ihre Kollegen ihren Weg finden. Und wegsehen kann Felicitas nicht.
Als dann auch noch Anneliese, Felicitas’ beste Freundin in Hamburg ankommt, macht es ihre privaten Probleme mit Emil und Kollege Levi nicht leichter – im Gegenteil.

Julia Kröhn ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Seit ich vor etwa eineinhalb Jahren das Buch „Riviera – Der Traum vom Meer“ und „Riviera – Der Weg in die Freiheit“ gelesen habe, ist meine Begeisterung und Bewunderung für Julia Kröhn noch einmal gestiegen. Sie erzählt Geschichten und Geschichten mit einer solchen Leichtigkeit, aber auch mit einer Authentizität und starken Charakteren, die mich immer wieder begeistern. Als „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ angekündigt wurde, war mein Interesse daher sofort geweckt. Über das ‚Bloggerportal von Randomhouse‘ bewarb ich mich um ein Exemplar und bekam es vom Blanvaet-Verlag zugeschickt – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für die Bereitstellung und Zusendung des Rezensionsexemplares.

Das stimmungsvolle Cover des Buches empfinde ich als sehr gelungen – ebenfalls der Titel. All das macht große Lust auf das Buch und die Geschichte.
Ein Wandel bedeutet immer etwas Neues – hier steht der Wandel für etwas Positives – die Reformpädagogik, aber auch für etwas Negatives: Der Wandel des Schulsystems unter den Nationalsozialisten.

In diesem Buch sind alle Charaktere, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, lebensecht und authentisch beschrieben. Sie haben ihre Ecken und Kanten und konnten mich des Öfteren mit ihren Handlungen und ihren Denkweisen überraschen.
Felicitas ist eine der Hauptfiguren in „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“. Sie ist beruflich sehr zielstrebig, dort weiß sie genau, was sie will und setzt sich auch durch. Privat liebt sie ihr ungebundenes Leben und genießt das Hamburger Nachtleben der 1930er Jahre. Als die Nationalsozialisten in den Schulalltag eingreifen und sich das politische Klima massiv verändert, möchte sie nicht wegschauen, stellt sich vor die Verfolgten. Das sie sich damit selbst in größte Gefahr begibt, sieht sie auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist es ihr aber egal. Sie lebt und kämpft für ihre Ideale. Julia Kröhn hat mit Felicitas eine äußerst interessante Figur geschaffen, an der sie zeigt, dass viele Menschen damals nicht wussten, wie sie den Nationalsozialisten gegenüber agieren sollen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Emil und Felicitas sind da ähnlich gestrickt, auch wenn sie völlig verschieden handeln. Die Beiden ziehen sich an, stoßen sich dann aber auch wieder ab. Er hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich, brach aus seiner Familie aus und findet im Sport seine Kraft und seinen Rückzugsort. Auch wenn er Felicitas heimlich liebt, kann er sich diese Liebe nicht eingestehen, rettet sie aber das ein oder andere Mal heimlich. Er möchte nicht auffallen, ist froh, wenn sich alles ohne sein Zutun regelt. Er agiert eher im Hintergrund, während Felicitas vorne steht. Emil ist ein sehr spannender und vielseitiger Charakter, ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm und seiner Geschichte im zweiten Teil weitergeht.
Anneliese ist Felicitas beste Freundin und das komplette Gegenteil von ihr: Sie wünscht sich ein sicheres Leben an der Seite eines Mannes, ein Heim und Kinder. Im Gegensatz zu Felicitas lässt sich Anneliese sehr leicht beeinflussen.
Levi, ebenfalls Lehrer an der Alster-Schule, ist eine meiner Lieblinge in diesem Buch. Auch wenn er immer wieder zu Fall gebracht wird, steht er immer wieder auf und lässt sich nicht unterkriegen.
Ich möchte nun nicht näher auf die vielen Charaktere eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme. Aber wie schon erwähnt: Diese Vielfältigkeit der Figuren, ihre anschaulichen Beschreibungen und ihre Authentizität haben mich sehr begeistert. Julia Kröhn zeigt die einzelnen Menschen in der Masse, wie unterschiedlich sie gehandelt und agiert haben: vom glühenden Nazi-Verehrer, vom Mitläufer, vom Widerstandskämpfer, den Menschen, die sich ihre Gedanken zu diesem System gemacht haben, zeigt sie aber auch die Verfolgten. Viele Charaktere und ihre Geschichten werde ich nie wieder vergessen.

