„Die Hafenschwester – Als wir zu träumen wagten“

von Melanie Metzenthin

Erschienen am 09. September 2019 im Diana Verlag
ISBN: 978-3453292338
https://www.randomhouse.de/Paperback/Die-Hafenschwester-1-/Melanie-Metzenthin/Diana/e559086.rhd

Das Buch „Die Hafenschwester – Als wir zu träumen wagten“ von Melanie Metzenthin spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg zur Zeit der großeren Cholera-Epidemie.

Coverrechte: Diana Verlag

Im Jahre 1892 lebt die 14 jährige Martha im ärmlichen Gängeviertel in Hamburg. Ihre Familie ist nicht reich an Geld, dafür aber an Liebe. Ihre Eltern arbeiten viel, sind aber trotzdem für ihre Martha, ihre kleine Schwester und ihren Bruder da. Ein Familienidyll, von dem Marthas beste Freundin Milli nur träumen kann, sie wird von ihrem Vater an andere Männer verkauft.
In diese Welt bricht die Cholera unerwartet herein und zerreist Marthas Familie. Ihre kleine Schwester und ihre Mutter überleben die Cholera nicht, der Vater flüchtet sich in den Alkohol und Martha muss von nun an für die restliche Familie sorgen. Sie beginnt in dem Krankenhaus, in dem ihre Schwester starb, als Krankenwärterin zu arbeiten: Eine beschwerliche Arbeit, die sie sehr an ihre Grenzen bringt, aber sie verspürt auch den Wunsch mehr zu tun: Sie möchte den Menschen noch mehr helfen. So beginnt sie eine Ausbildung als Krankenschwester bei den Erika- Schwestern.
Währenddessen erhebt sich am Hafen Widerstand gegen die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Aber auch die Frauen beginnen für ihre Rechte zu kämpfen.
In all diesen Wirrungen verliebt sich Martha noch in einen Mann – was absolut gegen die strengen Regeln des Krankenhauses spricht und damit Martha alles kosten kann, was sie sich mühsam aufgebaut hat.

Melanie Metzenthin gehört mittlerweile zu meinen Lieblingsautorinnen. Auf Facebook berichtet sie immer über ihre neuen Schreibprojekte – als dann „Die Hafenschwester – Als wir zu träumen wagten“ angekündigt wurde, war mein Interesse gleich geweckt. Zum einen, weil ich ihre Bücher natürlich sehr gerne lese, aber auch das Thema Medizingeschichte. Ein sehr faszinierendes Thema, nicht immer leicht, aber trotzdem immer wieder packend. Ich freute mich riesig, als ich das Buch endlich in den Händen halten konnte und begann gleich es zu lesen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Diana Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

Martha ist ein wundervoller Charakter. Von der ersten Seite an habe ich sie ins Herz geschlossen. Sie strahlt eine Wärme aus, die sie für mich gleich zur Freundin werden lies. Was mir sehr gefallen hat, Martha ist keine Figur, der alles zufällt, die alles richtig macht – nein, sie macht auch Fehler. Sie ist verzweifelt, begeht eine ziemliche Dummheit und lässt sich allein von ihrem Herz leiten.
Eine andere starke Figur ist Marthas Mutter. Auch wenn sie nur einen relativ kurzen Auftritt hatte: Sie bleibt im Gedächtnis als eine tolle, starke Frau.
Marthas Vater lernen wir am Anfang der Geschichte als einen sehr liebevollen Vater kennen, im Laufe der Ereignisse stürzt er aber ab – und muss sich wieder mühsam hochkämpfen. Das schafft er mit Hilfe von Martha, aber auch er selber gibt sich nicht auf und kämpft für sich und seine Familie. Marthas beste Freundin Milli ist eine geschundene Seele: Von ihrem Vater an andere Männer verkauft, scheint ihr Leben nichts wert, der Platz am Rand der Gesellschaft besiegelt.
Alle Figuren in diesem Roman handeln so authentisch, jede besitzt Ecken und Kanten. Das machte es mir leicht, mich den Figuren nahe zu fühlen und tief in die Geschichte abzutauchen.

Das große Thema ist die Cholera-Epidemie in Hamburg im Jahre 1892: Die medizinische Versorgung der Bevölkerung war um diese Zeit sicher um einiges fortschrittlicher als noch Jahre davor, trotzdem aber für die unteren Bevölkerungsschichten absolut unzureichend. Hier wurde nicht der Mensch gesehen. Als Leser merkt man sehr schnell, wie sehr Melanie Metzenthin recherchiert hat, wie sehr ihr dieses Thema am Herzen liegt. Als Ärztin ist Melanie Metzenthin natürlich auch der Medizingeschichte eng verbunden.
Sie zeigt in ihrem Roman aber auch die gesellschaftlichen Strukturen zu dieser Zeit, die Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter und wie es schließlich zu dem großen Streik kam. Als Leser ist man immer mitten im Geschehen. Mit dem Streik der Hafenarbeiter erheben sich auch die Frauen aus den verschiedenen Gesellschaftsschichten, sie fordern mehr Rechte für sich, aber auch für ihre Familien.
Ein anderes großes Thema ist die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen. Marthas Freundin Milli ist in die Prostitution gezwungen worden, völlig unverschuldet, wird aber von der Gesellschaft geächtet.

