„Das Weingut – in stürmischen Zeiten“

von Marie Lacrosse

Erschienen am 23. Juli 2018 im Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-20554-7
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Weingut-In-stuermischen-Zeiten/Marie-Lacrosse/Goldmann/e536310.rhd

Anhand einer mächtigen Weinhändler-Familie im Elsass und ihres Dienstmädchens beschreibt das Buch „Das Weingut- In stürmischen Zeiten“ von Marie Lacrosse die Zeit vor und während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/1871.

Coverrechte: Goldmann Verlag

Der Prolog des Buches beginnt im Jahre 1851 in Heidelberg in einer Gebäranstalt: Hier erblickt Irene das Licht der Welt, aber eine glückliche und unbeschwerte Kindheit steht ihr nicht bevor: Direkt nach ihrer Geburt wird Irene ins Waisenhaus verbracht. Ihrer Mutter wird es verwährt ihr Kind zu sehen.
In einem Waisenhaus in Speyer setzt dann das erste Kapitel an, hier lebt Irene und ist immer wieder dem Spot der anderen Kinder ausgesetzt. Doch ihr Leben soll sich schon bald ändern: Sie wird als Dienstmädchen im Herrenhaus des Weinhhändlers Wilhelm Gerban in Weißenburg angestellt. Dort lernt sie auch dessen Sohn Franz kennen, welcher an die Ideale der französischen Revolution glaubt und sich damit immer wieder Ärger einhandelt. Irene und Franz verlieben sich ineinander, doch ihre Liebe ist immer wieder Intrigen ausgesetzt. Aber auch ihre gesellschaftlichen Stände stehen ihnen im Weg. Irene beschäftigt zusätzlich noch die Frage, wo ihre familiären Wurzeln sind.
Und dann bricht der Deutsch-Französiche Krieg aus, welcher das Leben der beiden Liebenden für immer verändern wird.

Als das Buch „Das Weingut – in stürmischen Zeiten“ angekündigt wurde, war mein Interesse sofort geweckt. Zum einem der Schauplatz im Elsass auf einem Weingut aber auch der Deutsch-Französische Krieg als geschichtlicher Hintergrund. Über diese kriegerische Auseinandersetzung in den Jahren 1870/ 1871 findet man selten historische Romane.
Da es sich bei dem Namen Marie Lacrosse um ein Pseudonym der Schriftsellerin Marita Spang handelt, deren Bücher ich sehr gerne lese, musste ich dieses Buch unbedingt lesen.

Marie Lacrosse beschreibt ihre Figuren sehr genau: Ihre Gedanken und Gefühle werden gleich greifbar, ich konnte sofort eine Beziehung zu den Figuren aufbauen – einige wurden zu Freunden, andere wollte ich einfach nur schütteln, den ein oder anderen konnte ich schwer einschätzen. Anhand der Figuren zeigt Marie Lacrosse, wie zerrissen die Gesellschaft zu dieser Zeit, wie groß das gesellschaftliche Gefälle war: Da ist die reiche, mächtige Familie und ganz unten steht das Dienstmädchen Irene.
Deutlich wird aber auch wie die Ideale der Französichen Revolution bei einigen Menschen Anklang gefunden und damit Hoffnungen auf einen gesellschaftlichen Umbruch gemacht haben.

Der Stil des Buches ist absolut packend. Das fängt schon mit dem Prolog an, welcher mich nicht mehr loggelassen hat. Ich musste immer weiter lesen, die Geschichte nahm immer mehr an Tempo auf. Marie Lacrosse hat eine sehr bildliche Sprache, ich hatte keine Probleme mir diverse Gebäude und Landschaften vorzustellen.
Man merkt, wie intensiv Marie Lacrosse die Verhältnissen in Herrenhäusern zu dieser Zeit recherchiert hat, aber auch wie sehr sie sich mit den Themen Krieg und Weinbau auseinandergesetzt hat.
Die absolute Abhängigkeit des Dienstpersonals (vor allem der Dienstmädchen) von ihren Herrn wird sehr deutlich. Mit einer romantischen Verklärung hat man es in diesem Buch nicht zu tun.
Das Kriegsgeschehen auf den Schlachtfeldern lässt sie nicht aus, es wird teilweise sehr ausführlich beschrieben, was damals passierte. Sie zeigt welche Grausamkeiten einzelne Soldaten, aber auch die Zivilbevölkerung, durchleben mussten. Teilweise hatte ich beim Lesen die Tränen in den Augen, manchmal konnte ich auch nur den Kopf über die Grausamkeiten zu dieser Zeit schütteln. Es gab Momente, da musste ich das Buch kurz zur Seite legen, durchatmen und mir bewusst machen in welch friedlichen Zeiten wir heute leben.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass ich gerne etwas mehr über den Weinbau gelesen hätte. Das Thema kommt leider etwas kurz.

Fazit: Authentisch, teilweise sehr grausam, aber es gibt auch wunderschöne Szenen. Ganz klare Leseempfehlung!

Ich freue mich auf den zweiten Teil, der im April 2019 erscheint.