Begeistert hat mich die mitreißende Erzählweise von Julia Kröhn. Mit ihrem bildhaften und poetischen Sprachstil hat sie mich ab der ersten Seite mit in die Geschichte hineingenommen. Sie beschreibt zum Beispiel das Hamburger Nachtleben so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, an Felicitas’ Seite zu tanzen. Aber auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten beschreibt sie sehr authentisch und erzählt dabei eindrucksvoll große Geschichte, dass der Leser/ die Leserin das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. Genau so müssen historische Romane geschrieben sein.

Ein großes Thema in diesem Buch ist die Reform der Schulen in der Weimarer Republik und die Veränderung des Schulwesens während des Nationalsozialismus. Wo vorher der Rohrstock zum Einsatz kam, gab es nun das Lernen in Gruppen, Ausflüge, das Unterrichten von Mädchen und Jungen und das Stärken der Persönlichkeiten der Kinder. Doch nicht alle Lehrer waren in dieser neuen Zeit angekommen.
Leider währte dieses Schulsystem nicht lange. Nachdem die Nationalsozialisten an der Macht waren, wurde alles dafür getan, diese Errungenschaften wieder abzuschaffen. Die Persönlichkeiten der Kinder sollte sich nicht ausprägen, sie sollten gleichgeschaltet denken und für den Führer und den Staat geformt werden. Vielen Kindern, die „nichtarischer Abstammung“ waren, wurden den Schulen verwiesen, Lehrer, die nicht im Gleichklang mitmarschierten und die entsprechenden Ideologien unterrichten, oder eben auch „nichtarisch’ waren, wurden entlassen und ihrem Schicksal überlassen.
Diese historischen Hintergründe hat Julia Kröhn akribisch recherchiert und bettet ihre Geschichte perfekt hinein.

Fazit: Mitreißend geschrieben, authentische und lebensechte Charaktere und ein ausgezeichnet recherchierter Hintergrund. Dieser Roman lässt keine Wünsche offen. Julia Kröhn ist eine der begabtesten Schriftstellerinnen, die ich kenne. Bildgewaltig und mit viel Hingabe für Geschichte und Geschichten erzählt sie über das Leben der Menschen in vergangenen Zeiten.
Ich freue mich schon so sehr auf den zweiten Teil, der am 16. August 2021 erscheinen wird.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst!

„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“

von Bettina Storks

Erschienen am 21. Juni 2021 im Aufbau-Verlag
ISBN: 978-3-7466-3797-6


https://www.aufbau-verlag.de/index.php/dora-maar-und-die-zwei-gesichter-der-liebe.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Bettina Storks und vom Aufbau-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.


Klappentext:
Dora und Pablo – eine leidenschaftliche Liebe, so besonders wie ihre Kunst. Paris, 1936: Die erfolgreiche Fotografin Dora ist das Herz des surrealistischen Kreises um André Breton und Man Ray. Dann begegnet die exzentrische junge Frau Pablo Picasso – und zwischen den beiden entfaltet sich eine so leidenschaftliche wie abgründige Liebe. Doras düstere Sinnlichkeit prägt fortan die Malerei Picassos, auch inspiriert sie ihn zu seinen ersten politischen Werken, allen voran „Guernica“. Doch er kann neben sich keinen anderen Künstler gelten lassen, und ihre kreative Entwicklung stockt. Immer größer werden die Konflikte. Bis Picasso der jüngeren Françoise Gilot begegnet – und Dora zur Kunst zurückfinden muss, um ihre Liebe zu vergessen … Eine herzzerreißende Liebe voll dunkler Abgründe zwischen zwei großen Künstlerpersönlichkeiten, von einer renommierten Autorin hervorragend recherchiert.“

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Das Buch „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ von Bettina Storks, zeigt das Leben von Dora Maar – der Muse und Geliebten von Pablo Picasso.