„Die Hafenschwester – Als wir zu träumen wagten“ ist ein absolutes Highlight. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt. Das liegt an den vielschichtigen, lebensnahen Charakteren, aber auch an der Tatsache, dass Melanie Metzenthin gekonnt Fiktion und Geschichte zusammenführt. Das Buch hat eine ganz dichte Atmosphäre.
Die Sprache ist sehr lebendig, nie langweilig und nie platt. Ein ganz großes Lesevergnügen.

Fazit: Ein ganz besonderes Buch. Unbedingt lesen, es ist ein Highlight!

Bemerkung: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen. Es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst!

„Das Lied der Seiltänzerin – Königgreich- Preußen- Reihe Band 1“

von Anne Stern

Erschienen am 12. Juni 2019, Verlag Anne Stähr
ISBN: 978-3982091303
https://www.amazon.de/Lied-Seiltänzerin-Königreich-Preußen-Reihe-Band/dp/3982091306/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1561988778&sr=8-1

Das Buch „Die Lied der Seiltänzerin“ von Anne Stern zeigt die Suche des Findelkindes Leila nach ihren familären Wurzeln vor dem Hintergrund Berlins Ende des 18. Jahrhunderts.

Coverrechte: Verlag Anne Stähr

Das kleine Mädchen Leila rettet dem Sohn des Stadtphysikus Johann Christinan Brendel das Leben – als Dank, nimmt dieser das verletzte Kind bei sich auf. Woher Leila kommt und woher ihre Verletzungen stammen, kann niemand mehr sagen – auch Leila nicht.
Die Jahre vergehen und Leila beginnt als Magd im Hause Brendel. Sie muss viel arbeiten, ihr Lohn ist die Unterkunft und Verpflegung. Doch das einst vertrauliche Verhältnis zwischen Leila und dem Stadtphysikus wird immer mehr durch sein Verhalten erschüttert. Er möchte mehr von ihr, sieht nicht mehr das Kind in ihr. Auch die Frau von Johann Christian Brendel, Katharina, sieht in Leila eine Konkurrentin und macht ihr das Leben schwer.
Durch einen Auftrag kommt der Maler Nepomuk in das Haus Brendel – der Maler verfällt Leila sofort und sie wird seine Muse.
Bei dem Versuch Nepomuk als Maler am königlichen Hof zu etablieren trifft Leila auf den Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der sich in seiner Rolle als zukünftiger König nicht wirklich zurechtfindet. Der Kronprinz und Leila entdecken ihre Liebe zueinander.
Doch Leila wird nach wie vor von der Frage getrieben, wo sie her kommt, wo ihre familiären Wurzeln liegen. Immer wieder wird sie von Träumen heimgesucht, die sie sich nicht erklären kann.

Auf das Buch „Das Lied-Seiltänzerin“ von Anne Stern bin ich über die Facebook- Seite der Autorin aufmerksam geworden. Das Cover, und auch die Zeit in der das Buch spielt, sprangen mich direkt an und ich wollte es auf jeden Fall lesen.
Ich habe von der Autorin bereits „Die Frauen vom Karlsplatz. Auguste“ gelesen und war von dem Buch und dem Stil der Autorin sehr angetan. Als mich die Autorin fragte, ob ich ihr neues Buch als Rezension- Exemplar bekommen möchte, musste ich nicht lange überlegen. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin Anne Stern für das Buch und die liebevolle Signierung.

Die Figuren in diesem Buch sind sehr fein gezeichnet. Vor allem die Hauptfigur Leila hat es mir sehr angetan: Sie umgeben so viele Geheimnisse, aber man merkt schnell, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Sie träumt sehr oft vor sich hin, hinterfragt aber auch mal einige Dinge kritisch und verstellt sich nicht. Einfach eine sehr sympathische, lebensechte Figur mit Ecken und Kanten.
Auch zu den anderen Figuren fand ich sehr schnell einen Draht – auch wenn es teilweise Figuren waren, die nur am Rande mitwirken (wie z.B. die Köchin Barbara, Frau Herz oder der Sohn im Hause Brendel).
Der Stadtphysikus ist ein eher schwieriger Charakter – anfangs fand ich ihn äußerst sympathisch, doch durch seine Handlungen im Verlauf der Geschichte machten ihn sehr unsympathisch.
Seine Frau Katharina toppt ihn allerdings noch in Sachen Unsympathie. Irgendwie kann man sie ja verstehen, aber halt auch wieder nicht. Sie führt ein eigentlich schönes Leben – ist damit aber überhaupt nicht zufrieden.
Der Maler Nepomuk ist ebenfalls äußerst lebensecht beschrieben. Er durchlebt Tiefen, dann Höhen und hofft auf ein so viel besseres Leben.
Als absolut erwähnenswert finde ich den Charakter des Kronprinzen Friedrich Wilhelm: Ein sehr starker Charakter, welcher äußerst fein dargestellt wurde. Ein unerwünschter, sensibler Sohn, der mit sich und seinem zukünftigen Leben hadert und seinen Platz neben dem Vater sucht, seinen Vater aber auch gleichzeitig verachtet. Er ist kein Dummkopf, sondern auf der Suche nach individueller Freiheit, die er am Hofe und zwischen den Buchdeckeln nicht findet.