Hier findet ihr die Rezension zum zweiten Teil: „Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben

„Die Schokoladenvilla“

von Maria Nikolai

Erschienen am 08. Oktober 2018 im Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10322-6
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Schokoladenvilla/Maria-Nikolai/Penguin/e542481.rhd

Das Buch „Die Schokoladenvilla“ von Maria Nikolai spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in Stuttgart und zeigt, wie schwer es die Frauen in dieser Zeit in der Gesellschaft hatten und wie abhängig sie von Männern gemacht wurden.

Coverrechte: Penguin Verlag

Stuttgart 1903: Judith, die älteste Tochter eines Schokoladenfabrikanten, führt ein sorgenfreies Leben: Sie lebt mit ihrem Vater und ihren Brüdern in einer Villa in Degerloch. Ihr größter Wunsch ist es, einmal die Schokoladenfabrik zu führen, voller Leidenschaft widmet sie sich neuen süßen Kreationen und arbeitet neue Geschäftideen aus. Doch ihr Vater hat andere Pläne und handelt eine gesellschaftlich günstige Hochzeit aus – mit einem Mann, den Judith nie lieben könnte. Damit sind ihre Träume und Wünsche, die Schokoladenfabrik zu leiten, dahin. Doch Judith kämpft weiter für ihre Träume, und plötzlich tritt ein weiterer Mann in ihr Leben: Victor Rheinberger. Dieser möchte sich in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen.

Dieses Buch war ein absolutes „Muss-ich-unbedingt-jetzt-sofort-lesen-Buch“: Ein historischer Roman und dann auch noch das Thema Schokolade. Einfach perfekt.
Das Cover hat mich direkt verzaubert: Wunderschöne Details wie z.B. glitzernde Schneeflocken machten gleich Lust auf das Buch.Und ich wurde nicht enttäuscht.
Maria Nikolai hat ein wunderbares Buch geschrieben, welches ich immer wieder gerne in die Hand genommen und weitergelesen habe.
Die Charaktere handeln nachvollziehbar, haben ihre Ecken und Kanten, niemand ist perfekt, jeder macht mal Fehler. Sehr liebgewonnen habe ich die kleinen Brüder von Judith.
Die gesellschaftlichen Probleme, die Frauen zu dieser Zeit hatten, werden auch sehr gut ausgearbeitet: Egal, wieviel Elan und Ehrgeiz die Frauen zu dieser hatten, sie mussten sich den Männern unterwerfen.Unvorstellbar in der heutigen Zeit.

Fazit: Es ist mein erstes Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe, und definitiv nicht das Letzte. Atmosphärisch und packend, ein wundervolles Buch! So unwiderstehlich, wie ein feinstes Stückchen Schokolade. Unbedingt lesen!

Am 06. Dezember 2018 lernte ich die Autorin Maria Nikolai persönlich auf einer Lesung kennen. Es war ein wunderschöner Abend und ich bin so froh, dass ich eine so liebe und nette Frau kennenlernen durfte. Ich werde noch einen ausführlichen Bericht zu der Lesung einstellen.

„Die Schwestern vom Ku‘damm – Jahre des Aufbaus“

von Brigitte Riebe

Erschienen am 23. Oktober 2018 im Wunderlich Verlag
ISBN: 978-3805203371
https://www.rowohlt.de/hardcover/brigitte-riebe-die-schwestern-vom-ku-damm-jahre-des-aufbaus.html

Das Buch „Die Schwestern vom Ku’damm – Zeiten des Aubaus“ spielt zur Zeit nach Ende des zweiten Weltkrieges und zeigt, mit wie viel Mut und Zuversicht die Bevölkerung ihr Leben neu aufbauten.

Coverrechte: Wunderlich Verlag

Das Buch beginnt im Jahr 1932, hier scheint die Welt für Rike noch in Ordnung. Ihr Vater hat gerade das neue, große Kaufhaus am Ku‘damm eröffnet, alles scheint perfekt.
Im Mai 1945 ist das alles Geschichte: Das Kaufhaus wurde zerstört und auch der Rest der Stadt liegt in Schutt und Asche. Auch in Rikes Familie ist nichts mehr so, wie es einmal war. Mit ihren Schwestern und ihrer guten Freundin muss sie sich nun ihr Leben wieder neu aufbauen – und das alles im Schatten der Vergangenheit.

Brigitte Riebe hat es auch mit diesem Buch wieder geschafft mich restlos zu begeistern. Mit ihrem unverwechselbaren Schreibstil und Charakteren, die einem gleich zu Freundinnen werden, bringt sie Geschichte so lebendig rüber und man hat das Gefühl wirklich selber dabei gewesen zu sein. Man läuft mit den Schwestern durch Trümmerberge, wohnt in einer eiskalten Wohnung und versucht alles, um das Leben wieder zu bekommen, welches vor dem Krieg war.
Einige Szenen trieben mir die Tränen in die Augen oder ich bekam Gänsehaut – so authentisch und greifbar waren die Gefühle der Protagonisten.

Fazit: Nach ihrem Buch „Marlenes Geheimnis“ (erschienen September 2017) hat Brigitte Riebe hier ein neues packendes und brillantes Werk vorgelegt. Spannend und berührend von der ersten bis zur letzten Seite – da flog die Lesezeit nur so dahin und nun heißt es warten auf Teil 2.

Bemerkung: Das Buch habe ich im Oktober 2018 bei einem Facebook-Gewinnspiel der Autorin gewonnen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.