Der Prolog setzt im Jahr 1925 in Buenos Aires an: Hier lebt die junge Henriette Theodora Markovitch mit ihren Eltern und guten Verhältnissen. Zu ihrer Mutter hat sie eine nicht so gute Verbindung, dafür aber mit ihrem Vater. Dieser unterstützt ihre Träume und Wünsche.
Der erste Teil des Buches beginnt im Paris im Jahr 1928. Dora möchte Künstlerin werden, ihre Bewerbung an der Académie des Beux-Arts wird aber schroff abgewiesen, da sie eine Frau ist.
Dora gibt nicht auf und findet andere Wege, sich als Künstlerin ausbilden zu lassen und sich einen Namen zu machen – mit Fotografien und Fotomontagen.
Als sie eines Tages auf den berühmten Pablo Picasso trifft, möchte sie nur noch eines: Diesen Menschen und Künstler kennen und lieben lernen. Und auch Picasso findet in ihr seine Muse und Geliebte. Doch das Glück der Beiden, ihre leidenschaftliche und abgründigen Liebe, werden von dem aufziehenden Zweiten Weltkrieg überschattet.

Seit ich im Frühjahr 2021 das Buch „Klaras Schweigen“ von Bettina Storks gelesen habe, ist sie eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Mit ihren wunderbaren Geschichten, die einen den Alltag vergessen lassen, kann sie mich immer wieder begeistern. Als die Autorin ihr neues Buch „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ ankündigte, war klar, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Ich liebe die Bücher aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ des Aufbau-Verlags und eben auch die Bücher von Bettina Storks. Außerdem mag ich die Zeit, in der das Buch spielt und auch die Kunstszene dieser Zeit fasziniert mich sehr. Pablo Picasso ist fast jedem ein Begriff und auch den Namen Dora Maar hat man oft im Ohr. Umso gespannter war ich, diesen beiden Figuren näher zu kommen. An dieser Stelle bedanke ich mich bei der lieben Bettina Storks und dem Aufbau-Verlag für die Zusendung des Buches.

Eine der Hauptfiguren ist die Künstlerin Dora Maar. Aufgewachsen ohne finanzielle Sorgen wird sie allerdings als Kind des Öfteren ihren Wurzeln entzogen: Geboren wurde sie in Tours, verbrachte ihre Kindheit in Buenos Aires, von dort ging es nach Paris. Als Tochter eines österreich-ungarischen Botschafters, der selten Zeit für seine Familie hat, und einer Mutter, der sie nie etwas recht machen kann, muss Dora ihren Platz im Leben finden. Sie ist eine sensible und verletzliche Frau, die für ihre Kunst lebt, gleichzeitig aber auch stark und selbstbewusst ist. Als sie sich in den Kopf setzt, den berühmten Pablo Picasso zu treffen, setzt sie das auch durch.

Du bist nicht hysterisch, du fühlst nur viel intensiver als die meisten Menschen.“
[S. 191, Z. 6 und 7]

Für Picasso gibt sie ein Stück weit ihre eigene Kunst auf, bleibt aber trotzdem sich selbst und ihren Idealen treu.

Picasso selbst ist ein eher schwieriger Mensch.
Ein großer Künstler, der alles erreicht hat, was man in der Kunst erreichen kann, privat aber nie irgendwo angekommen ist und nie zufrieden ist, mit dem was er hat. Er ist sehr von sich überzeugt und bildet mit seiner selbstbewussten Art einen Gegenpol zu Dora, die sich erst noch als Künstlerin finden muss.
Trotz allen Unterschieden ziehen sich die Beiden an, oft hat man aber das Gefühl, dass Picasso Dora nicht auf Augenhöhe begegnet, sie zu ihm aufblickt. Trotzdem herrscht zwischen den Beiden eine große Anziehungskraft, eine ganz eigene Magie.