Das große Thema in diesem Buch ist die Suche nach den Wurzeln, aber auch die Suche nach sich selbst.
Der Leser begleitet Leila, steht mit ihr zusammen vor diesem großen Rätsel ihrer Herkunft und versucht dieses Rätsel Stückchen für Stückchen zu lösen. Anfangs war ich etwas verwirrt – aber genau so verwirrt ist Leila auch.
Das andere große Thema in diesem Buch ist der Umgang mit dem „fahrenden Volk“ Ende des 18. Jahrhunderts in Preußen. Wie diesen Menschen damals das Leben schwer gemacht wurde, oder ihnen sogar das Leben genommen wurde, nur weil ihr Lebensstil anders war. Dieses Thema empfand ich als sehr bedrückend, aber die Autorin hat es trotz allem gut und vor allem authentisch dargestellt.

Anne Stern hat einen sehr lebendigen Schreibstil, teilweise war es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die letzten Seiten las ich noch bis spät in die Nacht. Die Autorin hat viel und gut recherchiert – das merkt man dem Buch an. Da steckt viel Herzblut drin, außerdem merkt man, wie wichtig ihr es war, diese Geschichte zu erzählen.
Die Träume von Leila zwischen den Kapiteln ließen Anfangs viele Fragezeichen in meinem Kopf zurück – nach einiger Zeit lösten sich diese aber.
Das Buch hat nicht mal 300 Seiten, hat aber eine so dichte Atmosphäre. Teilweise hatte ich das Gefühl, mit Leila durch die Stadt zu streifen und den Staub Berlins auf meiner Zunge zu spüren.
Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Historische Romane aus dieser Zeit sind momentan nicht sehr oft zu finden – ich bin sehr froh, dass ich diesen hier gefunden habe. Es lohnt sich so sehr!

Fazit: Ein Buch mit authentischen, liebenswerten Figuren (vor allem die Hauptfigur) und ganz viel Atmosphäre. Ein ganz wunderbares Buch – ich habe es sehr gerne gelesen und lege es euch sehr ans Herz!

Bemerkung: Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin bekommen – es hat aber meine Meinung nicht beeinflusst.

„Gut Greifenau – Abendglanz“

von Hanna Caspian

Erschienen am 02. November 2018 bei Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-52150-2
https://www.droemer-knaur.de/buch/9595001/gut-greifenau-abendglanz

Das Buch „Gut Greifenau – Abendglanz“ von Hanna Caspian ist der Auftakt der Trilogie um das fiktive Gut Greifenau in Pommern und beschreibt die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Coverrechte: Droemer Knaur

Die Handlung beginnt direkt mit dem Tod des alten Gutsherrn Donatus von Auwitz-Aarhayn, welcher im Wald verunglückte. Mit dem Tod steigt bei allen Bewohnern die Angst vor Veränderungen, die durch seinen eher unfähigen Sohn Adolphis von Auwitz-Aarhayn anstehen werden.
Katharina, die jüngste Tochter von Adolphis leidet unter ihrer Mutter Feodora – diese ist sehr dominant und möchte ihre Tochter Katharina unbedingt in die höchsten gesellschaftlichen Kreise verheiraten. In einem Neffen des Kaisers sieht die Mutter den geeigneten Kandidaten für ihre Tochter und setzt nun alles in Bewegung, damit diese Hochzeit auch stattfindet. Das Katharina unglücklich und der Neffe des Kaisers ein Scheusal ist, interessiert sie nicht.
Aber nicht nur Katharina leidet in der ihr zugeteilten Rolle, auch ihr ältester Bruder Konstantin ist mit seiner Rolle unzufrieden: Er hält seinen Vater für unfähig das Gut zu leiten – wie gerne wäre er Gutsherr, er würde so vieles ändern und verbessern. Und dann verliebt sich Konstatin auch noch in die Dorfschullehrerin.

Ich habe von Hanna Caspian schon das Buch „Die Kirschvilla“ gelesen und fand dieses Buch sehr lesenwert. Als die Autorin die Trilogie „Gut Greifenau“ ankündigte, war mein Interesse gleich geweckt. Ich liebe mehrbändige Buchreihen, ich mag die Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg sehr. Es ist noch dieses Stückchen „Heile Welt“, bevor die großen Kriege die Welt für immer verändern.

Hanna Caspian hat an Figuren in und um das Gut Greifenau nicht gespart. Anfangs war ich etwas überfordert mit den ganzen Figuren und Namen, wer ist nochmal wer, wer jetzt der Sohn usw. – hier hat die Autorin aber durch ein ausführliches Personenregister vorgesorgt.
Die Hauptfiguren, aber auch die vielen Nebenfiguren, werden sehr liebevoll beschrieben und bringen ab der ersten Seite ihre Geheimnisse mit in die Geschichte. Diese Geheimnisse, die immer mehr werden, haben mich immer weiter lesen lassen. Die Figuren haben nicht nur Geheimnisse, sie tragen auch innere Konflikte aus – überlegen sich, wie sie die Situation am Besten lösen können. Somit sind wirklich alle Figuren in dem Buch sehr lebensnah und authentisch beschrieben. Ich schloss viele direkt ins Herz und fieberte mit ihnen mit.
Doch es gibt nicht nur liebenswerte Figuren auf Gut Greifenau, es gibt auch welche, die ich ab und zu gerne geschüttelt und angeschrien hätte. Allen voran Feodora, die Mutter von Katharina und Konstantin. Wenn man sie überhaupt als Mutter bezeichnen kann. Sie ist so grausam, so bestrebt das „Beste“ für ihre Kinder zu wollen, möchte aber eigentlich nur das Beste für sich. Ihre konservative Denk- und Sichtweise ist so furchtbar anstrengend.
Konstatin und seine Schwester Katharina hingegen stehen und handeln gegen alles Konservative. Sie möchten beide ausbrechen, ihren Herzen folgen, nicht mehr der Denkweise ihrer Mutter.
Aber wie schon oben angedeutet: Besonders unterhaltsam fand ich die vielen (liebenswerten) Nebenfiguren.

Die Themen sind sehr vielseitig und geben einen guten Überblick über die Gesellschaft und die Denkweise im frühen 20. Jahrhundert. Es deutet sich aber auch zusätzlich der gesellschaftlichen Umbruch an, der sich unaufhaltsam nährte: Der Adel hatte zwar noch immer eine große Macht, diese Machtstellung wurde aber durch Industielle, sogenannte „Neureiche“ immer weiter gefährdet. Konstatin und Katharina stehen dafür, wie sehr die Gesellschaft im Umbruch war, sie möchten sich eben nichts mehr vorschreiben lassen – sie möchten etwas ändern und ihr Leben führen. Konstatin kämpft für bessere Arbeitsbedingungen der Bauern und um den technischen Fortschritt, aber auch für sein persönliches Glück.
Im Gutshaus selber existierten zwei Welten: Die der Gutsfamilie und die Welt des Personals. Das Personal schwangt immer zwischen Ausbeutung aber auch Sicherheit. Sie bilden eine eigene kleine Familie. Zwar stehen sie unter dem Schutz des Gutsherrn, aber die Arbeitsbedingungen sind aus heutiger Sicht undenkbar: Nie wirklich Feierabend, wenig Freizeit und Fehltritte konnten hart bestraft werden.
Aber auch der Stand der Frau in der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts ist ein großes Thema in „Gut Greifenau – Abendglanz“. Wie wenig durfte eine junge Frau mitreden, wenn es um ihre Zukunft ging. Die Frau musste das tun, was man als das Beste für die Familie erachtete. Wie es ihr damit erging – das zählte nicht.
Ein weiteres Thema ist der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es wird klar, warum es dazu kam, wie die Menschen darüber dachten und wie sie in den Krieg mit reingezogen wurden und damit auch ihre persönlichen Welten auseinanderbrachen.

Die Sprache und der Stil von Hanna Caspian sind so lebendig und mitreißend – es kam auf wirklich keiner Seite Langeweile auf. Die Menge an vielschichtigen Figuren, ihre Geheimnisse und Geschichten haben mich immer weiter lesen lassen und teilweise verfolgten mich ihre Geschichten noch bis in die Träume. Ich freute mich immer wieder, wenn ich endlich weiter lesen konnte und wollte dann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Überraschende Ereignisse und die vielen spannenden Themen machen das Buch zu einem wahren Lesegenuss.

Fazit: Klare Leseepfehlung! Unterhaltsam und sehr lehrreich mit Figuren, die ans Herz wachsen. Auf gehts zum zweiten Teil der Reihe.

„Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben“

von Marie Lacrosse

Erschienen am 15. April 2019 im Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442205554
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Weingut-Aufbruch-in-ein-neues-Leben/Marie-Lacrosse/Goldmann/e536390.rhd

Im zweiten Teil der mitreißenden „Weingut-Saga“ beschreibt Marie Lacrosse die Zeit und die Veränderungen im Elsass nach dem Deutsch-Französischen Krieg.