Picasso schien einer eigenen Klasse uns Kategorie anzugehören. Auf zahlreichen Ausstellungen hatte Theodora bereits seine Kunst bewundert. Ihr gefiel seine Farb- und Formgebung, und sie wusste nicht, warum, aber viele seiner Bilder erreichten ohne Umweg ihr Herz.“
[S. 29, Z. 20-24]

Ich möchte noch kurz auf die Eltern von Dora zurück kommen: Die Beiden leben ihrer Tochter keine glückliche Beziehung vor, da der Vater oft weg ist, schon fast vor seiner Frau flüchtet, da er von ihr immer wieder mit Vorwürfen überschüttet wird.
Dora steht seit jeher zwischen den Fronten, steht aber mehr zu ihrem lebensfrohen Vater, der sie auch finanziell immer wieder unterstützt. Ihrer Mutter kann sie nichts recht machen, muss sich immer wieder für ihren Lebensweg rechtfertigen. Der Vater nimmt sie so, wie sie ist, gibt ihr aber auch immer wieder Tipps und Lebensweisheiten mit auf den Weg, ihre Mutter nimmt ihr teilweise die Luft zum Atmen.
Des Weiteren spielen an der Seite von Dora und Picasso viele andere Menschen mit, einige berühmte Namen sind auch dabei. Allen, egal ob Haupt – oder Nebenfigur, haucht Bettina Storks Leben ein. Sie beschreibt die Menschen und die Zeit so authentisch, als wäre sie bei den Dinner des surrealistischen Kreises dabei gewesen und hätte den Gesprächen gelauscht. Sie gewährt uns einen intensiven Einblick in das Handeln, Fühlen und Denken der Menschen zu dieser Zeit. Mit diesem Buch kann man ein Blick in das private Leben des Pablo Picasso und der Dora Maar werfen und lernt nebenbei noch viele andere Größen der Kunstwelt kennen.

Die Sprache und der Stil von Bettina Storks konnte mich wieder ab der ersten Seite begeistern. Mit einer wunderbaren, eingängigen und detaillierten Sprache holte sie mich direkt ab und lies auf keiner Seite Langeweile aufkommen, teilweise wollte und konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen.
Mit viel Wissen rund um die Zeit, aber auch um die gesamten Kunstwerke, wie ihre Entstehung, hat Bettina Storks mich sehr begeistert. Man merkt, dass sie für die Kunst lebt und bringt dem Leser/ der Leserin diese Liebe mit großer erzählerischen Leidenschaft näher.

Die Haupthandlung ist die Verbindung und Liebe zwischen Picasso und Dora. Eine leidenschaftliche Liebe, aber auch leider sehr abgründig. Dora stellt ihre eigene künstlerische Entwicklung hinten an, lebt nur noch für Picasso und tut alles für seine Liebe – eine schlechte Basis. Ich denke schon, dass Picasso Dora sehr geliebt hat, aber nicht so sehr, wie sie ihn.
Ein weiterer, wichtiger Handlungsstrang ist der Umgang mit Kunst im erstarkenden Dritten Reich. Dies bildet auch den historischen Hintergrund des Buches.
Mit welch brutaler Macht, die Nationalsozialisten in das Leben der Menschen und Künstler eingedrungen sind und deren Leben verändert haben. Paris, die Hauptstadt der Kunstszene, wo sich eine Galerie an die nächste reihte, veränderte sich nach der Eroberung der Deutschen grundsätzlich.

Wie schmerzhaft es war, dass die Kunst auf einmal wie vom Erdboden verschwunden war. Die vielen Kunstgalerien, über deren Eingängen einst berühmte Namen wie Rosenberg, Kahnweiler, Wildenstein, Pierre oder Zak einladend in goldenen Lettern gethront hatten, waren von der Bildfläche verschwunden. Das Herz von Paris hatte aufgehört zu schlagen.“
[S. 243, Z. 3 – 8]

Fazit: Ein sehr starkes und authentisches Buch, welches mir Dora Maar, Picasso und deren Kunstwerke um einiges näher gebracht hat. Doras Geschichte werde ich nie vergessen und immer in meinem Herzen tragen. Dieses Buch solltet ihr euch nicht entgehen lassen – ich war so traurig, als die letzte Seite gelesen war. Top!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Aufbau-Verlag und der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.