Coverrechte: Goldmann Verlag

Da der zweite Teil genau da anfängt, wo der erste Teil endet, war ich gleich wieder in der Geschichte angekommen.
Das ehemalige Dienstmädchen Irene bringt ihren kleinen Sohn zur Welt – fernab ihres Geliebten Franz. Sie glaubt Franz für immer verloren, da ihre Liebe verboten ist. Um sich und ihren kleinen Sohn zu ernähren, muss sie sich in einer Textilfabrik verdingen – dort herrschen furchtbare Arbeitsbedingungen und Irene muss bis zur totalen Erschöpfung 16 Stunden am Tag arbeiten. Auch mit der Sicherheit in der Fabrik steht es nicht zum Besten, immer wieder kommt es zu dramatischen Unfällen. Da regt sich unter den Arbeiterinnen und Arbeitern Widerstand gegen den Fabrikherren. In diesen Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen lernt Irene den Arbeiterführer Josef kennen –er gibt ihr Geborgenheit und Kraft. Doch noch immer überschattet ihre Liebe zu Franz diese neue Beziehung, Irene kann ihn einfach nicht vergessen.
Franz ist nach dem Krieg versehrt auf das Weingut zurückgekehrt. Auch wenn das Elsass nun dem Deutschen Kaiserreich zugefallen ist, fühlt Franz sich nach wie vor als Franzose. Sein Vater tut alles dafür, dass es absolut geheim bleibt, dass Franz im Krieg auf Französischer Seite gekämpft hat, da er um die Zukunft des Weinguts bangt. Franz möchte nun in das Weingut einsteigen, um sich eine Zukunft aufzubauen.Doch auch Franz hat Irene nicht vergessen.
Auch die Mutter von Franz ist in einer ausweglosen Situation gefangen: Ihr Mann hat sie in eine Irrenanstalt gebracht. Dort erlebt sie die Grausamkeiten, mit denen psychisch kranke Menschen im 19. Jahrhundert behandelt wurden. Aber auch der Anstaltsleiter scheint mit ihrem Mann gemeinsame Sache zu machen.

Endlich hatte das Warten ein Ende – endlich konnte ich den zweiten Teil der „Weingut-Saga“ in den Händen halten. Auch wenn ich noch einige ungelesene Bücher hier stehen habe – sie alle mussten warten. Ich musste das Buch einfach direkt lesen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es mit den Protagonisten weiter geht.

Wie im ersten Teil beschreibt Marie Lacrosse ihre Figuren wieder sehr intensiv und lebensnah. Viele Figuren (vorallem Irene) habe ich sehr ins Herz geschlossen, sie ist eine so starke Persönlichkeit – eine Frau, die man sich als Freundin an seine Seite wünscht. Sie kämpft nicht nur für ihr persönliches Glück – sondern auch gegen die fürchterlichen Lebensumstände der Menschen in ihrem Umfeld. Sie schaut nicht weg.
Es kommen aber auch einige neue Figuren hinzu – nicht nur gute, sondern auch teils sehr unsympathische Personen.
Die von Marie Lacrosse geschaffenen Personen bilden ein gutes Bild der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ab.

Der Stil des Buches ist äußerst packend: Es fiel mir teilweise so unendlich schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Hier wird Geschichte so lebendig, so lebensnah rübergebracht.
Marie Lacrosse hat eine absolut beeindruckende Sprache: Mit dieser Sprache schafft sie es schreckliche Lebensumstände zu beschreiben, aber auch immer viel Hoffnung und Zuversicht mitschwingen zu lassen.

Die großen Themen in diesem Buch sind der Weinbau, vorallem aber die grausamen Arbeitsbedingungen in Fabriken und der Umgang mit psychisch-kranken Menschen im 19. Jahrhundert. Zu diesen großen Themen hat die Autorin sehr viel und intensiv recherchiert – das merkt man.
Ich habe mich sehr gefreut, dass in diesem Teil der Weinbau eine größere Rolle gespielt hat als im ersten Teil.
Das Thema Industrialisierung und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken machen einen Großteil des Buches aus. Hier musste ich beim Lesen teilweise sehr schlucken. Es ist heutzutage (zumindest in der westlichen Welt) einfach unvorstellbar, wie hart das Leben der Menschen damals war, wie sehr sie unter den Fabrikherren litten und vor allem was diese Herren sich rausnehmen konnten. Wenn ich mir vorstelle, dass es in vielen Ländern auf dieser Erde noch immer in Fabriken so zugeht, wird es mir anders…
Aber auch die Beschreibungen zum Umgang mit psychisch-kranken Menschen haben mich sehr oft fassungslos zurück gelassen. Marie Lacrosse beschönigt hier nichts.

Fazit: Ganz klare Leseempfehlung! Authentische und packende Handlung mit vielschichtigen Figuren. Ein ganz besonderes und beeindruckendes Buch.
Ich freue mich schon so sehr auf den dritten Teil, der im September 2019 erscheinen wird.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag Goldmann bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

Hier findet ihr die Rezension zum ersten Teil: „Das Weingut – In stürmischen Zeiten

„Die Fotografin – Am Anfang des Weges“

von Petra Durst-Benning

Erschienen am 10. September 2018 im Blanvalet Verlag
ISBN: 978-3-7645-0662-9
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Fotografin-Am-Anfang-des-Weges/Petra-Durst-Benning/Blanvalet-Hardcover/e540225.rhd


Das Buch „Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ von Petra Durst-Benning beschreibt den Werdegang einer jungen Frau im Jahre 1911, die sich jeglichen gesellschaftlichen Konventionen widersetzt und Fotografin wird.

Coverrechte: Blanvalet Verlag

Minna Reventlow, genannt Mimi, ist eine Pfarrerstochter aus Esslingen. Sie ist ganz anders als die Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts: Sie hat keine Lust auf Hochzeit, Haushalt und Familie. Ihre Leidenschaft ist die Fotografie, sehr zum Leidwesen ihrer konservativ eingestellten Mutter. Ihr Onkel, der ein Fotoatelier in der kleinen Leinenweberstadt Laichingen besitzt, bestärkt Mimi in ihrem Wunsch Fotografin zu werden.
Mimi kauft sich eine Fotoausrüstung und wird zu einer Wanderfotografin – sie bereist nun das ganze Land und schenkt den Menschen mit ihren Fotografien Schönheit. Es ist anfangs kein leichter Weg für Mimi – aber sie geht ihn.
Doch dann erkrankt ihr Onkel und Mimi hängt ihr ‚Wanderfotografin- Dasein‘ erst mal an den Haken und reist zu ihrem Onkel nach Laichingen. Dort übernimmt sie das Atelier, eckt aber bei der teils bitterarmen Bevölkerung mit ihren neuen Ideen und ihrer Freiheit als Frau an. Aber auch in den höheren Kreisen der Bevölkerung macht sie sich nicht nur Freunde.

Petra Durst-Benning ist seit vielen Jahren eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Im Jahr 2009 habe ich zum ersten Mal ein Buch von ihr gelesen – seit dem freue ich mich auf jede Neuerscheinung aus ihrer Feder.
Als „Die Fotografin – Am Anfang des Weges“ angekündigt wurde, war eigentlich schon klar, dass ich es lesen werde: Das 20. Jahrhundert interessiert mich momentan doch sehr, außerdem liebe ich das Thema Fotografie. Und als dann noch klar war, dass es nicht ein Einzelband sein wird, sondern der Auftakt zu einer Reihe, war ich außerordentlich glücklich. Ich lese sehr gerne Reihen, da die Charaktere und die Handlung sehr viel mehr Zeit haben, sich zu entfalten.

Die Figuren des Buches sind sehr fein gezeichnet – jede von ihnen hat ihre Ecken und Kanten. Mimi wurde mir sehr schnell sympathisch, ich hatte nach den ersten Seiten schon das Gefühl eine neue Freundin gefunden zu haben. Man merkt als Leser schnell, das Mimi so ganz anders ist als Frauen zu dieser Zeit sein sollten. So bekommt sie im ersten Kapitel einen Heiratsantrag. Doch anstatt zu strahlen und vor Glück zu juchzen, geht Mimi auf Abstand: Hochzeit? Familie? Haushalt? Nichts für Mimi. Eine starke Figur, die auch Rückschläge einstecken muss und auch lernt mit diesen umzugehen.
Aber auch die anderen Charaktere, die um Mimi agieren, schloss ich schnell ins Herz: Ihren liebenswerten Onkel, ihre etwas nervige Mutter. Manchmal rollte ich innerlich auch die Augen über das Verhalten und die Sichtweise der ein oder anderen Figur.
Und genau das liebe ich an den Figuren, die Petra Durst-Benning schafft: Nach nur wenigen Sätzen hat man das Gefühl, dass man sie schon ewig kennt, aber trotzdem noch Neues über sie erfährt. Sie wirken absolut lebensecht.
Ganz besonders positiv ist mir die Figur Eveline in Erinnerung geblieben: Eine arme Frau, die mit ihrer Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen in Laichingen wohnt. Eveline strahlt trotz der Armut eine Herzlichkeit aus und sie verliert nicht den Mut jeden Tag aufs Neue zu beginnen und für ihre Kinder da zu sein.
Natürlich gibt es auch den Bösewicht – diesen möchte man gerne ab und zu schütteln und ihn anschreien, wie ungerecht er doch ist.

Zum Stil ist zu sagen: Toll, einfach toll. Petra Durst-Benning versteht es prima, eine spannende Handlung vor einen absolut gut recherchierten historischen Hintergrund zu packen. Ihre lebendige Sprache ließ mich eine Seite nach der anderen lesen – und es kam nicht einmal Langeweile auf. Außerdem merkt man, wie sehr das Thema Fotografie die Autorin fasziniert und wie gut sie recherchiert hat. Diese Faszination gibt sie dann an den Leser weiter.
Dazu wird deutlich, wie schwer es Frauen im Jahre 1911 in der Gesellschaft hatten: Von Gleichberechtigung und einem selbstbestimmten Leben der Frauen war man ganz weit entfernt. Frauen, vor allem die, die aus dem Schema ausbrachen, hatten es alles andere als leicht. Doch Mimi lässt sich davon nicht unterkriegen.
Aber auch das Leben der ärmeren Bevölkerungsschicht zeigt Petra Durst-Benning auf. Es wird deutlich, wie entbehrungsreich viele Familien Anfang des 20. Jahrhunderts leben und arbeiten mussten und wie Fabrikarbeiter ihrem Arbeitgeber ausgesetzt waren.

Fazit: Sehr authentisch, große Gefühle und eine perfekte Recherche zu dem spannenden Thema Fotografie. Dazu ein wunderschönes Cover. Eine absolut empfehlenswerte Lektüre für alle, die gerne ins 20. Jahrhundert abtauchen möchten.

Ich freue mich so sehr auf den zweiten Band, der im April 2019 erscheint!

„Das Weingut – in stürmischen Zeiten“

von Marie Lacrosse

Erschienen am 23. Juli 2018 im Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-20554-7
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Weingut-In-stuermischen-Zeiten/Marie-Lacrosse/Goldmann/e536310.rhd

Anhand einer mächtigen Weinhändler-Familie im Elsass und ihres Dienstmädchens beschreibt das Buch „Das Weingut- In stürmischen Zeiten“ von Marie Lacrosse die Zeit vor und während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/1871.

Coverrechte: Goldmann Verlag

Der Prolog des Buches beginnt im Jahre 1851 in Heidelberg in einer Gebäranstalt: Hier erblickt Irene das Licht der Welt, aber eine glückliche und unbeschwerte Kindheit steht ihr nicht bevor: Direkt nach ihrer Geburt wird Irene ins Waisenhaus verbracht. Ihrer Mutter wird es verwährt ihr Kind zu sehen.
In einem Waisenhaus in Speyer setzt dann das erste Kapitel an, hier lebt Irene und ist immer wieder dem Spot der anderen Kinder ausgesetzt. Doch ihr Leben soll sich schon bald ändern: Sie wird als Dienstmädchen im Herrenhaus des Weinhhändlers Wilhelm Gerban in Weißenburg angestellt. Dort lernt sie auch dessen Sohn Franz kennen, welcher an die Ideale der französischen Revolution glaubt und sich damit immer wieder Ärger einhandelt. Irene und Franz verlieben sich ineinander, doch ihre Liebe ist immer wieder Intrigen ausgesetzt. Aber auch ihre gesellschaftlichen Stände stehen ihnen im Weg. Irene beschäftigt zusätzlich noch die Frage, wo ihre familiären Wurzeln sind.
Und dann bricht der Deutsch-Französiche Krieg aus, welcher das Leben der beiden Liebenden für immer verändern wird.

Als das Buch „Das Weingut – in stürmischen Zeiten“ angekündigt wurde, war mein Interesse sofort geweckt. Zum einem der Schauplatz im Elsass auf einem Weingut aber auch der Deutsch-Französische Krieg als geschichtlicher Hintergrund. Über diese kriegerische Auseinandersetzung in den Jahren 1870/ 1871 findet man selten historische Romane.
Da es sich bei dem Namen Marie Lacrosse um ein Pseudonym der Schriftsellerin Marita Spang handelt, deren Bücher ich sehr gerne lese, musste ich dieses Buch unbedingt lesen.

Marie Lacrosse beschreibt ihre Figuren sehr genau: Ihre Gedanken und Gefühle werden gleich greifbar, ich konnte sofort eine Beziehung zu den Figuren aufbauen – einige wurden zu Freunden, andere wollte ich einfach nur schütteln, den ein oder anderen konnte ich schwer einschätzen. Anhand der Figuren zeigt Marie Lacrosse, wie zerrissen die Gesellschaft zu dieser Zeit, wie groß das gesellschaftliche Gefälle war: Da ist die reiche, mächtige Familie und ganz unten steht das Dienstmädchen Irene.
Deutlich wird aber auch wie die Ideale der Französichen Revolution bei einigen Menschen Anklang gefunden und damit Hoffnungen auf einen gesellschaftlichen Umbruch gemacht haben.

Der Stil des Buches ist absolut packend. Das fängt schon mit dem Prolog an, welcher mich nicht mehr loggelassen hat. Ich musste immer weiter lesen, die Geschichte nahm immer mehr an Tempo auf. Marie Lacrosse hat eine sehr bildliche Sprache, ich hatte keine Probleme mir diverse Gebäude und Landschaften vorzustellen.
Man merkt, wie intensiv Marie Lacrosse die Verhältnissen in Herrenhäusern zu dieser Zeit recherchiert hat, aber auch wie sehr sie sich mit den Themen Krieg und Weinbau auseinandergesetzt hat.
Die absolute Abhängigkeit des Dienstpersonals (vor allem der Dienstmädchen) von ihren Herrn wird sehr deutlich. Mit einer romantischen Verklärung hat man es in diesem Buch nicht zu tun.
Das Kriegsgeschehen auf den Schlachtfeldern lässt sie nicht aus, es wird teilweise sehr ausführlich beschrieben, was damals passierte. Sie zeigt welche Grausamkeiten einzelne Soldaten, aber auch die Zivilbevölkerung, durchleben mussten. Teilweise hatte ich beim Lesen die Tränen in den Augen, manchmal konnte ich auch nur den Kopf über die Grausamkeiten zu dieser Zeit schütteln. Es gab Momente, da musste ich das Buch kurz zur Seite legen, durchatmen und mir bewusst machen in welch friedlichen Zeiten wir heute leben.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass ich gerne etwas mehr über den Weinbau gelesen hätte. Das Thema kommt leider etwas kurz.

Fazit: Authentisch, teilweise sehr grausam, aber es gibt auch wunderschöne Szenen. Ganz klare Leseempfehlung!

Ich freue mich auf den zweiten Teil, der im April 2019 erscheint.

Hier findet ihr die Rezension zum zweiten Teil: „Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben

„Die Schokoladenvilla“

von Maria Nikolai

Erschienen am 08. Oktober 2018 im Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10322-6
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Schokoladenvilla/Maria-Nikolai/Penguin/e542481.rhd

Das Buch „Die Schokoladenvilla“ von Maria Nikolai spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in Stuttgart und zeigt, wie schwer es die Frauen in dieser Zeit in der Gesellschaft hatten und wie abhängig sie von Männern gemacht wurden.

Coverrechte: Penguin Verlag

Stuttgart 1903: Judith, die älteste Tochter eines Schokoladenfabrikanten, führt ein sorgenfreies Leben: Sie lebt mit ihrem Vater und ihren Brüdern in einer Villa in Degerloch. Ihr größter Wunsch ist es, einmal die Schokoladenfabrik zu führen, voller Leidenschaft widmet sie sich neuen süßen Kreationen und arbeitet neue Geschäftideen aus. Doch ihr Vater hat andere Pläne und handelt eine gesellschaftlich günstige Hochzeit aus – mit einem Mann, den Judith nie lieben könnte. Damit sind ihre Träume und Wünsche, die Schokoladenfabrik zu leiten, dahin. Doch Judith kämpft weiter für ihre Träume, und plötzlich tritt ein weiterer Mann in ihr Leben: Victor Rheinberger. Dieser möchte sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen.

Dieses Buch war ein absolutes „Muss-ich-unbedingt-jetzt-sofort-lesen-Buch“: Ein historischer Roman und dann auch noch das Thema Schokolade. Einfach perfekt.
Das Cover hat mich direkt verzaubert: Wunderschöne Details wie z.B. glitzernde Schneeflocken machten gleich Lust auf das Buch.Und ich wurde nicht enttäuscht.
Maria Nikolai hat ein wunderbares Buch geschrieben, welches ich immer wieder gerne in die Hand genommen und weitergelesen habe.
Die Charaktere handeln nachvollziehbar, haben ihre Ecken und Kanten, niemand ist perfekt, jeder macht mal Fehler. Sehr liebgewonnen habe ich die kleinen Brüder von Judith.
Die gesellschaftlichen Probleme, die Frauen zu dieser Zeit hatten, werden auch sehr gut ausgearbeitet: Egal, wieviel Elan und Ehrgeiz die Frauen zu dieser hatten, sie mussten sich den Männern unterwerfen.Unvorstellbar in der heutigen Zeit.

Fazit: Es ist mein erstes Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe, und definitiv nicht das Letzte. Atmosphärisch und packend, ein wundervolles Buch! So unwiderstehlich, wie ein feinstes Stückchen Schokolade. Unbedingt lesen!

Am 06. Dezember 2018 lernte ich die Autorin Maria Nikolai persönlich auf einer Lesung kennen. Es war ein wunderschöner Abend und ich bin so froh, dass ich eine so liebe und nette Frau kennenlernen durfte. Ich werde noch einen ausführlichen Bericht zu der Lesung einstellen.

„Die Schwestern vom Ku‘damm – Jahre des Aufbaus“

von Brigitte Riebe

Erschienen am 23. Oktober 2018 im Wunderlich Verlag
ISBN: 978-3805203371
https://www.rowohlt.de/hardcover/brigitte-riebe-die-schwestern-vom-ku-damm-jahre-des-aufbaus.html

Das Buch „Die Schwestern vom Ku’damm – Zeiten des Aubaus“ spielt zur Zeit nach Ende des zweiten Weltkrieges und zeigt, mit wie viel Mut und Zuversicht die Bevölkerung ihr Leben neu aufbauten.

Coverrechte: Wunderlich Verlag

Das Buch beginnt im Jahr 1932, hier scheint die Welt für Rike noch in Ordnung. Ihr Vater hat gerade das neue, große Kaufhaus am Ku‘damm eröffnet, alles scheint perfekt.
Im Mai 1945 ist das alles Geschichte: Das Kaufhaus wurde zerstört und auch der Rest der Stadt liegt in Schutt und Asche. Auch in Rikes Familie ist nichts mehr so, wie es einmal war. Mit ihren Schwestern und ihrer guten Freundin muss sie sich nun ihr Leben wieder neu aufbauen – und das alles im Schatten der Vergangenheit.

Brigitte Riebe hat es auch mit diesem Buch wieder geschafft mich restlos zu begeistern. Mit ihrem unverwechselbaren Schreibstil und Charakteren, die einem gleich zu Freundinnen werden, bringt sie Geschichte so lebendig rüber und man hat das Gefühl wirklich selber dabei gewesen zu sein. Man läuft mit den Schwestern durch Trümmerberge, wohnt in einer eiskalten Wohnung und versucht alles, um das Leben wieder zu bekommen, welches vor dem Krieg war.
Einige Szenen trieben mir die Tränen in die Augen oder ich bekam Gänsehaut – so authentisch und greifbar waren die Gefühle der Protagonisten.

Fazit: Nach ihrem Buch „Marlenes Geheimnis“ (erschienen September 2017) hat Brigitte Riebe hier ein neues packendes und brillantes Werk vorgelegt. Spannend und berührend von der ersten bis zur letzten Seite – da flog die Lesezeit nur so dahin und nun heißt es warten auf Teil 2.

Bemerkung: Das Buch habe ich im Oktober 2018 bei einem Facebook-Gewinnspiel der Autorin gewonnen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.